Geschrieben von Rolf Steinke am 05. Juni 2024
"Schau mal Mutti, dieses Geschäft nimmt auch an Kelly-Insel teil"
Schon in der Grundschule werden Kinder für mögliche Gefahren sensibilisiert



Es ist ein Projekt, das auf einem tragischen Ereignis beruht: In einem Ort in Deutschland wurde ein sechsjähriges Mädchen entführt und Opfer einer grausamen Sexualstraftat. Zahlreiche Menschen wurden durch diese Tat in ihrem Sicherheitsgefühl erschüttert und für die Notwendigkeit einer wirksamen kommunalen Kriminalprävention sensibilisiert.
Altkreis Osterode beteiligt sich am Kelly-Insel Projekt
Für LauterNEUES mailte Volker Hahn, ehemaliger Präventionsbeauftragter der Polizei, wie sich das Projekt im Altkreis Osterode entwickelt hat. "Erste Bestrebungen für eine Etablierung des Kelly-Insel Projekts im Altkreis Osterode gab es schon vor Corona und wurden auf Initiative des Landkreises Göttingen in Kooperation mit dem damaligen Präventionsbeauftragten der Polizei, Volker Hahn, in Angriff genommen. Nach der Pandemie wurden die Bestrebungen wieder aktiviert und eine Gemeinde für einen Projektstart gesucht. Ideal schien die Gemeinde Hattorf zu sein. Die dortige Kita und Grundschule waren begeistert und bereit, durch ihren Jugendpfleger die Schulungen der Kinder aktiv zu begleiten. Nachdem die Polizeikommissariate Bad Lauterberg und Osterode die notwendigen Kapazitäten geklärt hatten, konnten die Kontaktbeamten Herman Klapprodt und Marco Wode das Projekt Kelly-Insel starten. Schnell meldeten Grundschulen ihr Interesse am Projekt an."
Sichere Anlaufstellen für Kinder, die Hilfe benötigen
Marco Wode vom Polizeikommissariat Osterode mailte LauterNEUES, dass es inzwischen 52 Kelly-Inseln in Osterode gibt, darunter Geschäfte, Grundschulen und Kitas. Bisher gab es keine Kenntnisse, ob ein Kind Hilfe benötigt hat. Vorträge in den Gundschulklassen gehören zur Prävention. Kelly-Inseln sind eine Maßnahme zur Vorsorge. Am Ende wäre es natürlich besser, wenn kein Kind jemals Hilfe in Anspruch nehmen müsste. Sollte dies aber trotzdem der Fall sein, sind die Kelly-Inseln da.
Schonmal ein Pflaster befestigt
Simone Kruse, die Inhaberin von Der Spielzeugladen in Osterode, nahm sich Zeit für ein Gespräch mit LauterNEUES. Sie erzählte, dass schon vor dem Kelly-Insel Projekt Kinder in ihr Geschäft kamen - mal bis der Bus fuhr, weil ihre Mutter nicht telefonisch zu erreichen war oder nach einem kleinen Sturz ein Pflaster aufgeklebt wurde. Für sie, bemerkte die Geschäftsinhaberin, war es keine Frage, sich Kelly anzuschließen. So auch Markus Funke, Inhaber des Musikhauses Funke. Er hatte das Kelly Insel Plakat zu hoch an der Eingangstür befestigt. Nach dem Hinweis eines Kunden mit einem Kind hängt es nun weiter unten, so dass es Kinder schneller erkennnen.
Kinder achten auf das Kelly-Insel Plakat
Die achtjährige Grundschülerin Marie (Name geändert) ist oft mit ihrer Mutter in der Stadt unterwegs. "Schau mal Mutti, dieses Geschäft nimmt auch an Kelly-Insel teil".