Geschrieben von ski am 19. August 2018
Ein Konzert ohne Blockflötengesicht
Die Queenz of Piano spielten bei den Bad Lauterberger Musiktagen







Zwei Flügel auf eine Bühne hinauf- und nach dem Konzert wieder herunterzubekommen, ist nicht leicht: „Würden wir Blockflöte spielen, hätten wir es viel einfacher“, stellten die Queenz of Piano, Jennifer Rüth und Ming, fest. Aber die Blockflöte – als Knochenflöte schon vor 40.000 Jahren auf der Schwäbischen Alb nachgewiesen – hat eben auch einen gravierenden Nachteil: „Man bekommt so ein fieses Blockflötengesicht“. Ob das wohl die Ursache für Angela Merkels Gesichtsausdruck ist, wie Ming spekuliert?
Mit ihrem Programm „Verspielt“, dem vorletzten Konzert der diesjährigen Bad Lauterberger Musiktage, lösten sie jedenfalls ganz andere Gesichtsausdrücke beim Publikum im fast komplett gefüllten Kursaal aus. So eine Kindheit zwischen Mozart, Beethoven, Schumann, Prince und Dieter Bohlen will ja auch einmal aufgearbeitet werden, daher bearbeiteten die Queenz ihre Flügel mit Leidenschaft und den verschiedensten Hilfsmitteln, um ungeahnte Klangmöglichkeiten vorzubringen. So gab es Mozarts Türkischen Marsch in einer aufs Nötigste reduzierten Sparversion (ohne Wiederholungen, Vorzeichen, Pausen und den ganzen überflüssigen Luxus) zu hören, dann wieder als Swing-Variante. Nirvanas Hit „Smells like Teen Spirit“ wurde zur Fuge (und die ersten Reihen bekamen für das immersive Konzerterlebnis auch etwas von dem titelgebenden Deodorant ab).
Scatgesang und Star Trek
Klar, dass die Queenz auch Singen können – übrigens ein weiterer Vorteil des Klaviers gegenüber der Blockflöte. Das Publikum durfte sich seinerseits im Scatgesang zu Minnie the Moocher versuchen – mit, neutral bewertet, wohl eher durchwachsenem Erfolg. Andererseits, das muss man zur Ehrenrettung der hiesigen Konzertbesucher wohl ergänzen, klappte das Mitklatschen auf die Schläge 2 und 4 schon ganz gut, obwohl die Queenz ausdrücklich versicherten: „Wir akzeptieren inzwischen auch 1 und 3“. Und besondere Fachkunde zeigten die Lauterberger, als auf Anhieb der Titel des nächsten Stücks erraten werden konnte, bei dem ein ganz besonders seltenes Instrument seinen wohl berühmtesten Einsatz hat: die Star-Trek-Titelmelodie, die mit einem Theremin gespielt wird. „Das pfeift auch dann, wenn man keine Highheels trägt“, so die Queenz, die auch vor dem Einsatz einer Melodica nicht zurückschreckten. Wer seine beiden Flügel so unbekümmert durch alle Genres marschieren lässt und dabei auch die drei klassisch deutschen kompositorischen Gefühlsausdrücke – Melancholie, Depression und schwere Depression – beherrscht, der hat natürlich auch eigene Kompositionen beizutragen, die ihren ganz eigenen und unironischen Zauber hatten.
Ein großartiger Abend mit zwei ebenso hochklassigen wie experimentierfreudigen Pianistinnen auf der von der Gärtnerei Borowski besonders schön geschmückten Kursaalbühne - und ein toller Erfolg für den Bad Lauterberger Kulturkreis, der die diesjährigen Musiktage mit dem Konzert des Pindakaas Saxophon Quartett am kommenden Samstag beenden wird.