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Geschrieben von Peter Bischof am 23. April 2020
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„Ich weiß gar nicht mehr, wie eine Torte gemacht wird“

Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz jetzt mit Video-Meetings und intensivem Erfahrungsaustausch

Rotary-Meeting per Videokonferenz: Die 20 Teilnehmer‪ des ersten Web-Meetings hörten aufmerksam dem Vortrag von Mathias Melzer (oben Mitte) über Arbeitsrecht zu. Foto: Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz‬
Rotary-Meeting per Videokonferenz: Die 20 Teilnehmer‪ des ersten Web-Meetings hörten aufmerksam dem Vortrag von Mathias Melzer (oben Mitte) über Arbeitsrecht zu. Foto: Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz‬
Allein bei der Arbeit: Im Agrarmarkt Deppe in Barbis wurde der Kontakt unter den Mitarbeitern minimiert. Foto: Agrarmarkt Deppe
Allein bei der Arbeit: Im Agrarmarkt Deppe in Barbis wurde der Kontakt unter den  Mitarbeitern minimiert. Foto: Agrarmarkt Deppe
Schweineborsten und Kunststoff-Filamente bezieht die Wistoba-Pinselfabrik aus Asien. Im Foto freut sich Arndt Stollberg über eine neue Lieferung. Foto: Wistoba
Schweineborsten und Kunststoff-Filamente bezieht die Wistoba-Pinselfabrik aus Asien. Im Foto freut sich Arndt Stollberg über eine neue Lieferung. Foto: Wistoba
Genug Platz um Abstand zu halten haben in den neuen Räumen Steuerberater Marc Böttcher und seine Kanzleipartnerinnen Tanja Bierwirth (links) und Sabine Kottwitz. Foto: privat
Genug Platz um Abstand zu halten haben in den neuen Räumen Steuerberater Marc Böttcher und seine Kanzleipartnerinnen Tanja Bierwirth (links) und Sabine Kottwitz. Foto: privat
Sämtlicher Informationsaustausch erfolgt inzwischen per E-Mail, telefonisch und durch Telefonkonferenzen, sagt Rechtsanwalt Andreas Körner. Foto: privat
Sämtlicher Informationsaustausch erfolgt inzwischen per E-Mail, telefonisch und durch Telefonkonferenzen, sagt Rechtsanwalt Andreas Körner. Foto: privat
Stop für Besucher: Gegenwärtig ist die Belegung in der Kirchberg-Klinik nur etwa ein Viertel so hoch wie in normalen Zeiten. Foto: privat
Stop für Besucher: Gegenwärtig ist die Belegung in der Kirchberg-Klinik nur etwa ein Viertel so hoch wie in normalen Zeiten. Foto: privat
Verwaist: Der ambulante Bereich einschließlich Therme und der Balance in der Kirchberg-Klinik. Foto: privat
Verwaist: Der ambulante Bereich einschließlich Therme und der Balance in der Kirchberg-Klinik. Foto: privat
Einsatzplanung beim Malerbetrieb Eckstein. Wo es möglich ist, arbeitet nur ein einzelner Geselle, sonst nur in kleinen festen Teams. Foto: privat
Einsatzplanung beim Malerbetrieb Eckstein. Wo es möglich ist, arbeitet nur ein einzelner Geselle, sonst nur in kleinen festen Teams. Foto: privat

In normalen Zeiten treffen sich die Mitglieder des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz jeweils im Wochenwechsel im Bad Lauterberger Hotel Riemann und im Herzberger Hotel Englischer Hof. „Der einzelne Rotary Club und die rotarische Gemeinschaft insgesamt leben von der Kommunikation, die üblicherweise vorwiegend persönlich im Meeting, bei Einladungen oder Konferenzen stattfindet“, so Dr. Astrid Laue-Savic, die Präsidentin des Lauterberger Clubs. „Aber der aktuellen besonderen Situation geschuldet mussten wir andere Wege finden, um im Gespräch und in Kontakt zu bleiben.“


So fand am ‪Montag, den 20. April, ab 19 Uhr das erste Web- bzw. Video-Meeting mit 20 Teilnehmern statt. Nach ‬den Regularien, in erster Linie ging es dabei um die Absage von geplanten Aktivitäten, referierte Clubmitglied Mathias Melzer zum aktuellen Thema „Neues aus dem Arbeitsrecht". Die Informationen zu Überstunden, Kurzarbeit, Urlaub und vor allem zu typischen Fällen aus der Corona-Praxis stießen auch am Bildschirm auf großes Interesse, wie man anhand der Nachfragen feststellen konnte.

Berichte aus dem Corona-Alltag

In den letzten Wochen ohne die regulären Meetings hatte Clubpräsidentin Dr. Laue-Savic gebeten, dass verschiedene Clubmitglieder in schriftlicher Form aus ihrem Corona-beherrschten Alltag berichteten, zum einen, um Erfahrungen auszutauschen und zum anderen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Bindung untereinander zu erhalten.


Durch die große Bandbreite der im Club vorhandenen Berufe entstand so ein breites Stimmungsbild, in dem viele Besonderheiten und Aspekte aus den einzelnen Unternehmen zusammengeführt wurden.

Barbiser Agrarmarkt systemrelevant

„Da wir mit unserem Unternehmen als Handwerksbetrieb für Landwirte und gewerbliche Kunden arbeiten, sind wir ,systemrelevant´“, schildert Sven Deppe vom Agrarmarkt Deppe in Barbis. „Durch neue Arbeitszeitmodelle im Schichtbetrieb haben wir kleine Mitarbeitergruppen geschaffen, sodass der Kontakt untereinander minimiert ist.“


Durch eine gute Auftragslage in den Reparaturwerkstätten und dem Ersatzteilverkauf habe man den Monat März 2020 auf Vorjahresniveau abschließen können. „Wie sich Aufträge von öffentlichen und gewerblichen Kunden in diesem Jahr entwickeln, bleibt abzuwarten. Unsere E-Commerce-Strategie, die wir seit zwei Jahren verfolgen, verzeichnet aktuell über unsere Amazon- und eBay-Shops erhebliche Umsatzzuwächse. Leider musste ich aber auch die schwere Entscheidung treffen, unseren 25. Jubiläumsbauernmarkt am 09/10. Mai 2020 auf 2021 zu verschieben. Das Fest zum 100-jährigen Firmenjubiläum müssen wir zu einem anderen Termin feiern.“

„Beruflich bin ich in der glücklichen Lage, mein Gewerk weiterhin ausüben zu dürfen“, berichtet Oliver Eckstein vom gleichnamigen Malerbetrieb. „Besonders die ersten Tage nach Schließung der Schulen und Geschäfte waren wir alle sehr verunsichert. Wir wussten nicht, wie lange wir noch arbeiten dürfen, ob die Versorgung mit Material noch gewährleistet ist oder wann der erste Krankheits- und damit auch Quarantänefall eintreten wird.“


Man habe dann alle Baustellen umgestellt, so Oliver Eckstein weiter. „Wo möglich, arbeitet jetzt nur ein einzelner Geselle, sonst nur in kleinen festen Teams. Außerdem arbeiten wir nicht mehr in bewohnten Objekten, sondern nur noch in leeren oder im Außenbereich. Mittlerweile haben sich alle an die ,neue Arbeitsweise’ gewöhnt, unser Lager ist gut gefüllt und es sind sogar einige zusätzliche Aufträge von aktuell geschlossenen Schulen, Hotels, Ferienwohnungen und Schwimmbädern eingegangen.“

Gut gefülltes Rohstofflager

„Da wir nur mit dem Malergroßhandel zusammenarbeiten und dieser weiterhin alle Handwerker beliefert, läuft unsere Produktion weiter“, freut sich Arndt Stollberg von der Wistoba Pinselfabrik in Barbis. „Auch wir haben versucht, alle durchführbaren Sicherheitsmaßnahmen für unsere Mitarbeiter zu schaffen, die damit auch sehr diszipliniert umgehen. Von unseren Malerkunden bekommen wir die Rückmeldungen, dass sie genügend Aufträge in dieser Zeit haben. Alle Schulen, Kitas, Hotels, der Einzelhandel und leider viele andere Einrichtungen haben geschlossen, die jetzt die Zeit jedoch nutzen, um diverse Renovierungen vorzunehmen.
Von unseren Lieferanten hören sich die Zukunftsprognosen nicht so positiv an. Wir bekommen Holzstiele aus Norditalien, Tschechien und Slowenien - da geht bekanntlich zurzeit gar nichts mehr. Schweineborsten und Kunststoff-Filamente beziehen wir aus Asien, da geht es wieder langsam aufwärts und die Auslieferungen werden bestätigt. Der Pinselkleber kommt aus dem Brexit-Land, mit einem nicht annähernd so guten Gesundheitssystem, wie wir es haben. Pinselzwingen aus Metall und andere Komponenten beziehen wir nur aus Deutschland, da gibt es noch keine Probleme und ein gut gefülltes Rohstofflager haben wir ja auch noch.“

Steuerberater Marc Böttcher ist mit seinem Team gerade in neue Büroräume in Osterode umgezogen. „Aufgrund der gewonnenen Fläche – die eigentlich für Besprechungsräume vorgesehen war – sitzen unsere Mitarbeiter aktuell in Einzelbüros. Meine zweiwöchige Homeoffice-Erfahrung war interessant. Ich konnte normal arbeiten – wie im Büro auch. Allerdings mit kleinen Einschränkungen, wie z.B. das lieb gewonnene Headset, was mir beim Telefonieren ermöglicht, beide Hände zum Blättern, Schreiben auf der Tastatur etc. zu benutzen. Und telefonieren gehört mit zu meinen Hauptbeschäftigungen am Tag!“

Gespräche tun gut, wenn auch nur per Telefon

„Das Arbeiten von zu Hause war nahezu problemlos möglich, da wir Mitarbeiter der Deutschen Bank alle soweit technisch ausgestattet sind, um auf die Systeme in der Bank zugreifen zu können“, stellt Hinrich Bangemann von der Deutschen Bank fest. Und solange noch Kollegen im Büro sind, kann mit deren Unterstützung das geregelt werden, was von zu Hause nicht möglich/gestattet ist, zum Beispiel der Druck von Unterlagen.


"Die Anzahl meiner Kundentelefonate sind immens gestiegen. Es besteht sehr viel Informationsbedarf gerade im Hinblick auf die immer wieder neuen und ergänzenden Informationen zur Stützung der Wirtschaft und Schutz von Mietern und Eigenheimbesitzern sowie deren Umsetzung. Die Kunden gehen sehr unterschiedlich mit der aktuellen Lage um: angefangen von die Situation als Chance für Neuinvestionen zu sehen und sich entsprechend zu positionieren bis hin zu Existenzängsten. Gespräche tun da gut –  wenn auch nur per Telefon!“

„Der lieb gewonnene Ablauf des täglichen oder wöchentlichen Lebens hat sich an einigen Stellen deutlich geändert - nicht  unbedingt vorteilhaft“, formuliert Stefan Krippendorff von Fa.Christ in Osterode. „In der Firma ist die Besetzung in kürzester Zeit von einem reinen Tagbetrieb auf zwei Schichten umgestellt worden, um das Risiko des Ausfalls von Mitarbeitenden so klein wie möglich zu halten. Für mich bedeutet es, dass ich nur vormittags im Büro bin, danach arbeite ich von zu Hause aus weiter - Reduzierung der Kontakte, Vermeidung von ,cross-contamination ’. Und da der Betrieb plötzlich ‪bis 22 Uhr‬ läuft, arbeiten wir alle eben auch zu ungewohnten Zeiten. Dafür gibt es keine privaten, ehrenamtlichen Abend-Veranstaltungen mehr. Diese Zeit ist man eher ,on‘- beruflich.“

Menschen sollten zusammenhalten

„Mein Alltag hatte sich damit um 100 Prozent verändert“, berichtet Wencke Schwickert-Marquart, Inhaberin eines Kosmetikstudios in Bad Lauterberg. „Meinen normalen Arbeitsalltag, der ein Zehn-Stunden-Tag  ist, gibt es im Moment nicht mehr. Es fehlen mir auch die Kontakte zu meinen Kunden, aber auch zu meinen Freunden und Bekannten. Mein größter Wunsch ist, dass die Menschen in unserer kleinen Stadt zusammenhalten, um diese unwirkliche Zeit zu überstehen. Es macht mich schon sehr traurig, unsere so attraktive, vielfältige Einkaufsstraße so leer und verlassen zu sehen.“

Ähnliche Gedanken treiben Florian Mangold vom Café Mangold um. „Nach der befohlenen Schließung der meisten Läden in der Lauterberger Innenstadt hatten wir noch eine Woche geöffnet, aber uns an die täglich neuen Regeln gehalten. Nachdem wir aber immer öfter beschimpft wurden, ob wir ,es noch immer nicht kapiert’ hätten und was wir unseren Mitarbeitern antäten, haben wir uns dann über den angeordneten ,Schließbefehl’ gefreut. In der Innenstadt im oberen Bereich war eh nichts mehr los, kein geöffnetes Geschäft und nur wenige Kunden.“

 
Sein Tag sei jetzt mit vier bis fünf Stunden im Betrieb, Büro aufräumen, Buchhaltung ausmisten, bürokratendeutsche Anträge mit handwerkerdeutschen Kenntnissen ausfüllen, nötigen Reparaturen in Backstube und Läden ausgefüllt. Und er schiebt schmunzelnd noch ein „ich weiß schon gar nicht mehr, wie eine Torte gemacht wird“ hinterher.

Ein Hoch auf das Leben in der Kleinstadt

„Als wir uns in meinen Apothekenteams Ende Februar mit Covid-19 beschäftigt und den Pandemieplan zur Aktualisierung hervorgeholt haben, waren die möglichen Folgen dieser Pandemie gefühlt noch in weiter Ferne“, erinnert sich Apothekerin Christiane Schultze-Mosgau. „Schließlich hatten wir 2010 die Schweinegrippe mit all ihren Auswirkungen auf den Apothekenalltag auch überstanden. Diese Meinung mussten wir schnell revidieren. Der Apothekenalltag war von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt.
Inzwischen kämpfen wir mit den sowieso schon vorhandenen Lieferengpässen an Arzneimitteln in potenzierter Form und dem Mangel bzw. Fehlen an Schutzausrüstung. Schließlich müssen wir gewährleisten, dass wir unserem Versorgungsauftrag für die Bevölkerung möglichst lange nachkommen können. Durch gute Kontakte - ein Hoch auf das Leben in einer Kleinstadt - ist es gelungen, relativ schnell an Plexiglasscheiben heranzukommen, um diese als Spuckschutz an bzw. über den Handverkaufstischen anzubringen.


Den Botendienst und die telefonische Beratung haben wir ausgeweitet, um die Patientenkontakte zu verringern und die Risikopatienten zu schützen. Wir müssen lernen, auch ohne körperliche Nähe, einem Menschen in Not und Trauer Trost und Zuversicht zu geben.

„Einzig Patienten in der postoperativen Phase und der Anschlussheilbehandlung durften weiter behandelt werden“, berichtet Björn Gollée von der Kirchberg Klinik in Bad Lauterberg. Gegenwärtig sei die Belegung in der Klinik nur etwa ein Viertel so hoch wie in normalen Zeiten. „Alle Patienten werden vor der Anreise kontaktiert und hinsichtlich Risiken interviewt. Bei Anreise wird jeder unverzüglich auf Symptome untersucht. Im Verdachtsfall werden Isolierungen und Testungen vorgenommen, die bisher zum Glück alle negativ blieben. Ein generelles Besuchsverbot wurde ausgesprochen und nur zur Sicherstellung der Ausstattung (Wartung der Brandmeldeanlage, der Aufzuganlagen usw.) dürfen noch Fremdfirmen ins Haus“. Der ambulante Bereich einschließlich Therme und dem Balance falle im Moment weiterhin ganz weg, so Björn Gollée.


 „Am 28. März wurden wir zum Ersatzkrankenhaus für nicht infizierte low-care Fälle bestimmt. Was hat sich damit geändert? Mit der jetzigen Einstufung durch das niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung wurde die Planung für den Fall einer möglichen Verschärfung der Coronakrise und einer damit verbundenen Bettenknappheit in den großen Akuthäusern festgeschrieben.“ Mit einer großen Aufnahmewelle ist folglich nur dann zu rechnen, wenn unser Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt. In dem Fall werden in der Kirchberg-Klinik die Patieten versorgt, die nachweislich nicht infiziert sind und für die in einem Plankrankenhaus kein Platz wäre.

Schreibtisch komplett ohne Fristendruck frei bekommen

Schon seit mehr als zwei Wochen seien in seiner Kanzlei keine persönlichen Mandantengespräche mehr durchgeführt worden, sagt Rechtsanwalt Andreas Körner. „Sämtlicher Informationsaustausch erfolgt per E-Mail, telefonisch und durch Telefonkonferenzen. Wir haben einen Stehpult direkt vor dem Kanzleieingang aufgestellt, zum Ausfüllen von Dokumenten, für diejenigen, die keine Möglichkeit des E-Mail-Verkehrs haben. Von der Effektivität her funktioniert dies sogar besser, als der Normalbetrieb mit persönlichen Mandantengesprächen. Bei einem Telefonat ist man doch fokussierter und beschränkt sich auf das Wesentliche.
Natürlich sind in den letzten Tagen deutlich weniger Mandate aufgenommen wurden. Dies bietet jedoch Gelegenheit, den Schreibtisch einmal wieder komplett ohne Fristendruck frei zu bekommen.“

Rechtsanwältin Petra Simanski meldet sich aus Osterode aus dem Homeoffice. „Unsere Kanzlei ist momentan nur, aber zuverlässig mit einer Mitarbeiterin besetzt. Alle Termine erfolgen derzeit durch telefonische Beratung/Besprechungen. Dennoch werden alle Akte auch von zu Hause weiterhin mit großer Sorgfalt bearbeitet. Das macht die heutige Technik zum Glück möglich.
Die Mandanten haben durchweg Verständnis für diese neue Form der Besprechung oder fordern diese sogar von selbst ein.
Gerichtstermine wurden alle aufgehoben und bis auf weiteres nicht neu terminiert. Ausschließlich eilige Sachen wie z.B. Kindschaftssachen finden im großen Sitzungssaal statt, damit der Sicherheitsabstand sichergestellt werden kann.
Doch trotz dieser wirren Zeit stelle ich in den seltenen ruhigen Momenten fest, dass man sich auf vieles besinnt, was häufig so selbstverständlich vorausgesetzt wird.“

Wie wird der Handel künftig aussehen?

„Anfang März wurde Corona immer mehr zum Thema. Die Frage war nur noch wann, nicht mehr, was wird passieren“, sagt Fred Pahl vom Elektronik-Fachgeschäft in Herzberg. „Daher traf mich der Abend des 16. März  auch nicht allzu unvorbereitet. Trotzdem war es schon ein seltsames Gefühl, unser so sicheres Land in diese Situation gleiten zu sehen. Also ließ ich ab dem 17. März mein Geschäft geschlossen. Ich habe mich den gesamten Tag vor die Ladentür gestellt und nicht nur meinen Kunden, sondern auch den Passanten, die zufällig vorbeigingen, erklärt, warum das jetzt geschehen muss. Und ich war ein wenig erschrocken, wie gerade die ältere Generation das vor uns Liegende bagatellisierte. Mein Unternehmen hat es zum Glück nicht ganz so hart getroffen, wir sind durch unseren Service und unseren Online-Shop gut zu erreichen gewesen. Wir haben viele Aufträge auf elektronischem Wege erhalten.“


Man habe nun seit Montag das Geschäft wieder „normal“ geöffnet. Normal werden nur die Öffnungszeiten sein. Spuckschutz, Mundschutz, Handdesinfektionsstation, Laufwege, Einmalhandschuhe, alle diese Dinge werden das Einkaufserlebnis für uns alle nachhaltig verändern.


Eine gute alte kaufmännische Sitte war der Handschlag, ist dieser als Geste zu ersetzen? "Ich denke nein. War er doch immer ein Ausdruck von Verständigung und Zuneigung. Zur Zeit beschäftige ich mich mit dem zukünftigen Weg meines Unternehmens. Wie wird der Handel zukünftig aussehen? Spannend dieses Thema.“

„Nach Schließung der Geschäfte Mitte März kam als Erstes für unseren Außendienst die Arbeit zum Erliegen, da in den Supermärkten außer Kunden keine Besucher erwünscht waren und nach Kneipen- und Hotelschließung auch bald die Gaststätten nur noch sehr eingeschränkt tätig sein konnten“, erläutert Walter Möller von Schierker Feuerstein. „Home Office im Außendienst ist schwierig und eigentlich ein Widerspruch in sich. Unser Geschäft in Schierke haben wir geschlossen, obwohl wir weiterhin hätten öffnen dürfen, aber wenn die Touristen im Harz ausbleiben, fehlen uns die Kunden.“ Gleichzeitig habe man in Bartolfelde so viel Schierker Feuerstein wie möglich abgefüllt und das Lager aufgestockt, damit bei einem Produktionsstopp durch Erkrankung von Mitarbeitern zumindest die Auslieferung an den Handel weiter gewährleistet sei.


„Ende März wurden Desinfektionsmittel knapp und wir erhielten den ersten Anruf einer Apotheke, die nach Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmittel fragte. Unser Lagervorrat an Alkohol ging zur Neige, aber wir trafen innerhalb von Minuten die Entscheidung, dass wir an die Apotheken hier in der Umgebung Alkohol zu Selbstkosten abgeben, wenn sie welchen zur Herstellung von Desinfektionsmitteln benötigen, solange unser Vorrat dafür ausreicht.


Als wir schließlich doch eine kleine Nachlieferung von unserem Lieferanten erhielten, konnten wir der Bundeswehrapotheke in Blankenburg, der wir noch am Tag zuvor absagen mussten, ein Drittel unserer Neulieferung abgeben. Leider entspannt sich die Lage am Alkoholmarkt derzeit noch nicht, obwohl nun ausreichend technischer Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln zur Verfügung stehen soll. Wir hoffen, dass wir zumindest mit kleinen Mengen, die für einen Herstellungsansatz reichen, in Abständen immer wieder beliefert werden.“

Chancen für einen kreativen Umgang mit digitalen Medien

Eine Schule aus dem laufenden Halbjahr, also von voller Fahrt auf Null herunter zu fahren, sei eine gewisse Herausforderung und beschäftige sie de facto tagtäglich von früh morgens bis spät in den Abend, erklärt Brigitte Götz, Leiterin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in Herzberg.


„Ich muss mir aber keine Gedanken um die wirtschaftliche Existenz meines Betriebes bzw. meiner Mitarbeiter machen. Dafür bin ich dankbar und mir ist es wichtig, dass mein Kollegium unsere Schüler und deren Familien auch während der Schulschließung solidarisch und nach besten Möglichkeiten unterstützt.“
Die Lehrkräfte arbeiten mit Ausnahme der Notbetreuung im Homeoffice, die Mitarbeiter arbeiten seit 1 1/2 Wochen entweder im Schichtdienst, um jeden persönlichen Kontakt zu vermeiden, ansonsten ebenfalls weitestgehend im Homeoffice. Deshalb meidet auch das Schulleitungsteam die Schule, wenn immer möglich. Ich leite das EMAG von zuhause aus z.B. über Videokonferenzen alternativ zu den Dienstbesprechungen vor Ort.
Den Kontakt mit den Kollegen, den Schülern und den Eltern halte ich über unseren schuleigenen Server, über den wir sehr gut vernetzt sind. Jede Lehrkraft und jede/r Schüler/in hat eine eigene Mailadresse, über die wir Gruppen bilden, im geschützten Raum kommunizieren, die Schüler mit Lernmaterialien versorgen und wieder Rückmeldung über bearbeitete Aufgaben geben. Es mag skurril klingen, aber die Situation bietet Chancen für einen kreativen Umgang mit digitalen Medien.“

Zunächst durch Corona nicht geändert habe sich sein normaler Tagesablauf, sagt Geert Haaphoff, seit über 20 Jahren im Ruhestand. „Anders sieht es dagegen bei den Dingen aus, die den Ruhestand ausmachen wie Reisen, Ausflüge, Besuch der Enkelkinder und Treffen mit Freunden. Wem es so geht wie mir, der nichts vom Selberkochen hält, der muß erkennen, wie schnell sich Versorgungsprobleme ohne Restaurants auftun.“ Da sei die Nachbarschaftshilfe eine besondere Lösung. „Sie hat sich für mich plötzlich angeboten, und ich entdecke ein nicht gekanntes Füreinanderdazusein. Aber ich muß auch erkennen: Wenn man alt ist, sind die ,alten’ Freunde auch ähnlich alt, sind oft nicht mehr mobil oder krank oder wie in meiner Straße 90 Jahre und älter. Übrig bleibt das gelebte Zugehörigkeitsgefühl in einer Kleinstadt.“


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