Geschrieben von Gordy am 22. Januar 2013
Uni-Tage eröffnet
Am Montag, dem 21. Januar eröffnete Professor Dr. Wolfgang Schneider vom Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim die diesjährigen Universitätstage des Kulturkreises Bad Lauterberg mit einem Vortrag, dessen Arbeits-Titel schon fast einer Kurzgeschichte gleichkam: „Es ist von jeher eine der wichtigsten Aufgaben der Kunst gewesen, eine Nachfrage zu erzeugen, für deren volle Befriedigung die Stunde noch nicht gekommen ist - Kulturpolitik als gesellschaftlicher Auftrag“.
Leider - und dieses "Leider" kommt aus vollem Herzen - fand dieser ebenso hochinteressante, wie überzeugende Vortrag an diesem Abend nicht den Publikumszuspruch, den er zweifelsfrei verdient hätte. Lag es am widrigen Winterwetter oder schreckten viele vor dem so außergewöhnlich intellektuell anmutenden Arbeitstitel zurück?
Professor Schneider ließ sich jedoch nicht von leeren Stuhlreihen beeindrucken, sondern überzeugte mit seinem kompetent, glaubhaft und sehr engagiert vorgetragenen Referat. Es sei ihm ein persönlichen Anliegen, wenn der Staat die Versorgung der Bürger im Bereich Kunst und Kultur vielleicht einmal genauso selbstverständlich behandeln würde, wie etwa die Bereiche Krankenversorgung oder Straßenbau. Kulturpolitik sei Gesellschaftspolitik und selbstverständlich auch Kommunalpolitik, denn größter Kulturförderer mit seinen Spenden, Beiträgen, Eintrittsgelder und Steuern, sei doch der Bürger selbst.
Das Recht unserer Kinder auf Kunst und Kultur solle ebenfalls gewahrt und gefördert werden. Dies beginne bereits in der Breiten- oder Bürgerkultur, wie Schützenverein, Sportverein, Gesangverein etc.
"Ich gehe sehr ungern ins Theater. Ich habe Wichtigeres zu tun.", dies schrieb ein 17-jähriger dem Forum Freies Theater Düsseldorf. Theater sei für ihn wie für viele andere Schüler auch, eine nervende Pflichtveranstaltung. Die Theaterlandschaft Deutschlands ist einmalig. Freie Theaterszenen, Stadt-und Staatstheater, Landesbühnen. Theater mit Kindern, mit Jugendlichen oder mit Senioren - das alles lassen sich vor allem Kommunen und Länder jährlich fast drei Milliarden Euro kosten. Trotzdem sei immer wieder kein Geld vorhanden, um die Preis- und Tarifsteigerungen der personalintensiven Apparate zu finanzieren.
Kommunale Kulturförderung müsse eine Verständigung anstreben, welche Rolle Theater zukünftig in der Gesellschaft spielen soll und welche Maßnahmen nötig seien, um eine breite Partizipation der Bevölkerung zu ermöglichen. Außer in den großen Städten mit Schauspielhäusern könne Theater aber auch an ganz ungewöhnlichen anderen Orten stattfinden. Regional orientiertes Theater könne eigentlich überall gespielt werden, wo sich ortsübliche Plätze oder Räumlichkeiten anböten. Kunst und Kultur ist sehr facettenreich, darum sollte der Zugang hierzu nicht nur problemlos sondern auch erschwinglich sein. Den so häufig gehaltenen "Sonntagsreden" sollte doch öfters auch mal ein wenig "Alltagshandeln" folgen.
