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Freitag, 23. Oktober 2026
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Geschrieben von Christian Dolle am 20. September 2026
Kultur und mehr

„Nachdenkräume des Verbrechens“

Vierter Tag des Mordsharz-Festivals in Walkenried

Jan Beck (Fotos: Christian Dolle)
Jan Beck (Fotos: Christian Dolle)
Julia Nachtmann
Julia Nachtmann
Ralf Thiesen
Ralf Thiesen
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Schock beim Mordsharz-Festival! Kurz bevor es in Walkenried losgehen sollte, meldete sich Autorin Camilla Sten aus Spanien, dass sie ihren Fuß gebrochen habe und absagen müsse. Für die Organisation ein echter Krimi, denn in einer solchen Situation muss plötzlich improvisiert werden und eine Lösung musste her, um nicht alle Besucherinnen und Besucher enttäuscht nach Hause zu schicken. 
Der Krimiabend im Kloster begann dann allerdings erst einmal mit der Lesung von Ralf Thiesen aus seinem Roman „Schatten über Königsberg“, der 1924 in der ostpreußischen Metropole spielt. Der Autor las einige Szenen und erläuterte dazu, wie er Fakten und Fiktion zu einer Geschichte verbindet. 

Sein Lektorat habe ihm beim ersten Buch – Mit „Die Toten von Königsberg“ stand Ralf Thiesen auf der Shortlist zum „Harzer Hammer“ 2024 – viele Kapitel gestrichen, um die Geschichte stringenter zu machen. Auch heute noch würden alle Fakten akribisch überprüft und manchmal sei es ein Ringen um Details, weil historische Wahrheit und spannender Krimi immer auch einen Mittelweg bedeuten. Dennoch sagt Ralf Thiesen aus voller Überzeugung: „Ein guter Lektor macht jedes Manuskript besser.“

Jan Beck stellte anschließend den zweiten Band seiner Dorn-Reihe „Zimmer 203 – Ruf der Toten“ vor, in der sein Protagonist Simon Dorn in einem alten Hotel lebt, dessen Zimmer ungeklärten Kriminalfällen gewidmet sind. Es sind für Dorn „Nachdenkräume des Verbrechens“, beschrieb es der Autor. 

Im aktuellen Fall wird sein Protagonist von einer Frau angerufen, die behauptet, die Polizei sei bei ihr und ermittle gerade, woran sie verstorben sei. Am unterdrückten Grinsen des Autors, an seinem Abwarten der Reaktion seines Publikums war deutlich abzulesen, wie sehr er es genießt, seine Leserinnen und Leser zu verwirren, herauszufordern und schließlich mit einer Story zu überraschen, die absolut nicht vorhersehbar ist. Schließlich klärt sich, dass alles damit zu tun hat, dass eine Maschine das Bewusstsein der Toten übernimmt. „KI – das Schreckgespenst unserer Zeit“, wie Jan Beck es ausdrückte.

Ihren persönlichen Schrecken erlebte die schwedische in Barcelona lebende Autorin Camilla Sten am Flughafen. Dort stolperte sie unglücklich über ihren Koffer, musste ihren Besuch beim Harzer Krimifestival kurzfristig absagen. Für diejenigen, die trotzdem eine Lesung aus ihrem Thriller „Bachelorette Party“ miterleben wollten, war aber ja ihre deutsche Hörbuchstimme Julia Nachtmann in Walkenried. 

Mordsharz-Chef Christoph Lampert organisierte einen Call von Walkenried nach Barcelona, so dass Camilla kurz erzählen konnte, was ihr passiert war und wie sehr sie es bedauerte und das Publikum ihr gute Besserung wünschen konnte. Im kommenden Jahr werde es ein neues Buch von ihr geben, sagte sie noch, ihr Besuch im Harz ist somit fast sicher. 

Julia Nachtmann las einige Szenen aus dem Buch und machte neugierig auf die spannende Geschichte einiger junger Frauen auf einer schwedischen Schäreninsel. Außerdem sprach sie im Talk darüber, wie sie sich auf Hörbücher vorbereitet, wie sie die Stimmen verschiedener Charaktere anlegt und wie sie es schafft, eine gut beschriebene bedrohliche Atmosphäre noch intensiver zu machen. Die in Hamburg lebende Schauspielerin versteht ihr Handwerk, so dass es für die meisten Gäste weit mehr als nur ein spontaner Ersatz war. 

Damit war das Mordsharz-Festival auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg, ein Festival für den gesamten Harz, das auch viele Gäste aus ganz Norddeutschland für vier Tage hierher zieht, und vor allem die Bandbreite des Krimigenres aufzeigt. Die Organisatoren ziehen ein durch und durch positives Fazit.


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