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Geschrieben von PM KISS Osterode am 23. Oktober 2019
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Neue Selbsthilfegruppe Bulimie / Magersucht geplant

Wegen der Bulimie fing Maries eigentliches Leben erst mit 30 Jahren an, nun will sie andere Betroffene unterstützen

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Bei der Selbsthilfekontaktstelle KISS des Paritätischen Osterode hat sich eine Frau gemeldet, die eine Selbsthilfegruppe Bulimie / Magersucht gründen möchte. Marie (Name geändert) war selbst an Bulimie erkrankt. Ihre akute Erkrankung liegt zwar schon einige Jahre zurück, aber sie hat gemerkt, dass sie jetzt erst soweit ist, sich mit allem Erlebten auseinanderzusetzen, darüber zu reden. Die Bulimie hat sie geprägt und zu dem Menschen gemacht, der sie jetzt ist. Deshalb würde sie sich gern mit anderen Erkrankten austauschen und sie vielleicht auch mit ihren eigenen Erfahrungen unterstützen.

Bulimie (Bulimia nervosa) ist gekennzeichnet durch den Kontrollverlust bei der Nahrungsaufnahme. Hauptmerkmal sind Heißhungeranfälle, meist gefolgt von Maßnahmen wie Fasten, Erbrechen, exzessiver Sport und so weiter, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. Bei einem solchen Anfall werden große Mengen fett- und kohlenhydratreicher Nahrungsmittel verschlungen. Auf eine solche Essattacke, die heimlich stattfindet, folgt in der Regel ein tiefes Schamgefühl. Die Betroffenen schaffen es meist, ihre Erkrankung vor Angehörigen und Freunden zu verbergen.

 

Maries Geschichte: 13 Jahre an die Bulimie verloren

Bei Marie fing die Bulimie an, als sie 16 Jahre alt war, und sie konnte sie erst im Alter von 29 Jahren mit Hilfe einer Langzeittherapie besiegen. Als Auslöser kamen mehrere Faktoren zusammen, von der Schwester der Freundin hörte sie, dass man durch Erbrechen sein Gewicht halten kann. Marie probierte es aus – und es funktionierte. Sie konnte essen so viel sie wollte und wurde trotzdem schlank. Sie war auf der Suche nach Liebe, die sie zu Hause nicht bekam, definierte sich aber nur über ihr Äußeres. Auch als sie einen Partner gefunden hatte, konnte sie die Bulimie nicht überwinden, was zum Scheitern der Beziehung führte. Anstatt ein normales Leben zu führen, wie sie es sich wünschte, drehte sich alles ums Essen und wie sie es beschaffen konnte. Am Schluss hat sie allein 100 Euro am Tag dafür ausgegeben und nur noch gearbeitet, um ihre Sucht zu finanzieren.

Auch der Versuch, sich stattdessen mit Alkohol zu betäuben, funktionierte nicht. Marie hatte keine sozialen Kontakte, da sie in der Sucht gefangen war, sie hatte bis zu fünf Essanfälle pro Tag nach der Arbeit. Auch mehrere ambulante Therapien brachten keine Hilfe. Marie hat ihre Probleme zwar erkannt, aber das hat nichts gebracht. Irgendwann wurde ihr dann aber klar, dass sie es alleine nicht schafft, aus der Sucht rauszukommen, und dass sie Hilfe braucht. Sie suchte sich selbst einen Platz in einer Langzeittherapie, mit deren Hilfe sie es endlich schaffte, die Sucht zu besiegen. Schon dort wurde Marie vorgeschlagen, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, aber da war sie noch nicht soweit.

Sie hatte viel aufzuarbeiten und hatte 13 Jahre ihres Lebens an die Bulimie verloren. Erst mit 30 Jahren fing ihr eigentliches Leben an. Das ist jetzt schon eine Zeit her, aber die Bulimie beschäftigt Marie immer noch. Sie hat weiterhin ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper und kein Selbstvertrauen. Auch mit den körperlichen Folgen der Bulimie muss sie leben: Durch das ständige Erbrechen gingen die Zähne kaputt, der Darm ist durch die Abführmittel geschädigt, ihre Haut hat gelitten, mit 30 Jahren kam sie in die Wechseljahre.

 

Sich mit Betroffenen über das Tabuthema austauschen

Das alles ist, wie die Bulimie an sich, ein Tabuthema. Deshalb möchte Marie jetzt eine Selbsthilfegruppe gründen und sich mit anderen Betroffenen darüber austauschen. Die Gruppe soll für Menschen sein, die an Bulimie leiden, aber auch für Menschen mit Magersucht. Eine Selbsthilfegruppe ist kein Ersatz für eine Therapie, aber eine Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, die wissen, wie es einem geht.

Der Besuch einer Selbsthilfegruppe ist kostenlos und alles, was dort gesagt wird, ist vertraulich und bleibt in der Gruppe. Für weitere Informationen steht Marion Janeczek von der Selbsthilfekontaktstelle KISS des Paritätischen Osterode zur Verfügung unter Telefon 05522 / 90 77 – 16 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


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