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Montag, 15. April 2024
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Geschrieben von Boris Janssen am 11. Februar 2016.
Politik

Brüsseler Betriebsausflug

Europaabgeordneter Bernd Lange (SPD) hat die Bad Lauterberger Unternehmen Exide und Hemeyer Verpackungen besichtigt

Bereit für die Führung durch die Exide (von links): Landtagsabgeordneter Karl Heinz Hausmann, Bürgermeister Dr. Thomas Gans, Karsten Kurz, Europaabgeordneter Bernd Lange und Werksleiter Alvaro Camarillo.
Bereit für die Führung durch die Exide (von links): Landtagsabgeordneter Karl Heinz Hausmann, Bürgermeister Dr. Thomas Gans, Karsten Kurz, Europaabgeordneter Bernd Lange und Werksleiter Alvaro Camarillo.
Die Gäste verfolgten die Produktion vom Gießen der Bleigitter…
Die Gäste verfolgten die Produktion vom Gießen der Bleigitter…
…über das Pastieren derselben und die weiteren Schritte...
…über das Pastieren derselben und die weiteren Schritte...
…bis zur fertigen Batterie.
…bis zur fertigen Batterie.
Bei Hemeyer Verpackungen weiß Harald Winter (links), womit er die Besucher beeindrucken kann: Bernd Lange, Adrian Moser (Praktikant bei Hausmann) und Karl Heinz Hausmann bestaunen…
Bei Hemeyer Verpackungen weiß Harald Winter (links), womit er die Besucher beeindrucken kann: Bernd Lange, Adrian Moser (Praktikant bei Hausmann) und Karl Heinz Hausmann bestaunen…
…wie in einem ersten Schritt ein Stück Stahlblech zum Fassrohling geschweißt wird. Das geschieht ebenso vollautomatisch und präzise…
…wie in einem ersten Schritt ein Stück Stahlblech zum Fassrohling geschweißt wird. Das geschieht ebenso vollautomatisch und präzise…
…wie das Einfügen von zuvor gestanzten Böden und Deckeln (die oben herangefahren und von dort von der Maschine heruntergeholt werden)…
…wie das Einfügen von zuvor gestanzten Böden und Deckeln (die oben herangefahren und von dort von der Maschine heruntergeholt werden)…
…oder das Stapeln der fertigen Fässer auf Paletten.
…oder das Stapeln der fertigen Fässer auf Paletten.

Was die industrielle Leistungsfähigkeit angeht, braucht sich der Landkreis Osterode nicht zu verstecken, weiß der Landtagsabgeordnete Karl Heinz Hausmann (SPD). In Bad Lauterberg zum Beispiel steht mit der Exide Europas größtes Werk für Industriebatterien und die mittelständische Firma Hemeyer Verpackungen hat sich mit ihren Blechwaren einen Marktanteil von 24 Prozent erobert. Unternehmen also, die man vorzeigen könne, findet Hausmann. Und genau das hat er dann auch getan, als am Mittwoch (10.02.2016) der Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD) zu Besuch kam.

Tatsächlich zeigte sich Lange sehr beeindruckt nach den Besichtigungen: „Das war richtig spannend.“ Für die Region wiederum war besonders eine Erkenntnis spannend: Beide Unternehmen blicken mit viel Zuversicht in die Zukunft.

 

Exide wieder „auf dem richtigen Weg“

So ist Exide-Werksleiter Alvaro Camarillo nach drei Jahren, in denen es viele Veränderungen gegeben habe, überzeugt: „Wir laufen jetzt auf dem richtigen Weg.“ Die Mitarbeiterzahl sei zuletzt wieder gestiegen, der größte Arbeitgeber der Region beschäftige zurzeit etwa 780 Menschen, davon 700 in der Herstellung, den Rest in Vertrieb und Service. Das Werk stelle pro Jahr 1,5 Millionen Zellen im Bereich Automotive Power (Batterien für Fahrzeuge) her und 173.000 Zellen im Bereich Network Power (für Systeme, die gegen Stromausfälle geschützt werden müssen).

Und dann gibt es noch den Bereich Defense, in dem Batterien für U-Boote entstehen. Hier kommen pro Jahr 2.100 Zellen zusammen. „Das klingt zwar wenig, aber U-Boot-Batterien sind natürlich auch etwas größer“, bemerkte Camarillo – um genau zu sein etwa brusthoch. Das macht den Herstellungsaufwand natürlich deutlich größer. Wie so oft profitiert im Nachhinein auch die zivile Kundschaft von den Entwicklungen, das derzeitige Premium-Produkt der Firma etwa sei mit Know-How aus dem U-Boot-Bereich entstanden.

Auch in der nahen Zukunft wolle man weiter in das Werk investieren, kündigte Camarillo an. Die Produktion soll durch Automatisierung effizienter werden und man will noch mehr auf die Kunden eingehen können. Selbst wenn es der skurrile Wunsch mancher Fahrzeughersteller ist, dem Batteriegehäuse ein ganz bestimmtes Design zu verpassen. „Das ist verrückt – ist die Batterie erst einmal eingebaut, sieht man sie normalerweise gar nicht“, scherzte Camarillo. „Und dann wird es am Ende auch kein Ferrari, sondern ein Gabelstapler.“ Nicht zuletzt solche Sonderwünsche schrauben die Produktvielfalt des Bad Lauterberger Werkes auf 3.000 unterschiedliche Batterien hoch.

Was jedoch noch entscheidender ist: Offensichtlich versteht es die Exide, ihre Kunden mit Qualität zu überzeugen. Vor acht Jahren habe man in einer Preisschlacht nahezu alle U-Boot-Kunden verloren, „aber mittlerweile sind fast alle wieder zurückgekommen.“ Das und die Tatsache, dass die schweren Produkte nur mit erheblichem Kostenaufwand exportiert werden können, lässt die Exide die Konkurrenz einigermaßen gelassen beobachten. So wie die eigenen Batterien überwiegend in Europa bleiben – bis auf die weltweit verkauften U-Boot-Batterien – erreichen die asiatischen Produkte nur selten den europäischen Markt. Die größte Gefahr gehe eher von Dubai aus, wo sich momentan eine ernstzunehmende Batterieindustrie entwickle.

 

Lange: Politik muss Entwicklung und Innovation ermöglichen

Wirtschaftlich geht es der Exide den Berichten zufolge also gut. Aber zwei politische Themen brannten Karsten Kurz, im Konzern für Umweltfragen zuständig, derart auf den Nägeln, dass er eigens aus dem zweiten deutschen Exide-Werke in Büdingen zum hohen Besuch aus Brüssel stieß. Zur Altautorichtlinie, die Schwermetalle in Autos verbiete, müsse die Ausnahme für Bleibatterien erhalten bleiben, fordert er. Es gebe einfach noch keine technische Alternative, die den Kaltstart ermögliche und damit für den Massenmarkt tauge. Auch jedes Elektrofahrzeug habe zur Sicherheit immer noch eine zusätzliche Bleibatterie an Bord. Außerdem werde kein anderes Produkt auch nur annähernd so gut recycelt wie Bleibatterien, nämlich zu 99 Prozent.

Das zweite Problem schaffe die REACH-Verordnung für den Umgang mit Chemikalien. Dabei findet Karsten Kurz die damit verbundene Bewertung der verwendeten Bleiverbindungen – Hersteller müssen ein technisches Dossier erstellen – ja grundsätzlich gut: „Das hat hohen Erkenntnisgewinn gebracht, wir haben unendlich viel gelernt.“ Dass die darin beschriebenen Stoffe nun aber zeit- wie kostenintensiv alle paar Jahre neu zugelassen werden müssen, sei schlicht Überregulierung. Sie schaffe Wettbewerbsnachteile gegenüber außereuropäischer Konkurrenz und verkenne, dass Batteriesysteme essenziell für die Einhaltung der Klimaziele seien.

Der Europapolitiker Bernd Lange konnte den Ärger verstehen. Das Blei in den Batterien werde ja nicht freigesetzt und sei in erster Linie beim Arbeitsschutz problematisch. Außerdem sei die genannte Recyclingquote überzeugend. „Wir haben die Batterieentwicklung lange schleifen lassen“, bekannte Lange selbstkritisch. Gerade mit Blick auf die E-Mobilität würden Batterien aber dringend gebraucht. „Wir müssen die Gesetzgebung jetzt so gestalten, dass Entwicklung und Innovation möglich sind.“

 

Hemeyer: Millioneninvestition zum Hundertjährigen

Auch die Firma Hemeyer Verpackungen blickt in die Zukunft – obwohl es doch 2016 wahrlich Grund zum Zurückschauen gäbe. In wenigen Monaten steht ein Doppeljubiläum an: Das Unternehmen wird 100 und wurde vor 40 Jahren von Dr. Karl-Heinz Hemeyer übernommen. Das werde bestimmt gebührend gefeiert, versicherte der Geschäftsführer Marketing Harald Winter. Aber vor allem könne bald der langersehnte Neubau der Halle 4 beginnen. 3,5 Millionen Euro wolle die Firma investieren, um sich zukunftsfähig aufzustellen.

Das freilich sei schon immer der Anspruch des jetzigen Firmeninhabers gewesen, der aus der alten Lauterberger Blechwarenfabrik ein mittelständisches Unternehmen mit zwei weiteren Standorten in Kleve und Bitterfeld gemacht hat. So seien in den vergangenen zehn Jahren allein in Bad Lauterberg 17,7 Millionen Euro investiert worden, berichtete Winter. Die Herstellung der Spund- und Deckelfässer von 216,5 bis 250 Liter erfolgt heute weitestgehend vollautomatisch. Damit seien einerseits die Kapazität von 200 auf 500 Fässer pro Stunde und andererseits die Qualität der Produkte gesteigert worden.

Die drei Werke der Unternehmensgruppe seien so ausgelegt, dass sie sich im Bedarfsfall gegenseitig unterstützen oder für einander einspringen können. Allerdings gibt es bislang nur in Bitterfeld eine Coilschneideanlage (Coils sind die großen Stahlbänder, von denen Stücke geschnitten und zu Fässern verarbeiten werden). Das soll sich mit der neuen Bad Lauterberger Halle ändern und damit die Flexibilität noch erhöhen.

Insgesamt beschäftigt Hemeyer Verpackungen 179 Menschen, davon 60 am Stammsitz in Bad Lauterberg. 2016 will das Unternehmen 4 Millionen Einheiten absetzen und 56 Millionen Euro Umsatz machen. Es verarbeitet jedes Jahr über 50.000 Tonnen Blech und jeden Tag verlassen etwa 60 Lastwagenladungen die drei Werke (Bad Lauterberg 20 Lastwagen). „Stahlblech und die Fracht sind unsere größten Kostenfaktoren“, erklärte Harald Winter. „Wir haben eben großvolumige Produkte.“


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