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Geschrieben von Manfred Kirchner am 28. November 2020
Region

Als der Schlossturm seine Wetterfahne bekam

Am Mittwoch, 2. Dezember, wird die Goldene Kugel wieder auf das Turmdach gesetzt

Auf dem Foto aus dem Jahr 1949 sind vier Handwerker auf einem abenteuerlichen Gerüst zu sehen, die die Wetterfahne anscheinend hochziehen. Foto: Privat
Auf dem Foto aus dem Jahr 1949 sind vier Handwerker auf einem abenteuerlichen Gerüst zu sehen, die die Wetterfahne anscheinend hochziehen. Foto: Privat
Der Wochenzettel aus dem Jahr 1949 enthielt auf der Rückseite die handschriftlichen Zeilen. Foto: Manfred Kirchner
Der Wochenzettel aus dem Jahr 1949 enthielt auf der Rückseite die handschriftlichen Zeilen. Foto: Manfred Kirchner
Am Schlossturm wurden die letzten Holzfiguren angebracht, letzte Farben aufgetragen und die obere Kuppel fertiggestellt. Foto: Manfred Kirchner
Am Schlossturm wurden die letzten Holzfiguren angebracht, letzte Farben aufgetragen und die obere Kuppel fertiggestellt. Foto: Manfred Kirchner
Christoph Jarzebski restauriert mit seinem Team die Figuren am Schlossturm. Foto: Peter Bischof
Christoph Jarzebski restauriert mit seinem Team die Figuren am Schlossturm. Foto: Peter Bischof
Helmut Thies
Helmut Thies

Das helle Licht auf dem Schlossturm, das jetzt auch aus der Ferne an den dunklen Abenden zu sehen war, machte viele Herzberger neugierig. Was passiert da gerade auf dem Schloss, speziell am Schlossturm?

Am Schlossturm wurden die letzten Holzfiguren angebracht, letzte Farben aufgetragen und die obere Kuppel fertiggestellt, weiß Manfred Kirchner vom Förderverein Schloss Herzberg, der Initiator der Baustellenführungen auf dem Schloss. „Die Laterne und die untere Kuppel werden vermutlich erst im Frühjahr 2021 eingedeckt.“ Daher könne auch die Fachwerksanierung im oberen Teil des Turms erst fortgesetzt werden, wenn das Dach fertig sei.

Goldene Kugel wird wieder angebracht

Am Mittwoch, 2. Dezember, soll die Goldene Kugel nach erfolgter Sanierung wieder auf die Kuppel des Turmdaches gesetzt werden. Die Kugel und die Wetterfahne wurden am 20. März 2019 abgebaut und in der Zwischenzeit im Museum ausgestellt.

In der Kugel befand sich in einer etwa handgroßen Bleiumhüllung ein Wochenzettel des Dachdeckermeisters August Otte aus Herzberg aus dem Jahr 1949. Der Wochenzettel enthielt auf der Rückseite die handschriftlichen Zeilen: „Die Turmarbeiten wurden ausgeführt im  September 1949. Karl Trümper, Dachdecker, Karl Ropeter, Dachdecker, Arnold Ihlemann, Klempner, Helmut Thies, Schlosser.“

Ein Interview mit einem Zeitzeugen

Manfred Kirchner hatte die Gelegenheit, mit Helmut Thies über die damaligen Arbeiten am Schloss zu sprechen. Thies lebt seit sieben Jahren in der Seniorenresidenz Stiemerling in Hattorf. Der 92-Jährige wird vielen älteren Herzbergern noch bekannt sein. War er es doch, der als Erster bei Alarm im Gerätehaus der Feuerwehr war, wohnte er doch nur eine Etage über den Fahrzeugen und Geräten.

Und er war als Gerätewart der Freiwilligen Feuerwehr Herzberg viele Jahre dafür verantwortlich, dass Fahrzeuge und Geräte immer funktionsfähig und einsatzbereit waren. Die handwerklichen Fähigkeiten für diese Aufgabe brachte er beruflich mit, denn nach seiner Schlosserlehre arbeitete er rund vierzig Jahre bei der Maschinenfabrik W. L. Meyer in Herzberg. In seiner Funktion als Maschinenschlosser bekam er 1949 die Aufgabe übertragen, die Wetterfahne für den Schlossturm des Herzberger Schlosses zu erstellen.

Die Erinnerungen des Helmut Thies

Manfred Kirchner freute sich, dass Helmut Thies noch geistig fit ist und er mit ihm über seine Arbeiten im September 1949 sprechen konnte, coronabedingt leider nur telefonisch.

Manfred Kirchner: In der im letzten Jahr in der Turmkugel vorgefundenen Dokumentenkapsel wurden Sie und drei weitere Handwerker genannt, die die Turmspitze 1949 instandgesetzt haben. Wer hatte welche Aufgaben?

Helmut Thies: Zu den Dachdecker- und Klempnerarbeiten am Schlossturm kann ich nur wenig sagen. Dafür war die Firma Otte aus Herzberg zuständig. Ich war nur einen Tag auf dem Turm, um die Wetterfahne und die Turmkugel aufzusetzen. Dabei sind mir die beiden Dachdecker und der Klempner gut zur Hand gegangen.

Manfred Kirchner: 1949, nur vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und nach den schweren Beschädigungen durch die Explosion der DAG unterhalb des Schlosses, in welchem Zustand fanden Sie das Schloss vor?

Helmut Thies: Das Dach auf dem Schloss war wieder instandgesetzt. Soweit ich mich erinnern kann, waren aber Wetterfahne und Turmkugel nicht mehr vorhanden. Sie müssen 1945 bei der Explosion der DAG weggeflogen sein.

Manfred Kirchner: Das erklärt auch, dass im März des letzten Jahres in der Dokumentenhülle keine alten Urkunden mehr vorgefunden wurden. Sie durften demnach eine neue Wetterfahne erschaffen. Können Sie uns heute dazu etwas erzählen?

Helmut Thies: Wir haben etwa zwei Wochen daran gearbeitet, vom Entwurf bis zur Fertigstellung. Zuerst haben wir einen Rohling aus Zwei-mm-Kupferblech geschnitten. Dann habe ich das Niedersachsenross und die Ornamente per Hand auf das Blech aufgezeichnet und ein Lehrling hat mit der Laubsäge in vielen Stunden Handarbeit das Ross und die Ornamente ausgeschnitten. Schließlich kam die Platte in einen Metallrahmen mit entsprechendem Ständer für die Montage auf dem Turm. Die Fahne wurde, bevor sie montiert wurde, vergoldet. Von wem, weiß ich nicht mehr. Neben der Fahne wurde auch die Turmkugel vergoldet. Diese Kugel hat die Firma Jorns aus Osterode hergestellt.

Manfred Kirchner: Bei dem Bild aus dem Jahr 1949 sind vier Handwerker auf einem abenteuerlichen Gerüst zu sehen, die die Wetterfahne anscheinend hochziehen. Waren Sie dabei und wie wurde die Fahne überhaupt auf den Turm gehoben?

Helmut Thies: Wie die Fahne auf den Turm gekommen ist, weiß ich nicht mehr. Im Inneren des Turms können wir sie nicht nach oben geschafft haben, denn dafür war sie zu groß. Ich gehe davon aus, dass die Dachdecker sie außen über das Dach eines der Schlossflügel am Turm hochgezogen haben. Bevor ich Kugel und Wetterfahne montiert habe, haben wir noch einen Zettel geschrieben mit unseren Namen. Diesen Zettel haben wir dann in eine Bleihülle gelegt, die Hülle fest verschlossen und in die Turmkugel gelegt. Meine Arbeiten auf dem Turm haben nur einen Tag gedauert.

Manfred Kirchner: Vielen Dank für dieses Gespräch und vielen Dank, dass Sie uns zu vielen Fragen Erklärungen geben konnten. Wenn Sie heute auf über siebzig Jahre seit Ihrer Arbeit auf dem Schlossturm zurückschauen, woran erinnern Sie sich da gern?

Helmut Thies: Besonders reizvoll waren für mich Sonderaufträge wie der, eine Wetterfahne herzustellen. Auch bei der Feuerwehr habe ich gern herausfordernde Sonderaufträge angenommen. Und natürlich freue ich mich über die Feuerwehrkameradschaft und die Besuche der Feuerwehrkameraden hier in der Seniorenresidenz, die hoffentlich bald wieder möglich sein werden.


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