Geschrieben von Andreas Bücher am 28. Oktober 2026
Begeisterung, besondere Klänge und bewegende Geschichten
HARZ FIRE Biennale in Lerbach
Mit langanhaltendem Applaus, Standing Ovations und dem Wunsch nach einer spontanen Zugabe endete die Konzertandacht „Inseln & Kontinente“ im Rahmen der 3. HARZ FIRE Biennale am Sonntagabend in der Lerbacher Kirche.
Über anderthalb Stunden nahmen der Kreis-Posaunenchor Harzer Land unter der Leitung von Andreas Bücher, Organist Bernd Scholze und Illuminator Stefan Braukhane die Zuhörer mit auf eine außergewöhnliche musikalische Reise. Von den Klangwelten des Barocks über die „Insel Bach“, die Atlantis-Brücke bis hin zur Welt der Obertöne spannte sich ein Bogen, der Musik, Spiritualität, Fantasie und Gemeinschaft miteinander verband.
Dabei erklangen nicht nur bekannte Choräle und Werke von Telemann und Bach. Die Besucher wurden auch mit Instrumenten und Klängen vertraut gemacht, die man in einer Harzer Dorfkirche nur selten erlebt. Besonders eindrucksvoll war das Atlantis-Triptychon. Als der leise Regenmacher erklang und Bernd Scholze mit Obertongesang, Koncovka, Fujara und einer indischen Shruti-Box eine musikalische Morgenstimmung auf Atlantis entstehen ließ, war es in der Kirche vollkommen still. Viele Besucher beschrieben diesen Moment später als geradezu magisch und berichteten, dass sie von dieser besonderen Atmosphäre tief berührt worden seien.
Zu einem emotionalen Höhepunkt des Abends wurde „Gabriellas Song“ aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“. Das Lied über Mut, Hoffnung und die Suche nach der eigenen Stimme traf einen Nerv des Publikums. Nach dem offiziellen Programm wurde ausgerechnet dieses Stück als Zugabe vom Publikum eingefordert und noch einmal gespielt.
Dass dieser Moment so bewegend wirkte, hatte auch einen persönlichen Hintergrund. Sowohl Bernd Scholze als auch Andreas Bücher mussten im Jahr 2026 schwerwiegende gesundheitliche Rückschläge bewältigen und waren zeitweise nicht mehr in der Lage, ihre Instrumente zu spielen. Die über Monate vorbereitete Konzertandacht wurde für beide zu einem Ansporn, sich Schritt für Schritt zurückzuarbeiten. Die Geschichte des Films „Wie im Himmel“, in dem ebenfalls ein schwer erkrankter Musiker eine zentrale Rolle spielt, verlieh dem Stück eine zusätzliche Tiefe, die viele Zuhörer spürbar erreichte.
Auch die visuelle Gestaltung trug wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Stefan Braukhane setzte das Biennale-Motto „Inseln & Kontinente“ mit einer eindrucksvollen Illumination der Kirche um. Grüne Lichtflächen symbolisierten Kontinente und Inseln, verbunden durch eine Atlantis-Brücke über einem blauen Ozean. Über allem spannte sich ein bewegter Sternenhimmel bis unter das Kirchendach, in dem sogar Sternschnuppen zu entdecken waren.
Die Konzertandacht wurde nicht nur mit viel Applaus bedacht. Auch die eingegangenen Spenden zeigten die große Wertschätzung des Publikums für die ehrenamtliche Arbeit des Kreis-Posaunenchors Harzer Land.
Im Anschluss blieben viele Gäste noch lange zusammen. Der Lerbacher Kirchenvorstand unterstützte die Veranstaltung bei der Bewirtung der Besucher. Für ein besonderes Catering sorgte Anja Bücher mit herzhaften Broten, darunter natürlich auch Variationen mit Harzer Tomaten passend zur Namensgebung der Biennale, der Harzfeuer-Tomate. Darüber hinaus gab es eine große Auswahl selbstgebackener Kuchen. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Abend gemeinsam Revue passieren zu lassen.
Die HARZ FIRE Biennale wird vom englischen Komponisten Graham Lack organisiert. Ihren ungewöhnlichen Namen verdankt sie der bekannten Harzer Tomatensorte „Harzfeuer“, deren Begeisterung den Anstoß für dieses musikalische Festival gab. Nach dem Erfolg des Abends in Lerbach zeigte sich das Organisationsteam hochzufrieden. Neben allen musikalischen und organisatorischen Erfolgen waren es vor allem die Begegnungen, die Gemeinschaft und die sichtbare Freude auf den Gesichtern von Zuhörern und Mitwirkenden, die diesen Abend zu etwas Besonderem machten.