Geschrieben von PM am 06. November 2013
Als „Bufdi“ bei Essen auf Rädern
Bundesfreiwilligendienst endet – Paritätischer Osterode sucht Nachfolger
12.30 Uhr – Doris Delfs und Harry Zarins kommen mit ihren Wagen wieder auf den Hof des Paritätischen Sozialzentrums gefahren. Ihre Tour für „Essen auf Rädern“ ist fast beendet. Wie jeden Tag erfolgt noch eine kurze Rückmeldung bei Einsatzleiterin Martina Weber über Vorkommnisse auf der Tour. Danach ist Dienstschluss. Bald sogar für immer. Denn für beide endet in Kürze ihr Bundesfreiwilligendienst (BFD) beim Paritätischen Osterode.
Auf die Frage, warum er sich für einen 18-monatigen BFD beim Paritätischen entschieden hat, antwortet der 61-jährige Zarins aus Förste: „Für mich war Essen auf Rädern der ideale Freiwilligendienst. Ich fahre gerne Auto und mag den Umgang mit Kunden, schließlich war ich 40 Jahre lang im Einzelhandel tätig. Seit 2008 saß ich allerdings zu Hause und hatte jede Menge freie Zeit. Mit Beginn meines Bundesfreiwilligendienstes hatte ich wieder eine richtige Tagesstruktur: Vormittags Dienst und am Nachmittag immer noch genügend Zeit, mich um meine eigenen Belange wie meine Fußballmannschaft zu kümmern. In der Woche war ich etwa 20 bis 25 Stunden für Essen auf Rädern unterwegs.“
Der BFD wendet sich an alle engagierten Menschen, dabei spielen Alter, Geschlecht, Nationalität oder der Schulabschluss keine Rolle. Nicht nur für die Bundesfreiwilligen – die „Bufdis“ – bietet der BFD Vorteile. So sind sie während ihrer freiwilligen Dienstzeit Mitglied in der gesetzlichen Kranken-, Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Die gesamten Beiträge trägt die Einsatzstelle ebenso wie das Taschengeld, welches ein „Bufdi“ erhält. „Positiv für die Einsatzstellen ist die langfristige Verbindlichkeit, die ein BFD mit sich bringt“, sagt Annette Nikulla, Geschäftsführerin des Paritätischen in Osterode. Dies helfe, beziehungsweise ermögliche es erst, soziale Projekte am Leben zu erhalten. Erfreulich sei, dass im Vergleich zum Freiwilligen Sozialen Jahr, das jungen Menschen bis 27 Jahren vorbehalten ist, der BFD nun auch älteren Menschen erlaubt, sich mit ihrer ganzen Lebenserfahrung sozial einbringen zu können.
Seinen Tagesablauf bei Essen auf Rädern beschreibt Harry Zarins so: „Dienstbeginn ist für mich um 8.30 Uhr. Als erstes müssen die Öfen, die in den Autos zum Warmhalten der Speisen eingebaut sind, angeschlossen werden. Danach schaue ich in Ruhe meinen Tourenplan durch, ob zum Beispiel ein Kunde heute kein Essen erhält. Es kommt ja leider immer wieder vor, dass jemand ins Krankenhaus muss oder einen anderen Termin hat. Dann kann das Essen auch kurzfristig abbestellt werden. Im Anschluss geht es zum Lieferanten, die Mahlzeiten abholen. Dabei müssen der Tourenplan und die Anzahl der Essen natürlich abgeglichen werden. Nun beginnt der schönste Teil meiner Tätigkeit: das Verteilen der Menüs an meine Kunden. Ein kurzer Plausch, ein ,Wie geht es Ihnen heute?‘, macht viele der Kunden schon froh und gibt mir ein gutes Gefühl. Einigen Kunden bin ich beim Ausfüllen der Bestellzettel behilflich, immerhin kann man zwischen acht verschiedenen Menüs wählen. Da ist ein wenig Unterstützung und auch Beratung notwendig.“
Martina Weber erklärt, dass beim Paritätischen die FahrerInnen von „Essen auf Rädern“ durch interne Schulungen für ihren Job fit gemacht werden. Die Themen sind sehr vielfältig und reichen von Hygienevorschriften über verschiedene Krankheitsbilder wie Demenz bis hin zum Umgang mit Reklamationen. Besonders wichtig sei auch, dass die FahrerInnen einen „Rundum-Blick“ für den Kunden entwickeln, zum Beispiel, wenn die Zeitung nicht wie üblich reingeholt wurde oder der Kunde die Tür nicht öffnet. Dann wird noch mal beim Kunden oder Verwandten nachgehakt, ob alles in Ordnung ist.
Ein BFD beinhaltet neben der praktischen Tätigkeit auch kostenfreie Seminare für die „Bufdis“. „Zunächst hatte ich einige Bedenken an den Seminaren teilzunehmen, aber im Nachhinein hat mir der Austausch mit den anderen Freiwilligen gut gefallen. Auch die sozialen und politischen Themen, die dort angesprochen wurden, waren sehr interessant“, sagt Doris Delfs. Auf die Frage, was er für sich nach 18 Monaten BFD mitnimmt, meint Harry Zarins: „Der Kontakt mit den Kunden hat mir am besten gefallen. Zu einigen habe ich ein ganz besonders herzliches Verhältnis aufgebaut – da hat einfach die Chemie gestimmt. Deshalb sind nicht nur meine Kunden traurig, dass mein BFD endet. Gerade Menschen in meiner Situation und in meinem Alter kann ich einen BFD empfehlen. Für mich waren die 18 Monate beim Pari eine gute Zeit, denn ich hatte endlich wieder eine Aufgabe, die mich ausgefüllt hat.“
Auch Doris Delfs, die bereits mehrere Jahre Zuhause war, stellt diesen Aspekt eines BFDs als besonders positiv heraus. „Nicht mehr nur rumsitzen, sondern etwas Sinnvolles zu tun, war ein gutes Gefühl.“
Der Paritätische sucht nun zum Dezember 2013 Nachfolger für Doris Delfs und Harry Zarins. Wer Interesse an einem 12-monatigen BFD beim Paritätischen hat, kann sich melden bei Annette Nikulla unter Telefon 05522 / 90 77 19, bei Ute Dernedde (FreiwilligenAgentur OHA des Paritätischen) unter Telefon 05522 / 90 77 18 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
