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Dienstag, 20. Oktober 2026
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Geschrieben von Boris Janssen am 11. August 2016.
Politik

Wie Angeln ohne Haken

Die Modellflieger des LSV Bad Lauterberg befürchten massive Einschränkungen durch geplantes Drohnengesetz – deshalb haben sie bei MdB Thomas Oppermann für Unterstützung geworben

Die einen kämpfen um Wählerstimmen, die anderen für ihren Sport (von links): Göttingens Landrat Bernhard Reuter und MdB Thomas Oppermann (beide SPD) sowie Hubert Brille, Gunther Lindenberg und Klaus Ansorg (LSV Bad Lauterberg).
Die einen kämpfen um Wählerstimmen, die anderen für ihren Sport (von links): Göttingens Landrat Bernhard Reuter und MdB Thomas Oppermann (beide SPD) sowie Hubert Brille, Gunther Lindenberg und Klaus Ansorg (LSV Bad Lauterberg).
Positive Gespräche (von links): Klaus Böckmann, Hubert Brille, Klaus Ansorg, Ingo Fiedler (SPD Bad Lauterberg), Bad Lauterbergs Bürgermeister Dr. Thomas Gans (SPD) und Thomas Oppermann.
Positive Gespräche (von links): Klaus Böckmann, Hubert Brille, Klaus Ansorg, Ingo Fiedler (SPD Bad Lauterberg), Bad Lauterbergs Bürgermeister Dr. Thomas Gans (SPD) und Thomas Oppermann.
Für den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gibt es deutlich unangenehmere Termine als auf dem Hottenberg bei Scharzfeld.
Für den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gibt es deutlich unangenehmere Termine als auf dem Hottenberg bei Scharzfeld.
Alexander Helbing (vorn) lässt einen Multikopter auf 100 Meter Höhe steigen…
Alexander Helbing (vorn) lässt einen Multikopter  auf 100 Meter Höhe steigen…
…dann gibt es eine kurze Einweisung…
…dann gibt es eine kurze Einweisung…
…und Thomas Oppermann kann das Fluggerät sicher landen.
…und Thomas Oppermann kann das Fluggerät sicher landen.
Und für Twitter noch ein Bild mit dem Jungunternehmer und einer Drohne aus dessen Firma.
Und für Twitter noch ein Bild mit dem Jungunternehmer und einer Drohne aus dessen Firma.
Beim Modellflug geht es zwar nicht über die Wolken, aber dennoch ganz schön hoch hinaus.
Beim Modellflug geht es zwar nicht über die Wolken, aber dennoch ganz schön hoch hinaus.

Eigentlich lassen sie ja Doppeldecker, Segelflugzeuge und Hubschrauber in die Lüfte aufsteigen. Aber wenn sie an das von Bundesverkehrsminister Dobrindt geplante Drohnengesetz denken, dann steigt bei den Modellfliegern in Deutschland nur noch der Puls in astronomische Höhen. Sie sind überzeugt, würde der erste Entwurf umgesetzt, dann stünde der Sport vor dem Aus. Das glauben auch die Modellflieger vom Luftsportverein Bad Lauterberg (LSV). Und deshalb haben sie am Mittwoch (10.08.2016) beim Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann (SPD) für Unterstützung geworben, als der auf der Sommerreise durch seinen Wahlkreis auch auf dem vereinseigenen Modellflugplatz bei Scharzfeld vorbei schaute.

Dobrindts Entwurf sieht vor, den Einsatz privater Drohnen in Höhen über 100 Meter zu verbieten – und, das ist der Knackpunkt, er solle mit dem Modellflug gleichgestellt werden, so die Luftsportler. Das Problem daran: Während die 100 Meter für Spielzeug-Multikopter oder Kameradrohnen in aller Regel langen dürften, reichen sie für Modellflieger bei Weitem nicht aus. Schon wer kunstvolle Loopings fliegen möchte, reißt die Marke ruckzuck. Und Segelflugzeuge brauchen zuweilen locker das Drei- bis Vierfache an Höhe, um überhaupt die nötige Thermik nutzen zu können. LSV-Pressewart Gunther Lindenberg fasste es vor dem Termin so zusammen: „Wenn man uns sagt: ,Ihr dürft gerne fliegen, aber nur bis Hundert Meter‘, dann ist das so, als wenn man zu Sportfischern sagt: ,Ihr dürft überall angeln, aber ohne Haken.‘“

 

Hauptproblem sind schwarze Schafe

Um anschaulich zu zeigen, was die 100 Meter eigentlich in der Praxis bedeuten, hatten LSV-Vorsitzender Hubert Brille und sein Stellvertreter Klaus Ansorg viele Mitglieder versammelt, darunter auch Alexander Helbing. Der Gründer des nun in Bartolfelde ansässigen Drohnenherstellers Exabotix startete zunächst einen Multikopter, der in 100 Meter Höhe schon ganz schön klein wurde – und den Thomas Oppermann als absoluter Neuling wieder sicher landen konnte. „Für Drohnen reichen Hundert Meter völlig aus“, stellte Helbing fest. „Selbst gewerbliche brauchen selten mehr.“ Danach aber ließen weitere Mitglieder einen Hubschrauber, ein Motorflugzeug und schließlich einen Segelflieger in die Luft, und sehr eindrucksvoll wurde deutlich, dass sie den Multikopter schnell immer weiter unter sich lassen.

Grundsätzlich stimmen die Luftsportler ja zu: Sicher müsse angesichts der neuen Technik und ihrer Verfügbarkeit für Jedermann einiges neu geregelt werden. Aber das dürfe nicht zu Lasten des Modellflugs gehen, dessen allein 120.000 in Vereinen und Verbänden organisierte Anhänger seit Jahrzehnten keine Probleme machten, wie Hubert Brille betonte. Das Problem seien unbedarfte und leichtsinnige Drohnenpiloten. „Bei den Multikoptern ist Aufklärung wichtig, da sind auch die Hersteller in der Pflicht“, sagte Klaus Böckmann, Präsident des Modellflugsportverbandes Deutschland. Er war eigens aus Hamburg angereist – schließlich ist Oppermann ja nicht irgendwer, sondern Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.

 

„Dafür muss man die nötigen Freiräume schaffen“

Allerdings sei vieles ohnehin längst geregelt, die bestehenden Gesetze müssten nur konsequenter umgesetzt werden, findet nicht nur Böckmann. Es könne nicht sein, dass Regelverstöße auch noch als Video festgehalten und online gestellt werden und einige schwarze Schafe damit einen ganzen Sport in Verruf brächten. „Da sind die Ordnungsbehörden gefordert“, so Böckmann. Der deutsche Modellflugsport genieße international einen hervorragenden Ruf, sei bei Wettkämpfen und Meisterschaften sehr erfolgreich, das dürfe nicht gefährdet werden. Deswegen wolle man gerne gemeinsam mit der Politik an neuen Regelungen arbeiten, so der Präsident.

Genau das werde auch geschehen, versprach Thomas Oppermann, den die Demonstration offenbar wie beabsichtigt beeindruckt hatte. Der Drohnenflug mit all seinen Problemen, wie zum Beispiel Haftungsfragen, müsse ohne Zweifel geregelt werden, sagte der Abgeordnete. Aber für die Neuordnung werde die Politik den Sachverstand der Modellflieger nutzen. Und für Oppermann steht fest: „Modellflug ist ein faszinierender Sport, dafür muss man die nötigen Freiräume schaffen.“


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