Geschrieben von PM am 20. Dezember 2019
„Health5G.net“ – Bund fördert Landkreis Göttingen bei 5G-Projekt
Bis zu 100.000 Euro Förderung für Studie: Neuer Mobilfunkstandard soll zur Patientenversorgung genutzt werden

Der Landkreis Göttingen will Modellregion für 5G werden. Mit der Idee für eine innovative Patientenversorgung im ländlichen Raum hat sich die Region jetzt eine erste Unterstützung des Bundes gesichert. Bis zu 100.000 Euro können ab sofort für die Entwicklung des genauen Konzepts genutzt werden. „Der Landkreis konnte sich gegen ein starkes Bewerberfeld durchsetzen. Jetzt können die guten Ideen konkretisiert werden“, freute sich der Göttinger Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD) am Donnerstag (19.12.2019) bei der feierlichen Übergabe des Förderbescheids durch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin.
Für den Landkreis Göttingen und die am Projekt beteiligten Partner nahmen Landrat Bernhard Reuter und Dr. Jochen Kuhl vom Vorstand der Südniedersachen-Stiftung den Förderbescheid entgegen. „Ein wichtiger Erfolg für den Landkreis Göttingen“, kommentierte Landrat Reuter. Die digitale Infrastruktur habe für den Landkreis hohe Priorität. „Nun können wir zeigen, was alles möglich ist und wie die Menschen gerade im ländlichen Raum davon profitieren. Das ist unsere Chance, beim nächsten Mobilfunkstandard ganz vorne mit dabei zu sein“, so Reuter. 5G sei eine Schlüsseltechnologie für wie wirtschaftliche Entwicklung der Region, ergänzte Dr. Kuhl. „Wir nutzen bestehende Kompetenzcluster im Bereich Medizin und stärken den Standort im internationalen Wettbewerb“, fasste er zusammen.
Telemedizin weiterentwickeln
Die Projektidee aus dem Landkreis Göttingen, das „Health5G.net“, dient der Entwicklung neuer Modelle der Patientenversorgung auf Basis von Datenübertragung mit hohen Bandbreiten und in Echtzeit. Geplant ist der Aufbau von Testfeldern am Campus der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und auf dem Firmengelände des Medizintechnikunternehmens Ottobock in Duderstadt. Die 5G-Technologie soll beispielsweise genutzt werden, um nächste Anwendungsstufen der Telemedizin zu erproben. So sollen an der UMG sogenannte smarte Patientenbetten erprobt werden, die mittels Sensorik die Überwachung von Patienten verbessern und bei Bedarf unmittelbar Maßnahmen auslösen. Bei der Firma Ottobock ist der mobile Einsatz bei Orthesen und Prothesen geplant. 5G ermöglicht hier eine kontinuierliche Sensorik und Steuerung der Aktoren von Prothesen und Orthesen und bietet so eine maximale Unterstützung der Patienten bei Akutversorgung, Rehabilitation, im privaten Umfeld und im Berufsleben. Wissenschaftlich begleitet wird die Umsetzung durch die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung GWDG.
Das Projekt „Health5G.net“ soll es renommierten und international agierenden Akteuren in der Medizintechnik im Landkreis Göttingen wie UMG und Ottobock ermöglichen, die nächste Entwicklungsstufe in der Telemedizin zu erreichen. Dadurch wird eine Maximalversorgung der Menschen auch im ländlichen Raum möglich. Das ist für den Landkreis Göttingen von großer Bedeutung und war ein Faktor für den erfolgreichen Antrag auf Konzeptförderung. Ein weiterer Faktor waren die bestehenden Netzwerke und die enge Kooperation einer Vielzahl von Akteuren in der Region. So hat der Landkreis Göttingen als Antragsteller insbesondere mit der Südniedersachsen-Stiftung eng zusammengearbeitet. Sie hat den Förderantrag mit initiiert und die inhaltliche Ausgestaltung durch UMG, Ottobock und GWDG koordiniert. Wichtig war zudem die Rückendeckung durch die Stadt Göttingen, die Stadt Duderstadt und die Universität Göttingen. Sie haben schriftlich ihre Unterstützung des Projekts deutlich gemacht. Aufgrund der regionalen Bedeutung hat das Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig den Antrag begleitet und über das Projektbüro Südniedersachsen fördertechnische Expertise eingebracht. Dabei ist ein südniedersächsischer Doppelerfolg zu verzeichnen: Auch der Landkreis Northeim wird bei der Konzepterstellung für ein 5G-Projekt gefördert.
Sich weltweit als Vorreiter etablieren
Thomas Oppermann freut das: „Deutschland muss frühzeitig Anwendungsmöglichkeiten für die 5G-Technologie erproben, um sich weltweit als Vorreiter etablieren zu können“, erklärte er. Die Mittelvergabe sei zudem ein wichtiger Schritt, weitere Spitzentechnologie für die Göttinger Region einzuwerben, indem die Anwendung des neuen Mobilfunkstandards im medizinischen Bereich erprobt werde. In einer ersten Phase sollen beispielhaft die Anwendungsmöglichkeiten für die Krankheitsfelder Diabetes und Schlaganfall-Behandlung erprobt werden.
Die Konzeptförderung ist die erste Stufe des 5G-Innovationsprogramms des Bundes. Sie dient dazu, Projektideen für Anwendungen des neuen Mobilfunkstandards in ausgewählten Landkreisen und Städten zu ermitteln. Besonders herausragende Konzepte erhalten in einer zweiten Stufe eine Umsetzungsförderung durch den Bund.