Geschrieben von Peter Bischof am 14. Juni 2020
Land bleibt verlässlicher Partner für das Welfenschloss
Sanierungsarbeiten im Schloss Herzberg werden trotz Corona-Krise weitergeführt





Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers und die drei Landtagsabgeordneten Karl Heinz Hausmann (SPD), Thomas Ehbrecht (CDU) und Stefan Wenzel (Grüne), zeigten sich bei der Besichtigung des Herzberger Welfenschlosses vom Fortschritt der Bauarbeiten am Welfenschloss Herzberg beeindruckt. Die umfassenden Arbeiten werden trotz Corona-Krise weiterhin wie geplant durchgeführt. Nachdem während des Lockdowns und der Abstandsregeln kurzzeitig weniger Arbeiter im Schloss tätig waren, herrscht jetzt wieder voller Baustellenbetrieb.
Reinhold Hilbers informierte sich am Freitag (12. 6.2020) vor Ort über den Fortgang der Arbeiten an der aus dem 16. Jahrhundert stammenden vierflügeligen Schlossanlage – die Anfänge reichen 900 Jahre zurück –, die 2017 unter Leitung des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen begonnen wurden.
20 Millionen Euro Gesamtkosten
Acht Millionen Euro des auf rund 20 Millionen Euro prognostizierten Gesamtbedarfes wurden aus Landesmitteln für die Sanierung bereits aufgebracht. Der Bund stellt aus dem Haushalt der Staatsministerin für Kultur und Medien (BKM) zusätzlich sieben Millionen Euro bereit, deren konkrete Verwendung im Rahmen der Sanierung aktuell abgestimmt wird.
Hilbers signalisierte am Ende des Besuches, dass die Sanierung auf jeden Fall bis zum Ende durchgeführt werden solle. „Das ist wichtig, denn wenn wie 2005 nach der Hälfte der Sanierung die Arbeiten wieder eingestellt würden, wäre das mehr als fatal“, so Karl Heinz Hausmann. Zumal jetzt die Sanierung extrem gründlich und technisch sauber durchgeführt werde.
Fehler von 2005 nicht wiederholen
Nachdem 2005 ein Verkauf des Schlosses und auch die Idee eines Hotelbetriebs gescheitert waren, stoppte das damalige Kabinett von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) die Sanierung. Bereits restaurierte Teile fielen erneut dem Schimmelpilz zum Opfer.
Nach dem Regierungswechsel 2013 stellte Rot-Grün in einem Doppelhaushalt 2017/2018 insgesamt 7,5 Millionen Euro für die Sanierung der Gebäudehülle des Uhrenturms und des Marstallflügels bereit. Der damalige Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD), sprach von einem wichtigen Impuls für Südniedersachsen.
Inwieweit sich der heutige Zeit- und Kostenrahmen über die Vielzahl der bis 2025 terminierten Bauabschnitte realisieren lasse, unterliege aber weiterhin erheblichen Unsicherheiten, so der Finanzminister. Es werde stark davon abhängen, inwieweit sich die Erkenntnisse aus den Voruntersuchungen im Sanierungsverlauf bestätigten.
Fachwerk am Torhaus erneuert
Markus Rogge, Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen, führte die Besucher durch die Schlossanlage, beginnend am Torhaus. Die Sanierungsarbeiten konzentrierten sich bislang neben dem Torhaus auf den Marstallflügel und den Uhrenturm. Beim Torhaus werde momentan der Austausch des fast vollständig zerstörten äußeren Fachwerks durchgeführt, so Markus Rogge. Diese Maßnahmen seien durch langwierige archäologische Untersuchungen aufgehalten, aber nun zum großen Teil bereits durchgeführt worden. Der Abschluss der Arbeiten sei für das kommende Frühjahr geplant.
Zur Rettung von Personen und zur Wartung der Außenfassade soll ein Weg rund um das Schlossgebäude entstehen. Hier haben 2019 vorbereitende Gründungsarbeiten begonnen und werden Ende des Jahres abgeschlossen.
Marstallgebäude komplett entkernt
Das Marstallgebäude wurde komplett entkernt. Alle Bauteile von der Gründung über die Außen- und Innenwände, sowie das Dachtragwerk mussten aufgrund des unvermuteten Schadensbildes im Zuge der Sanierung zu großen Teilen denkmalverträglich rekonstruiert werden.
„Die Außenwände wurden mit einer mineralischen Innendämmung bauphysikalisch aufgewertet, die oberste Geschossdecke und die Sohlplatte haben entsprechend der gültigen Energieeinsparverordnung neue Dämmebenen erhalten“, erklärte Markus Rogge. Die Gründung wurde mit Bohrpfählen verstärkt, hierauf eine neue Sohlplatte aufgebracht. Die Rohbauarbeiten sind zum größten Teil abgeschlossen, sodass mit einer Fertigstellung Ende 2020 zu rechnen ist.
In die fertiggestellten Räume sollen Teile des Amtsgerichtes einziehen. In weiten Teilen des Gesamtkomplexes, im Sieberflügel und im Grauen Flügel, ist das Amtsgericht Herzberg bisher bereits untergebracht. Im Stammhausflügel sind das Schlosscafé sowie das Museum angesiedelt.
Schäden am Uhrenturm größer als erwartet
Im Uhrenturm wurde bereits das Fachwerk saniert. Außerdem wurden die an den Schnitzereien und Verzierungen massiv vorhandenen Holzschäden restauriert. Bei der Öffnung des Turmhelms Anfang des Jahres offenbarten sich weitaus größere Schäden am Tragwerk als vorher erwartet. Die Fertigstellung ist für Ende des Jahres vorgesehen.
In den weiteren Gebäudeteilen, Stammhausflügel, Grauer Flügel und Sieberflügel, laufen unter Federführung des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen derzeit weitere Voruntersuchungen und Planungen, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden. Rund die Hälfte der Aufträge für die Arbeiten im Schloss , so Markus Rogge, werden in der Region Harz vergeben, teilweise mit vereinfachten Ausschreibungsverfahren.
Aufträge so zügig wie möglich vergeben
„Wie hier in Herzberg laufen unsere Bauprojekte weiter. So zügig wie möglich werden wir unsere Aufträge vergeben. Die Auswirkungen der krisenbedingten privaten und unternehmerischen Auftragsrückgänge im Handwerk und der Bauwirtschaft können wir so abfedern. Wir sind uns unserer konjunkturpolitischen Verantwortung bewusst. Wir bleiben ein verlässlicher Partner für unsere Auftragnehmer. Niedersachsen plant in den nächsten Jahren ein immenses Bauvolumen umzusetzen“, erklärte Hilbers bei dem Rundgang.
Hilbers dankte allen Beteiligten für ihr Engagement und ihre Bereitschaft, persönliche Einschränkungen zugunsten des Schutzes der Gesundheit zu akzeptieren und lobte die gute Kooperation der Beteiligten vor Ort.
Im Vorfeld des Besuches hatte es kurzzeitig leichte Irritationen gegeben, da die örtlich zuständigen Landtagsabgeordneten erst mit dem Verweis auf die Coronasituation vom Finanzministerium ausgeladen wurden, dies aber schnell korrigiert wurde.