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Mittwoch, 29. Mai 2024
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Geschrieben von Boris Janssen am 19. November 2016.
Politik

„It’s time to go“

Ehrungen und Verabschiedungen im Rat der Stadt

Auch vom altehrwürdigen Rathaus selbst wird sich die Stadt bald verabschieden.
Auch vom altehrwürdigen Rathaus selbst wird sich die Stadt bald verabschieden.

„Mit fast 75 muss man auch den Mut haben, zu sagen: Das war’s.“ Der Rat der Stadt Bad Lauterberg hat mit dem Rückzug von Eike Röger ein Urgestein verloren. Und das Original verabschiedete sich standesgemäß: „It’s time to go – Glück Auf!“

Zuvor hatte es für ihn auf der konstituierenden Sitzung des neuen Rates am Donnerstag (17.11.2016) Standing Ovations gegeben. Denn auch wenn keine offizielle Ehrung anstand, nach dreißig Jahren als Ratsmitglied hatte Röger schon eine würdige Verabschiedung verdient, fand nicht nur Bürgermeister Dr. Thomas Gans. In „tiefster Anerkennung“ erinnerte er an Rögers jahrzehntelanges Engagement. 1975 war er Mitbegründer der Bürgerinitiative Bad Lauterberg (BI), der er 1985 bis 2016 als Vorsitzender vorstand. Von 1981 bis 1986 war Röger schon beratendes Mitglied im Bau- sowie im Sanierungsausschuss. Seit 1986 gehörte er dann als „richtiges“ Mitglied zum Rat der Stadt. Von 1991 bis 1996 war er stellvertretender Bürgermeister, seit 1996 für zwanzig Jahre Fraktionsvorsitzender der BI. Außerdem saß er zeitweise in mehreren Ausschüssen, zum Teil als Vorsitzender, und in Gremien des Abwasserverbandes. Und weil das noch nicht genug war, war er darüber hinaus über zwei Wahlperioden Abgeordneter im Kreistag Osterode.

Eike Röger selbst ist besonders stolz auf die lange Familientradition. Die Rögers sind eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Stadt, erstmals erwähnt 1580. Und schon vier Generationen vor ihm haben sich im Stadtrat beziehungsweise entsprechenden Vorgängergremien engagiert. Nein, keine lästige Verpflichtung für Eike Röger: „Ich habe das immer gerne gemacht.“ Man solle als Bürger nicht nur meckern, sondern auch selbst Verantwortung übernehmen. „Wenn man die Zusammenhänge kennt, sieht vieles anders aus.“ Dennoch, für Eike Röger ist nun Schluss mit der Ratsarbeit – er war zur jüngsten Kommunalwahl nicht mehr angetreten.

 

Ehrungen

Traditionell beginnt die erste Sitzung eines neugewählten Rates mit den Ehrungen langjähriger und der Verabschiedung ausscheidender Ratsmitglieder. In diesem Jahr kamen dabei zum ersten Mal die neuen Richtlinien für die Verleihung von Ehrengaben zum Einsatz.

 

25 Jahre Ratszugehörigkeit

Für 25 Jahre Zugehörigkeit zum Rat wurden Barbara Rien (SPD) und Horst Tichy (CDU) mit der Goldmünze der Stadt Bad Lauterberg geehrt. Außerdem erhielten sie die Ehrung des Niedersächsischen Städtetages aus den Händen des eigens angereisten Geschäftsführers Dr. Jan Arning.

Rien und Tichy sitzen seit 1991 im Rat und starten nun in ihre sechste Ratsperiode. Beide waren zudem Mitglied des Kreistages Osterode. Rien gehört auch dem neuen Kreistag in Göttingen an, während Tichy von 1991 bis 1996 und wieder seit 2006 Fraktionsvorsitzender ist.

 

10 Jahre Ratszugehörigkeit

Für zehn Jahre Zugehörigkeit zum Rat gab es Urkunde und ein Geschenk. Rainer Eckstein (BI) und Volker Hahn (erst CDU-Fraktion, dann parteilos und jetzt WgiR) sind seit 2006 Ratsmitglieder und gehen nun in die dritte Runde. Das gilt auch für Fritz Vokuhl (erst Grüne, jetzt WgiR), der aber bereits von 1976 bis 1986 schon einmal zehn Jahre lang im Rat saß (damals noch für die CDU). Susanne Kinne (erst SPD, jetzt CDU) schließlich hat eigentlich sogar schon das Dutzend voll, nachdem sie 2004 nachrückte. Sie war von 2009 bis 2011 auch stellvertretende Bürgermeisterin.

 

Verabschiedungen

Neben Eike Röger schieden acht weitere Mitglieder aus dem Rat aus, entweder weil sie nicht erneut angetreten waren oder weil sie nicht wiedergewählt wurden: Uwe Strutzberg, Hans-Joachim Frank, Axel Peter, Gerhard Oberländer (alle SPD), Jörg Carsten, Christian Schäfer, Ottmar Lüer (alle CDU) und Michael Hahn (NPD).

Auch Uwe Strutzberg erhielt einen besonderen Applaus, gehörte er doch auch schon ganze 26 Jahre zum Rat. Er hört aber nicht ganz auf: Er bleibt bis 2020 im Vorstand des Abwasserverbandes Großraum Bad Lauterberg im Harz.

Michael Hahn schied nach zwei vollen Wahlperioden aus dem Rat aus und erhielt daher mit dem Abschied auch die Ehrung für zehnjährige Ratszugehörigkeit.

 

Die Grundlage des demokratischen Staates

Der Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages Dr. Jan Arning dankte bei dieser Gelegenheit allen Menschen, die sich im kommunalen Ehrenamt engagieren. Das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz bringe es wunderbar auf den Punkt: „Die Gemeinden sind die Grundlage des demokratischen Staates.“ So steht es im ersten Absatz des zweiten Paragraphen. Bestes Beispiel dafür sei die Bewältigung des Flüchtlingsstroms im vergangenen Jahr gewesen. Diese riesige Aufgabe hätten nicht Bund oder Land geschafft, sondern die Kommunen. „Das zeigt die Leistungsfähigkeit der kommunalen Selbstverwaltung und des Ehrenamtes“, sagte Arning. Dafür bedürfe es aber des wichtigen Humankapitals: „Ohne ehrenamtlich Engagierte kann kommunale Selbstverwaltung nicht gelingen.“ Er warb dafür, sich einzubringen, auch wenn gerade das kommunale Ehrenamt – wie eben die Mitgliedschaft im Rat – unter viel stärkerer Beobachtung stehe und häufig auch „unsachlicher Kritik“ ausgesetzt sei. Viele Kommentare bei Facebook und Co. trügen nicht gerade dazu bei, dass sich Menschen engagieren wollen.

Davon kann Horst Tichy mit seiner 25-jährigen Erfahrung ein Lied singen. „Es ist nicht immer ganz einfach“, gab er zu. Aber so ganz arg wild dann offensichtlich auch nicht: „Es hat Spaß gemacht – und mal sehen, wie lange es noch wird.“ Im Saal werde oftmals kräftig gefochten und ein scharfes Schwert geführt. „Aber wenn man sich dann draußen wiedertrifft, ist das meistens gar nicht mehr so schlimm.“


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