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Geschrieben von PM Förderverein Schloss Herzberg e.V. am 02. März 2023
Region

"Heinrich der Löwe und die Sachsen"

Dr. Gudrun Pischke referierte im Rahmen der Herzberger Schlossvorträge

Dr. Gudrun Pischke während ihres Vortrags (Foto: Förderverein Schloss Herzberg)
Dr. Gudrun Pischke während ihres Vortrags (Foto: Förderverein Schloss Herzberg)

Frau Dr. Gudrun Pischke vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen referierte im Rahmen der Schlossvorträge des Fördervereins Schloss Herzberg zu „Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, in (Nieder)Sachsen“. Dabei brillierte sie vor einem gut besuchten Rittersaal mit großem Sachwissen. „Schließlich habe ich drei Jahre meines Lebens mit Heinrich dem Löwen verbracht“, so ihre schmunzelnde Einleitung, „drei Jahre intensive Geschichtsforschung“.

In ihrem Vortrag zeigte sie den Lebensweg Heinrichs des Löwen von Geburt bis zu seinem Tod und seiner Bestattung in Braunschweig auf. Dabei ging sie besonders auf die Stationen in Sachsen und damit auf die Geschichte unserer Region ein. Anfang des 12. Jahrhunderts setzen die Welfen erstmals durch Heirat ihren Fuß nach Sachsen. Die Herrschaft der Welfen war dann immer wieder durch Ehen und Übernahme verwaister Herrschaften geprägt.

Das genaue Geburtsjahr Heinrichs des Löwen ist nicht belegt. Es wird davon ausgegangen, dass er um 1129/30 oder 1133/35 geboren wurde. Als einziger (lebender) Sohn Heinrichs des Stolzen und seiner Frau Gertrud von Süpplingenburg übernahm er 1139 mit dem Tod des Vaters die Herrschaft im Herzogtum Bayern und Sachsen, geprägt durch zahlreiche Erbstreitigkeiten. Dabei stand er unter der Vormundschaft seiner Mutter und der Kaiserin Richenza. 1137 wurde das Herzogtum Bayern dem damals mit 12 Jahren mündigen Heinrich der Löwe zugesprochen. In den Folgejahren gingen Stade und die Grafschaft Winzenburg an Heinrich über. Göttingen fiel 1152 in seinen Besitz.

1158 tauschte Heinrich der Löwe die Güter seiner Frau Clementia von Zähringen (Badenweiler) gegen die Burgen Herzberg und Scharzfels, den Hof Pöhlde und die Ministeriale in (Werla-) Burgdorf mit Friedrich Barbarossa. In den Folgejahren trat Heinrich der Löwe in Sachsen weitere Erbschaften, oft gegen erheblichen Widerstand, an. Dabei ging er oft nicht friedlich vor, belagerte Goslar, eroberte Oldenburg und Bremen. Zum Erbe Heinrichs zählten zahlreiche Klöster, darunter Bursfelde, Königslutter, St. Michaelis bei Lüneburg, St. Blasius (Northeim) und die Burgen Osterode und Staufenberg.

Seinen Hauptsitz richtete Heinrich in Braunschweig ein. Seine Herrschaft basierte auf zahlreiche Gefolgsleute wie Bischöfe, Äbte, Pröbste, Fürsten, Grafen, Edelherren und unfreien Dienstleuten (Minesterialen). So wurde Burg Herzberg von Minesterialen verwaltet, aus der Minesterialität der 1144 ausgestorbenen Grafen von Northeim.

1176 kam es zu einem Bruch mit Kaiser Friedrich Barbarossa, da Heinrich sich weigerte, den Kaiser auf einen Feldzug gegen Oberitalien zu unterstützen. Es kam in der Folge immer wieder zu Kämpfen mit Fürsten, die sich gegen Heinrich wandten. 1178 und 1180 wurde Heinrich auf Hoftagen verurteilt, abgesetzt und das Fürstentum Sachsen aufgeteilt. 1180 griff das Reichsheer Heinrich den Löwen an und belagerte die Burg Lichtenberg, nachdem Heinrich im Frühjahr die Bergwerksanlagen in Goslar zerstört hatte. In der Folge wurde er immer mehr isoliert, unterwarf sich schließlich 1181 auf dem Hoftag in Erfurt Friedrich Barbarossa und musste in der Folge Sachsen verlassen. Er ging ins Exil zu seinen Schwiegervater an den englischen Königshof (nach Scheidung war er zwischenzeitlich mit Mathilde von England verheiratet) und kehrte 1185 nach Braunschweig zurück. 1189 verließ er erneut Braunschweig nach seiner Weigerung, an Kreuzzügen des Kaisers teilzunehmen. Es folgten weitere Auseinandersetzungen mit der sächsischen Fürstenkoalition.

1194 kam es zur Versöhnung mit Kaiser Heinrich VI. bei einem geplanten Treffen in Saalfeld. Auf dem Weg dorthin stürzte Heinrich vom Pferd und verletzte sich schwer am Schienbein. Er wurde ins Kloster Walkenried gebracht und dort behandelt. Das Treffen fand schließlich in der Pfalz Tilleda statt. Am 06. August 1195 starb Heinrich in Braunschweig. Seine Herrschaft war zerfallen. Unter dem Einfluss seiner Söhne entstand 1235 das Herzogtum Braunschweig.

Die Besucher waren sich einig, dass der Vortrag nur an der Oberfläche der sehr umfangreichen Geschichte zu Heinrich dem Löwen kratzen konnte. In der folgenden Aussprache ging Frau Dr. Pischke kompetent auf die zahlreichen Fragen der Besucher ein. Manfred Kirchner vom Förderverein Schloss Herzberg bedankte sich für den sehr informativen Vortrag von Frau Dr. Pischke und freute sich über die Zusage zu weiteren interessanten Vorträgen zu geschichtlichen Themen unserer Region.


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