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Sonntag, 21. April 2024
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Geschrieben von Boris Janssen am 04. Dezember 2013.
Politik

„Wir haben es selbst in der Hand“

Info-Abend zur Zukunft der Bad Lauterberger Grundschulen: Immer weniger Kinder und dann auch noch die Inklusion – was kann sich die Stadt noch leisten, wie soll die Schullandschaft in zehn Jahren aussehen?

Kostet nicht viel, aber ist ihr Erhalt gerechtfertigt? Die kleinste Grundschule in Bartolfelde.
Kostet nicht viel, aber ist ihr Erhalt gerechtfertigt? Die kleinste Grundschule in Bartolfelde.
Die erwarteten Schülerzahlen bis zum Jahr 2019, aufgeteilt nach Ortsteilen.
Die erwarteten Schülerzahlen bis zum Jahr 2019, aufgeteilt nach Ortsteilen.
„Erschreckende“ Prognose: Die Rauten stellen die erwarteten Schülerzahlen dar, der rote Strich den daraus abgeleiteten Trend. Die „Zügigkeit“ ergibt sich aus einer Verordnung des Landes und sagt aus, wie viele Klassen der Jahrgang wohl haben wird.
„Erschreckende“ Prognose: Die Rauten stellen die erwarteten Schülerzahlen dar, der rote Strich den daraus abgeleiteten Trend. Die „Zügigkeit“ ergibt sich aus einer Verordnung des Landes und sagt aus, wie viele Klassen der Jahrgang wohl haben wird.
So viel kosten die einzelnen Grundschulen die Stadt pro Jahr.
So viel kosten die einzelnen Grundschulen die Stadt pro Jahr.

Um die Zukunft der Bad Lauterberger Grundschulen sollte es gehen. Um die Fragen: „Wie stellen wir uns unsere Schullandschaft in ein paar Jahren vor? Was soll sie leisten, was soll sie können?“ Das seien wichtige Fragen, stellte Bürgermeister Dr. Thomas Gans auf dem Info-Abend zur Zukunft der Grundschulen am Donnerstag (28.11.2013) fest. Denn gute Schulen seien ein „knallharter Standortfaktor für die Stadt“. Und noch sei die Stadt ja in der Lage, selbst darüber zu bestimmen: „Wir haben es in der Hand, zu entscheiden, wie unsere Grundschulen in zehn Jahren aussehen.“

Dazu kam es dann aber doch nicht. Die lebhafte Diskussion drehte sich weitgehend ums Jetzt: Vor allem Bartolfelder Eltern warfen immer wieder Argumente gegen eine befürchtete Schulschließung in die Waagschale. Das Dorf werde noch weiter ausbluten, kleinere Klassen ermöglichten besseren Unterricht. Und überhaupt, so teuer seien die Grundschulen ja gar nicht.

  

325.000 Euro für drei Grundschulen

In der Tat, die insgesamt etwa 325.000 Euro pro Jahr für alle drei Schulen zusammen nehmen gerade einmal rund zwei Prozent des Stadthaushaltes ein (im Jahr 2013 etwa 16 Millionen Euro). Zum besseren Vergleich der Standorte dröselte der Bürgermeister die Kosten detailliert auf. Für die Bewirtschaftung (Heizung, Reinigung, Nebenkosten und so weiter) fallen in Bartolfelde 43.500 Euro an, in Barbis 56.000 Euro und in Bad Lauterberg 71.000 Euro. Dazu kommen für das Schulsekretariat und die Hausmeister in Bartolfelde 43.000 Euro, in Barbis 54.000 Euro und in Bad Lauterberg 58.000 Euro. Die Lehrer sind nicht eingerechnet, weil sie vom Land bezahlt werden. Die Grundschule Bartolfelde schlägt also mit 86.500 Euro zu Buche, die Grundschule Barbis mit 110.000 Euro und die Grundschule Am Hausberg mit 129.000 Euro. Allerdings hat die Bad Lauterberger Schule als einzige keine eigene Turnhalle, die in den Ortsteilen natürlich auch von Vereinen benutzt werden.

Das ist der Stand 2013. Wer aber in die Zukunft blickt, der sieht vor allem zwei „Bedingungen, die auf uns zurollen“, wie es Thomas Gans formulierte: Das sind die Inklusion und der demografische Wandel. „Wir müssen schauen, wie wir darauf reagieren müssen“, stellte Gans fest.

  

Ab 2020 reicht es nur noch für zwei erste Klassen

Laut Niedersächsischem Schulgesetz muss ein Schulträger, in diesem Fall eben die Stadt Bad Lauterberg, seinen schulorganisatorischen Entscheidungen eine Prognose der Schülerzahlen für mindestens zehn Jahre zugrunde legen. Diese Prognose falle in der Kneippstadt „erschreckend“ aus, so der Bürgermeister. Werde der negative Trend nicht gestoppt, habe Bad Lauterberg schon in einigen Jahren weniger als 10.000 Einwohner. Und vor allem immer weniger Kinder. Wie viele Kinder bis ins Jahr 2019 eingeschult werden (siehe Tabelle), lasse sich dabei einigermaßen genau vorhersehen. Schließlich seien die Kinder ja bereits geboren – Zu- und Wegzüge oder Rückstellungen hätten nur geringe Auswirkungen. Für die längerfristige Entwicklung müsse man den derzeitigen Trend hypothetisch fortschreiben: Für das Jahr 2020 ergäben sich daraus 56 Erstklässler, für das Jahr 2025 noch 44, und für 2029 gerade einmal 34.

Das hat natürlich Folgen für die Daseinsberechtigung der Schulen: Laut Verordnung für die Schulorganisation müssten Grundschulen mindestens einzügig geführt werden, das heißt mindestens eine volle Klasse pro Jahrgang. Die Sollzahl für einen solchen „Zug“ liege bei 24. Diese Zahl sei bedeutsam, weil eine untereinzügige Schule nur dann fortgeführt werden dürfe, wenn andernfalls die Schulwege wesentlich ungünstiger würden. Bartolfelde ist seit Jahren untereinzügig, Barbis in Zukunft ebenfalls. Davon unberührt gelte aber ein Klassenteiler von 26, das heißt ab 26 Kindern sollen an einer Schule zwei Klassen gebildet werden. Bad Lauterberg als Gesamtheit bleibe so nach derzeitigem Stand und heutiger Gesetzeslage ab 2020 in der Zweizügigkeit stecken.

  

Inklusion: „Mehr als eine Rollstuhlrampe anzubauen“

Die andere große Herausforderung sei die Inklusion, erklärte Gans. Eltern können nun selbst entscheiden, ob ihr Kind bei Bedarf eine inklusive Schule oder eine Förderschule besuchen soll. Das bedeutet, auch Kinder mit geistiger, seelischer, Hör- oder Sehbehinderung oder schwerster Mehrfachbehinderung könnten an eine „normale“ Grundschule gehen.

Bis zum Schuljahr 2017/18 reicht es, wenn der Schulträger eine geeignete sogenannte Schwerpunktschule benennt, im Stadtgebiet ist das die Grundschule Barbis. Danach müssen alle Schulen inklusiv sein. Der Schulträger habe bis dahin laut Kultusministerium die Aufgabe, allen Kindern die „Voraussetzungen für die Teilhabe an Bildung zu gewährleisten“, als da wären barrierefreier und gleichberechtigter Zugang, Benutzbarkeit aller (!) schulischen Einrichtungen (also zum Beispiel auch einer Schulbücherei) und Einbezogensein in das Sozialleben.

„Inklusion bedeutet eben mehr, als nur die Rollstuhlrampe anzubauen“, betonte der Bürgermeister. Kinder mit geistigen oder seelischen Behinderungen seien eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten. Sie bräuchten zum Teil eine ganz persönliche Betreuung und hätten auch spezielle Bedürfnisse. Für solche Kinder müssten Rückzugs- und Therapieräume vorgehalten werden, spezielle Wasch- und Duschräume. Wünschenswert wären sogar Bewegungsräume für Ergotherapie oder Ruheräume mit Betten. „Keine einzige unserer Schulen verfügt darüber“, stellte Gans fest. „Es wäre eine enorme Kraftanstrengung, das so umzubauen.“ Man könne aber mit solch umfangreichen Maßnahmen nicht erst dann anfangen, wenn sich das erste betroffene Kind anmeldet, es werde eine viel zu lange Vorlaufzeit benötigt.

  

Wie soll die Bad Lauterberger Schullandschaft unter diesen Bedingungen in zehn Jahren aussehen? Diese Frage sollte an diesem Abend sicher nicht gelöst werden, aber zumindest einmal angedacht. Leider musste die Diskussion nach fast zwei Stunden vollkommen fruchtlos abgebrochen werden. Die Eltern mussten schließlich zurück zu denen, um die es heute eigentlich gehen sollte: ihre Kinder.

(Grafiken: Stadt Bad Lauterberg nach eigenen Quellen. Foto: Boris Janssen.)


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