Geschrieben von Peter Bischof am 17. April 2020
So entsteht ein Modell der Extraklasse
Wilhelm Peters aus Salzgitter baut das Herzberger Welfenschloss








Nach 252 Stunden waren alle Gebäude des Herzberger Schlosses auf den Maßstab 1:50 gezeichnet. Zwölf Meter Millimeterpapier wurden dafür gebraucht, es entstanden neun große Zeichenblätter. „Eine Herausforderung der besonderen Art, die mein Mann mit seiner Engelsgeduld wieder bewältigt hat“, sagt Margit Peters aus Salzgitter. Ihr Mann Wilhelm baut zurzeit das Herzberger Welfenschloss als Modell nach.
„Schlösser zu bauen ist die Leidenschaft meines Mannes. Nachdem das Wolfenbütteler Schloss, Schloss Oelber, Schloss Marienburg und auch Schloss Celle fertig sind, soll es noch ein besonderes Schloss geben“, so Margit Peters auf ihrer Homepage www.exklusiv-Modellbau.net, auf der sie das Hobby ihres Mannes dezidiert darstellt. Denn es gäbe viele Menschen, die sich nicht vorstellen könnten, wie ein Modell entsteht. Auf das Herzberger Schloss aufmerksam gemacht wurde die Familie Peters von Markus Rogge, Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen. „Michael Brassel, Amtsleiter des SB Lüneburger Heide, und mein Vorgänger im Amt berichtete mir von einem sehr versierten und interessierten Modellbauer aus Salzgitter, der auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist“, erinnert sich Markus Rogge.
Die Pläne vom Baumanagement
Das Baumanagement stellte Wilhelm Peters daraufhin Pläne des Herzberger Schlosses aus dem hauseigenen Archiv zur Verfügung. „Im nächsten Schritt haben wir wie immer hunderte von Fotos vor Ort gemacht“, so Margit Peters. „Das schöne Fachwerk und andere Besonderheiten der Architektur waren für meinen Mann eine spannende Herausforderung. Und mir gefallen diese Touren ebenfalls, denn eine kleine Harzfahrt mit einem Café-Besuch ist auch für mich ein Vergnügen.“
Mitte Juni des letzten Jahres, die Zeichnungen waren fertig, darunter allein 386 Fenster, begann Wilhelm Peters mit dem eigentlichen Modellbau. Wie immer in reiner Handarbeit, mit Laubsäge und anderem filigranen Werkzeug, um die Arbeiten auszuführen.
Der Grundriss für das Modell des Welfenschlosses beträgt 1,60 x 1,30 m – ohne das Torhaus. Der Unterbau besteht aus zwei aufeinander geleimten Spanplatten von je 0,80 x 1,30 m. In die Platten sind Griffmulden für den Transport eingearbeitet.
Auch das Herzberger Schloss wird wie seine Vorgänger von Wilhelm Peters nicht ausschließlich aus Holz gebaut. Besonders der Stammhausflügel ist eine besondere Herausforderung, ebenso wie der Uhrenturm mit seinem Zwiebeldach. Das beeindruckende Fachwerk, die Säulen und vor allem die kunstvollen Wasserspeier fordern den Ehrgeiz des Modellbauers heraus.
Dachpfannen aus Wellpappe
Für die Herstellung der Dachpfannen befeuchtet Wilhelm Peters Wellpappe einseitig und löst sie ab. Ist die abgelöste Seite abgetrocknet, dreht er die Pappe um, um den Vorgang zu wiederholen. „So bleibt die Welle erhalten. Nach der Trocknung schneide ich mit der Mini-Kreissäge Streifen aus, die dem Maßstab angepasst sind“, erläutert Peters. „Die Streifen werden doppelt verleimt und auf die Wellpappe mit Weißleim aufgetragen.“ Nur ein Beispiel, das zeigt, wie aufwändig der Nachbau des Schlosses ist.
Die gleiche Sorgfalt hat der Modellbauer bei seinen früheren Nachbauten an den Tag gelegt, zum Beispiel bei der Marienburg bei Nordstemmen. „Dieses gigantische Bauwerk als Modell nachzubauen war eine Riesenherausforderung und bedurfte eines großen Aufwandes“, so Margit Peters. Gleiches galt für den Nachbau des Schlosses Wolfenbüttel, des Celler Schlosses und des Schlosses Oelber bei Baddeckenstedt.
Mit einer kleinen Eisenbahn begann es
Aber mit dem Nachbau der Schlösser ist der Tatendrang und Einfallsreichtum von Wilhelm Peters noch lange nicht erschöpft. Im Keller seines Hauses hat er im Zeitraum von zwölf Jahren nach und nach eine Trix-Eisenbahnanlage im Maßstab 1:87 erbaut. „Mein größter Wunsch als kleiner Junge war eine Eisenbahn“, erinnert er sich auf der Homepage. „Meine Eltern erfüllten mir diesen Traum. Mein Vater baute mir vor ungefähr 60 Jahren den ersten Kreis auf eine Holzplatte, die er mit dem Handwagen aus Salzgitter-Gitter holte. Er baute mit mir das erste Häuschen, ein Stromhäuschen, dieses hatte eine Anzeige, auf der man die Fahrspannung sehen konnte: ein Voltmeter. Das war zu der damaligen Zeit schon etwas ganz Tolles. Ich fing an, Zeitungen auszutragen und von diesem Geld konnte ich mir Schienen und Weichen kaufen.“
Herzbergs Bürgermeister Lutz Peters ist jetzt schon total begeistert von dem Modell. „Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Liebe zum Detail und mit welchem Enthusiasmus Wilhelm Peters zu Werke geht.“ Der Modellbau sei bis zum heutigen Tage seine Leidenschaft geblieben, so Wilhelm Peters. Glücklicherweise, muss man als Südharzer sagen, denn auf das Modell des Herzberger Welfenschlosses darf man sich jetzt schon freuen.

