Geschrieben von PM Förderverein Schloss Herzberg e.V. am 28. Juli 2023
Eine Familie, die von Herzberg aus europäische Geschichte mitgestaltete
Schlossvortrag von Professor Biegel
Der Förderverein Schloss Herzberg konnte im Rittersaal des Schlosses zahlreiche Gäste und einen gut aufgelegten Referenten Professor Biegel aus Braunschweig zu den Herzberger Schlossvorträgen begrüßen. Unter der Überschrift „In Herzberg geboren…“ stellte der Professor die Familie von Georg von Calenberg und seiner Frau Anna Eleonore vor. Dabei stellte er heraus, dass Georg in Herzberg während seiner Herrschaft ab 1617 wesentliche Grundsteine für den Aufstieg der Welfen nach mehreren Jahrhunderten des Niedergangs legte und damit auch einen Teil europäischer Geschichte mitgestaltete. Dann ging er auf die Geschichten zu den neu zugegangenen Bildern von den „Herzberger Brüdern“ sowie von Sophia von der Pfalz, der Gattin von Ernst August, die ehemals im Rittersaal des Leineschlosses hingen, ein. Die Bilder sind eine Dauerleihgaben der VGH Hannover und seit einigen Tagen im Rittersaal des Schlosses Herzberg zu sehen.
Herzog Christian Ludwig, ältester Sohn von Georg, regierte seit 1641 bis zu seinem Tod 1665 von Hannover im Fürstentum Calenberg und später von Celle aus im Fürstentum Lüneburg. Er zeichnete sich durch seine Friedenspolitik aus und beendete für sein Fürstentum den 30-jährigen Krieg bereits 1641. In Herzberg sind starke Spuren seines Wirkens noch heute zu sehen, denn er führte Schloss Herzberg als Nebenresidenz zu neuem Glanz und ließ den Uhrenturm und den Sieberflügel erbauen.
Georg Wilhelm, zweitältester Sohn von Georg und Anna Eleonore, übernahm nach einer kurzen Herrschaft in Hannover nach dem Tod von Christian Ludwig das Fürstentum Lüneburg, wechselte nach Celle und ging in die Geschichte als „Heidefürst“ ein. Ihm wurde seine Vorliebe für den Karneval in Venedig nachgesagt. Georg Wilhelm war es auch, der in die Geschichte mit dem sogenannten „Brauttausch“ einging, indem er seine Verlobte Sofie, die ebenfalls als Gemälde im Schloss zu sehen ist, seinem Bruder Ernst August „überließ“.
Mit dem Wechsel von Georg Wilhelm nach Celle war der Weg frei für Johann Friedrich, die Herrschaft in Hannover zu übernehmen. Auch Johann Friedrich baute im Schloss Herzberg und ließ nach einem Brand den „Neuen Flügel“ wieder herrichten. Er war als Regent in der Familie umstritten, wechselte er doch von der protestantischen Konfession in die katholische. Er strebte eine absolutistische Herrschaft nach dem Vorbild Ludwig XIV. an und ließ zum Besipiel die Herrenhäuser Gärten anlegen.
Ernst August, der jüngste der Herzberger Brüder, war es schließlich, der dem Fürstentum Calenberg nach der Vereinigung mit dem Fürstentum Lüneburg deutlich mehr Gehör im Kreise der deutschen Fürsten verschaffte und den Weg zum Kurfürstentum ebnete. Dabei griff er auch militärisch in die Türkenkriege sowie in den Spanischen Erbfolgekrieg ein. Gegen den Willen einiger seiner Söhne setzte er die Primogenitur, das alleinige Erbrecht des ältesten Sohnes, durch. Seine Gattin Sophia, Enkelin des Königs Jacob I. von England, war in der Erbfolge durch den „Act of Settlement“ designierte Thronfolgerin der britischen Monarchie, verstarb jedoch kurz vor der anstehenden Thronfolge, so dass ihr ältester Sohn Georg Wilhelm als König Georg I. 1714 den englischen Thron bestieg.
Es zeigte sich auch bei diesem Vortrag wieder, dass die Wege, die die Herzberger Brüder und ihre Schwester Sophie Amalie, durch Heirat Königin von Dänemark, sehr unterschiedlich und oft kompliziert und nicht einfach zu erklären waren. Am Schluss zog Professor Biegel ein durchaus positives Fazit zu den neuen Bildern im Rittersaal, den man jetzt wohl auch Füstensaal nennen könne. Mit den Bildern sei ein neuer Glanz in Schloss Herzberg gekommen, der weit über das Schloss hinaus strahle, ein Diamant, den man allerdings noch ein wenig schleifen und so noch mehr Ausstrahlung geben sollte.
