Geschrieben von ski am 05. September 2024
Wie das duftet: Backtag in Neuhof
Ein umtriebiger Verein hat mit dem Backhaus eine alte Tradition wiederbelebt






„Ulf, können die jetzt raus?“ - Ulf Hoffmeister öffnet die Klappe und schaut in den Ofen: „Ein, zwei Minuten noch!“ Seine Erfahrung verrät ihm, wann der beste Zeitpunkt ist, die Brote aus dem Holzofen zu holen. Am ersten Freitag des Monats zieht ein wunderbarer Duft durch Neuhof: dann wird im Backhaus Brot gebacken. Denn hier in dem Ortsteil von Bad Sachsa steht auf dem Sport- und Freizeitgelände Eichholz seit 2021 ein richtiges Backhaus, so ähnlich, wie es sie früher viele auf den Dörfern gab. Der Förderverein Kultur- und Heimatpflege Neuhof e.V. hat diese alte Tradition wiederbelebt. Mit europäischen LEADER-Mitteln gefördert, wurde das Backhaus neben der Köhlerhütte errichtet, die der Verein ebenfalls betreibt.
Seither wird der Holzofen einmal monatlich angeschürt. Während Mitglieder des Backteams die Brote aus dem Ofen holen, kommen nebenan die Kunden an den Tisch und halten natürlich auch ein kleines Schwätzchen bei der Bezahlung, man kennt sich ja im Dorfe. Der Vorsitzende des Kultur- und Heimatpflegevereins, Klaus Liebing, sitzt mit seiner Liste an der Kasse und hakt die Namen ab. Die Brote kosten fünf Euro pro Stück, sie gibt es nur auf Vorbestellung, und nur eines pro Familie - so groß ist die Nachfrage. Aber die Vereinsmitglieder, die alles auf ehrenamtlicher Basis machen, müssen diese Menge ja auch schaffen können, erklärt Ulf Hoffmeister. Er hat den Teig schon vier bis sechs Stunden vorher angesetzt, um ihn gären zu lassen – je nach Sorte manchmal auch schon am Vortag. In drei Runden werden an diesem Freitag etwa 90 Brote in verschiedenen Sorten gebacken. „Bei uns ist keine Chemie drin“, erklärt er. Hier gibt es nur beste Qualität – das Mehl wird aus der Bodemühle Bischofferode bezogen – und viel Liebe. Die Fachkenntnisse hat sich Hoffmeister bei Lehrgängen angeeignet, denn Brotbacken ist seine Leidenschaft. Aber es ist natürlich auch eine Teamarbeit: zwölf Köpfe umfasst das Backteam des Vereins.
Der Backtag erfüllte schon immer eine wichtige Funktion
Backhäuser gehörten früher fest zum Dorfbild, und in der Regel war einmal wöchentlich der Backtag. Selbst wer einen eigenen Ofen hatte, sparte durch das gemeinschaftliche Backen viel Holz ein. In manchen Regionen war es deswegen untersagt, einen eigenen Backofen zu besitzen – vielerorts auch wegen der Brandgefahr. Die gemeinschaftlichen Backhäuser wurden deshalb oft etwas außerhalb oder zumindest nicht in unmittelbarer Nähe anderer Gebäude errichtet. Wer damals in welcher Reihenfolge backen durfte, war übrigens genau festgelegt, denn am Anfang war das Backen durch den sehr heißen und am Ende des Backtags durch den bereits abgekühlten Ofen schwieriger. Der Backtag erfüllte aber auch eine wichtige soziale Funktion: dort traf man sich, saß zusammen und tauschte Neuigkeiten aus – ganz so, wie es die Neuhofer auch heute noch tun.
Ein äußerst aktiver Verein mit vielen Projekten
Aber der Neuhofer Förderverein hat nicht nur das Backhaus auf die Beine gestellt, sondern kümmert sich um sehr viel mehr: er hat auch 2020 eine neue Köhlerhütte aufgestellt, also einen Nachbau der ursprünglichen Unterkünfte der Harzer Köhler. Die erste war 2019 durch Brandstiftung vernichtet worden. Sie ist ein beliebtes Ziel für Kindergartenausflüge und Jugendgruppen und kann auch für Geburtstagsfeiern und ähnliches angemietet werden. Hier finden bis zu 35 Personen Platz und können feiern und grillen. Direkt daneben befinden sich das Dorfgemeinschaftshaus, der Spielplatz, der Sportplatz – und die wunderbare Natur rund um Neuhof, das am Karstwanderweg, am Harzer Grenzweg und am Grünen Band liegt. Der rührige Förderverein Kultur- und Heimatpflege Neuhof pflegt dabei nicht nur über 40 Kilometer Wegenetz, sondern auch 30 Bänke und sechs Wanderhütten. Die Vereinsmitglieder haben außerdem einen Baumlehrpfad und mehrere Denkmäler errichtet, und führen im von ihnen wieder aufegbauten historischen Gipsbrennofen gelegentlich Gipsbrände wie früher durch. Und neben einer Wandergruppe gibt es auch noch einen Chor. Etwa 300 Mitglieder hat der Neuhofer Verein, so der Vorsitzende Klaus Liebing – dabei hat das Dorf nur etwa 650 Einwohner. Und der umtriebige Verein hat schon neue Pläne, wie der Vorsitzende verrät: für künftige Musikveranstaltungen ist eine überdachte Bühne angedacht.
Besonderer Backtag am 07. September
Im September wird übrigens ausnahmsweise nicht am ersten Freitag, sondern am Samstag gebacken: am 07.09. findet eine besondere Aktion statt, und es wird nicht nur Brot, sondern auch Brezeln und Flammkuchen geben, ganz frisch aus dem Backhaus. Zum Flammkuchen passt natürlich auch ein Federweißer – ab ca. 14 Uhr geht es los. Eine wunderbare Gelegenheit, den Ort Neuhof, das Backhaus und das nette Vereinsteam kennenzulernen!