Geschrieben von Boris Janssen am 26. Januar 2019
Wie es mit der Biotonne weitergeht
Bad Lauterberg im Gespräch: CDU-Stadtverband hat zu Infoabend eingeladen


Seit Monaten sind Susanne Maruhn-Vladi und Elena Voss vom Landkreis Göttingen auf Vortragstour und informieren über die Biotonne, die im April 2019 im Altkreis Osterode eingeführt wird. „Wir sind erstaunt über den regen Austausch zwischen den Bürgern und der Verwaltung“, gestand Maruhn-Vladi am Donnerstag (17.01.2019) beim CDU-Stadtverband Bad Lauterberg. Denn wie sie es in anderen Orten erlebt hatten, waren auch zur neuen Ausgabe des Formats „Bad Lauterberg im Gespräch“ – dieses Mal eben zum Thema „Was wird aus der Biotonne?“ – viele Interessierte gekommen.
Die beiden Mitarbeiterinnen der Abfallwirtschaft Osterode am Harz hielten im Wesentlichen den für die Tour vorbereiteten, informativen Vortrag (hier nachzulesen im Bericht zu einer Veranstaltung in Herzberg). Elena Voss erklärte dabei noch einmal das Hauptziel der Bioabfallsammlung: Kompost von möglichst hoher Qualität erzeugen zu können. Dazu müssten Bioabfälle sortenrein gesammelt werden – man hoffe auf weniger als ein Prozent Störstoffe. Wer seinen Bioabfall in Tüten sammeln möchte, dürfe das deshalb ausschließlich in Papier tun, auf keinen Fall in Plastikbeuteln, und zwar auch nicht in „kompostierbaren“ aus sogenannten biologisch abbaubaren Werkstoffen (BAW), denn auch sie enthalten immer noch einen Anteil Erdöl, der bei der Vergärung und Kompostierung nicht abgebaut werde. Auch benutzte Katzenstreu sei tabu, wegen der Exkremente. Und bis auf etwaige Reste an Wurzeln dürfe auch keine Erde in die Biotonne.
Wie die Einführung der Biotonne abläuft
Großes Interesse hatte das Publikum am Prozedere der Einführung. Auf die Bürgerbefragung seien inzwischen 12.000 Rückmeldungen beim Landkreis eingegangen, berichtete Voss. Diese werte man jetzt aus, um den Bürgern rechtzeitig Feedback geben zu können. Das soll etwa ab Anfang März mit einem Anschreiben an die Grundstückseigentümer geschehen, rund zwei Wochen vor der jeweiligen Auslieferung der Tonnen. Danach solle jedes Grundstück wiederum etwa 14 Tage vor dem jeweils gültigen ersten Leerungstermin seine Biotonne bekommen – die ersten Grundstücke also etwa Mitte März. Gleichzeitig würden dann, wenn beantragt, die Restmülltonnen ausgetauscht – in diesem Zusammenhang kostenlos.
Zusammen mit der Biotonne kommt ein sogenanntes Startpaket – ein Vorsortierbehälter für Küchenabfälle und Papiertüten. Weil nicht immer klar ist, wie viele Haushalte sich eine Biotonne teilen, ist bei 40- und 60-Liter-Tonnen ein Startpaket dabei, bei 80- und 100-Liter-Tonnen sind es zwei, ab 120 Liter drei und bei 240 Liter dann vier Startpakete. Sollte das nicht ausreichen, könne man sich direkt im Kreishaus in Osterode weitere Startpakete abholen, versicherte Elena Voss.
Aus rechtlichen Gründen werden die Gebührenzahler in diesem Jahr zwei Bescheide bekommen, kündigte Susanne Maruhn-Vladi schon einmal an. Im Februar komme der erste Bescheid, der die Biotonne noch nicht berücksichtige, schließlich dürfe man hier nicht berechnen, was es noch gar nicht gibt. Anfang Juni sollen dann Änderungsbescheide mit den endgültigen Gebühren verschickt werden.
Warum richtiges Mülltrennen auch Geld spart
Ja, die Müllabführ werde insgesamt teurer, gestand Maruhn-Vladi. Allerdings könne jeder mit seinem Sortierverhalten zur Kostenreduzierung beitragen. Einmal global gesehen, denn die Behandlung von Biomüll sei erheblich günstiger als bei Restmüll. Und wie Altpapier, Glas und Metall könne der Bioabfall sogar verwertet werden – in diesem Fall für Energiegewinnung und Kompost. Die Einnahmen daraus gingen dann natürlich in die Kalkulation ein und sorgten entsprechend für niedrigere Gebühren. Zum anderen habe jeder ab sofort unzählige Möglichkeiten, die teurere Restmüll- und die um einiges billigere Biotonne individuell zu kombinieren – wer gründlich Biomüll aussortiert, könne also Geld sparen.
Doch Achtung: Zur Qualitätssicherung, aber natürlich auch um Missbrauch zu vermeiden, sind die Müllautos mit Detektoren versehen, betonten die Mitarbeiterinnen der Abfallwirtschaft noch einmal. Sollten in der Biotonne nicht-kompostierbare Dinge landen, gebe es eine Verwarnung. Im Wiederholungsfall drohe eine Entsorgung als Restmüll, die dann natürlich extra kosten würde.
So etwas würde sich der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Roland Stahl auch für die gebührenfreien Papiertonnen wünschen, würden sie doch immer wieder für andere Abfälle missbraucht. Seinen Informationen zufolge sammele man allein in der Papierfabrik Herzberg jeden Tag zwei Lkw-Ladungen Restmüll aus dem angelieferten Altpapier. Bei Maruhn-Vladi rannte er damit offene Türen ein, denn: „Das ist einfach ärgerlich, weil die Erlöse aus dem Altpapier ein großer Baustein in der Gebührenkalkulation sind.“ Ordentlich getrenntes Altpapier wäre viel wertvoller und würde für niedrigere Gebühren sorgen.
Die Neuerungen 2019 bei der Abfallwirtschaft Osterode
Die Biotonne wird im wöchentlichen Wechsel mit den übrigen Abfällen abgeholt, das heißt, ab April ist jede Woche Müllabfuhr. Man habe sich zu diesem „alternierenden“ Rhythmus entschieden, weil man befürchte, es könne in den Innenstädten zu eng werden, wenn jedes Haus noch eine weitere Tonne an die Straßen stellen müsste, erläuterte Maruhn-Vladi. Außerdem sei dies ein Schritt zur Harmonisierung der beiden noch getrennten Abfallwirtschaften im Landkreis Göttingen.
Im Gegenzug könnten sich die Bürger aber auch über neue Leistungen freuen, warb Maruhn-Vladi. Ab sofort ist es nämlich möglich, die Mülltonnen vom Grundstück holen zu lassen, anstatt sie an die Straße stellen zu müssen. Man kann die Spülung der Komposttonne bestellen. Man kann sich den Sperrmüll aus der Wohnung tragen lassen und sich einen Wunschtermin oder sogar einen Eiltermin (innerhalb von drei Tagen) für den Sperrmüll geben lassen. Allerdings dürften die durchaus knackigen Gebühren diese Angebote für die meisten Bürger uninteressant machen.
Neu beim Sperrmüll ist außerdem, dass eine einzelne Abholung jetzt vier Kubikmeter umfassen darf (bisher drei) und jede Abholung frei ist (bisher nur die erste pro Haushalt und Jahr). Diese Neuerung findet Werner Wille (CDU), der als Vorsitzender des Umweltausschusses des Landkreises Göttingen zu Gast war, allerdings nicht so richtig clever, sollte doch seiner Meinung nach derjenige belohnt werden, der Müll vermeide und sich nicht jedes Jahr ein neues Sofa kaufe.
Abfallwirtschaft Göttingen rund 20 Prozent billiger
Auch Wille betonte noch einmal, die Einführung der Biotonne habe grundsätzlich nichts mit der Kreisfusion zu tun. Die Politik vor Ort sei an die Vorgaben von oben gebunden und versuche, sie für die örtlichen Gegebenheiten passend zu gestalten. Er räumte ein, die Gebühren im Altkreis Göttingen seien etwa 20 Prozent niedriger. Weil aber die beiden Abfallwirtschaften noch sehr unterschiedlich gestaltet seien, könne man auch die Kalkulation noch nicht zusammenlegen. Man kann wohl getrost davon ausgehen, dass im Altkreis Osterode zumindest in dieser Frage eine Harmonisierung durchaus willkommen wäre.