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Geschrieben von Peter Bischof am 04. Dezember 2020
Region

Es leuchtet wieder vom Schlossturm

Die goldene Kugel und die Wetterfahne wurden installiert

Hoch über Herzberg: Die goldene Kugel und die Wetterfahne werden wieder installiert. Fotos: Manfred Kirchner
Hoch über Herzberg: Die goldene Kugel und die Wetterfahne werden wieder installiert. Fotos: Manfred Kirchner
Die goldene Kugel und die Wetterfahne wurden außen am Turm hochgezogen.
Die goldene Kugel und die Wetterfahne wurden außen am Turm hochgezogen.
Auch die Wetterfahne ist wieder aus großer Entfernung zu sehen.
Auch die Wetterfahne ist wieder aus großer Entfernung zu sehen.
Marcus Rogge, Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen, mit der Zeitkapsel.
Marcus Rogge, Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen, mit der Zeitkapsel.
Herzbergs Bürgermeister Lutz Peters und Dipl. Ing. Ulrich Rütjerodt vom Baumanagement begutachteten die Arbeiten ganz oben auf dem Turm.
Herzbergs Bürgermeister Lutz Peters und Dipl. Ing. Ulrich Rütjerodt vom Baumanagement begutachteten die Arbeiten ganz oben auf dem Turm.

Am Mittwoch, 2. Dezember 2020, wurden die goldene Kugel und die Wetterfahne nach erfolgter Sanierung wieder auf die Kuppel des Daches des Schlossturmes gesetzt. Für die Sanierungsarbeiten am Turm des Herzberger Welfenschlosses wie auch für den Marstallflügel war es nicht 5 vor 12, sondern 5 nach 12, konstatierte das Staatliche Baumanagement Südniedersachsen zu Beginn der Baumaßnahmen. Irgendwann wären beide Gebäude eingestürzt. Der Turm war zuletzt in den 90er Jahren restauriert worden. Allerdings nicht fach- und sachgerecht, sondern eher nach dem Motto „außen hui, innen pfui“.

Die Kugel und die Wetterfahne waren am 20. März 2019 abgebaut und im Museum ausgestellt worden. „Der Turm als Schmuckstück der Schlossanlage ist jetzt wieder komplett. Die Sanierung war dringend notwendig, um auch dieses historisch wertvolle Bauwerk für die Nachwelt zu erhalten,“ so Marcus Rogge, Leiter des Staatlichen Baumanagements. Die Bekrönung des Uhrenturms fand wegen der Corona-Pandemie nur in sehr kleinem Kreis statt. In eine Zeitkapsel für die goldene Kugel wurden von Herzbergs Bürgermeister Lutz Peters und Marcus Rogge ein Stadtplan Herzbergs und eine Ausgabe des Harz Kuriers gegeben. Weiterhin Schriftstücke zur Schlosssanierung, zum Museum, zum Förderverein Schloss und eine Bestandsaufnahme der Situation der Stadt Ende 2020. Vom Amtsgericht kamen eine Münze, eine Dienstmaske und das Hygienekonzept des Amtsgerichtes zur Corona-Pandemie hinzu.

Arbeiten am Turm bald abgeschlossen

Am Uhrenturm wurde in den letzten Tagen und Wochen der Außenanstrich gemacht, was jetzt wieder besonders die Schönheit und Farbe der geschnitzten Figuren betont. Die Restaurierung der Figuren am Turm ist weitgehend abgeschlossen. Alle Figuren sollen erhalten bleiben und einige notfalls später im Museum präsentiert werden.

Die Bleiverkleidung der Laterne soll demnächst erfolgen, ebenso der Wiedereinbau der Treppe in den Turm. Der Uhrenturm soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Vermutlich wird er aber – zumindest in absehbarer Zeit – nicht für die Öffentlichkeit begehbar sein. Auf jeden Fall wird der Schlossturm wieder der Blickfang im Schlosshof werden.

Das Treppenhaus im Turm wurde in den Untergeschossen teilweise abgebaut und im Keller gelagert. Unter dem Turm und Grauen Flügel sind große Kellerräume, in denen auch die Heizung untergebracht ist. Wenn die äußere Hülle des Turms stabilisiert ist, kann geprüft werden, inwieweit das Treppenhaus künftig noch genutzt werden kann.

Auch am Marstall-Flügel wird kräftig gearbeitet

Während die Arbeiten am Schlossturm weit fortgeschritten sind, wird im Marstall-Flügel noch kräftig gearbeitet. Ab dem 2. Quartal 2021 sollen dort Teile des Amtsgerichts untergebracht werden, um dann auch im Sieber- und Grauen Flügel die Amtsgerichtsräume zu sanieren. Zuerst sollen die Mitarbeiter des Grauen Flügels umziehen.

Um den Marstall-Flügel zu stabilisieren, wurden bis zu zwölf Meter lange Pfähle in den Boden getrieben. Auf die Köpfe der Pfähle wurde im Inneren des Gebäudes eine Stahlbetonplatte gegossen. Im ehemaligen Theaterraum des Marstallflügels werden großzügige Büroräume entstehen, die mit Glaswänden aufgelockert und aufgewertet werden.

In den Obergeschossen ziehen die Zimmerleute neue Balken ein und verbinden sie teilweise mit den alten Balken. Dabei wird nur das erneuert und ausgetauscht, was gar nicht mehr zu retten ist. Alles was noch stabil ist, soll erhalten bleiben.

Deshalb ist im Marstall zurzeit ein interessantes Mosaik aus alten Fachwerkbalken und neuen Balken aus Kiefer- und Eichenholz zu sehen. Zudem werden im Inneren auch Mauern aus Sieberflusssteinen wiederhergestellt. Es wird außerdem sehr viel mit Lehm gearbeitet. In den Decken werden sogenannte Lehmwickel wieder verwendet.

Die große Schwierigkeit im Marstallflügel war, dass die alten Trägerbalken keinen festen Anschluss an die Seitenwände hatten, sie lagen nur noch auf. Inzwischen sind auch Stahlträger eingezogen worden, um den nötigen Halt zu geben.

Im Neuen Flügel ist der Fahrstuhlschacht fertig. Die Gebäudedecken werden an den Schacht angebunden. Der Fahrstuhl wird nahe des Inneren Tores eingebaut, auch hier sind die vorbereitenden Arbeiten weitgehend abgeschlossen.

Zwischen Stammhausflügel und Marstall wurde das Zwischengeschoss zugänglich gemacht, auch ein Raum, der zwar zum Marstall gehörte, aber nur über den Stammhausflügel begehbar war. Im Marstallflügel sind die Installationsarbeiten so weit fortgeschritten, dass demnächst die restlichen Putzarbeiten erfolgen können. In den Obergeschossen sind auch bereits die Fußbodenplatten verlegt.

Alte Gemäuer unter Torhaus gefunden

Im Torhaus ruhen zurzeit die Arbeiten, weil man bei den Grabungen unterhalb des Fußbodens auf alte Gemäuer gestoßen ist. Unter der Bodenplatte des Torhauses, das 1735 erbaut wurde, wurden ältere Fundamente freigelegt, die darauf schließen lassen, dass hier schon vor 1735 Gebäude  gestanden haben. Im Torhaus wird ähnlich verfahren wie im Marstallflügel und im Turm. Im Torhaus wurde mit dem Ausbau der Gefache begonnen, im Inneren wurden die Geschossdecken erneuert. Hier ist auch die Deckenbauweise mit Lehmwickeln gut zu erkennen. Im Torhaus soll später das Archiv des Amtsgerichtes untergebracht werden.

Der Graue Flügel ist an seiner Außenseite komplett eingerüstet, die Treppe zum „Garten“ (Fluchtweg) weiter gebaut, mit der Sanierung der Mauerfugen wurde begonnen. Auch die Sanierungsarbeiten im Inneren des grauen Flügels sind bereits weiter fortgeschritten.

Auf der Außenseite des Grauen Flügels sind bereits planierte Arbeitsflächen angelegt. Diese Wege und kleinen Plätze sind so befestigt, dass sie später zu begrünen und zu nutzen sind.
Auf dieser Seite, an der Außenecke von Grauem Flügel und Stammhausflügel, war in früheren Zeiten einer der Zugänge zum Schloss, wie auf älteren Stichen zu sehen ist.
An dieser Außenecke war eine breite Treppe mit riesigen Steinstufen angebaut. Die mächtigen Stufenquader sind zurzeit seitlich am Hang gelagert. Sie sollen später wieder die Treppe bilden.
 
Weitere Museumsräume im Stammhausflügel

Im Stammhausflügel sind noch viele Räume Richtung inneres Tor ungenutzt. Die Stadt Herzberg will für das Museum weitere vier Räume anmieten. Diese Räume liegen auf der Etage des Museums mit der Forst- und Jagdausstellung.

Bisher bildet die Herzberger Jagdtapete den Abschluss der Räume. Die Herzberger Jagdtapete ist ein riesiges Ölgemälde mit Jagd-Darstellungen, das Christian Ludwig seiner Mutter Anna Eleonore zur Ausstattung ihres Witwensitzes im Schloss Herzberg schenkte.
Nach Auflösung der Herzberger Hofhaltung wurden die Jagdbilder 1708 nach Hannover gebracht und im Schloss Herrenhausen ausgestellt. Für die neu anzumietenden Räume für das Museum muss ein Durchgang direkt hinter der Tapete geschaffen werden. Diese müsste dafür abgebaut, geteilt oder vorgezogen werden. Falls sie dabei beschädigt wird, könnte man eine neue Replik vom Original herstellen.


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