Geschrieben von Rolf Steinke am 16. Oktober 2024
Schachtrupp-Villa, Aloha, historisches Rathaus, Eselstreiberstatue und Ritterhaus-Museum
Die ehemalige Kreisstadt Osterode ist trotz vieler Geschäftsleerstände einen Besuch wert
In den letzten Jahren sind viele bemerkenswerte Änderungen in der Struktur vieler Städte im ehemaligen Landkreis Osterode zu bemerken. Viele Geschäfte, die schon Jahrzehnte die Stadt belebt haben, verschwinden einfach, auch in Osterode. So schloss vor einigen Wochen die Bäckerei Banse ihre Türen und auch ein Geschäft für Zeitschriften am Marktplatz. Über den Auszug von Woolworth in der Stadt wurde in der regionalen Presse umfassend berichtet.
Stadt im Umbruch
Osterode hat mit den Firmen Sigma Christ, Piller, Kodak, Kunststoff Fröhlich und den Harz Weser Werkstätten sehr bedeutende Industrieunternehmen in der Stadt, die hunderte Mitarbeiter beschäftigen. Anscheinend ist die Innenstadt aber für viele der Angestellten nicht mehr attraktiv zum Einkaufen. So einfach gestaltet sich das Einkaufen dann aber nicht: Herkules ist etwa außerhalb in Dreilinden, Lidl und Obi schon etwas abseits und Kaufland und Expert Teichert mehr als abseits der Innenstadt.
Rundgang durch die ehemalige Kreisstadt
Es sind ausreichend Parkplätze rund um die Innenstadt vorhanden - einige davon sogar kostenlos, etwa an der Bleichestelle, oder mit einer Parkscheibe für kurze Einkäufe. Der Marktplatz ist der Mittelpunkt der Stadt. Rund um ihn gibt es noch einige Geschäfte, aber in den Nebengassen sieht es da schon anders aus: Zahlreiche leere Geschäfte. Aber in diesem Bericht kann nicht geklärt werden, warum es diese Entwicklung gibt, denn andere Städte im alten Landkreis haben noch größere Leerstände.
Der Turm der St. Aegidien Marktkirche ragt hoch hinaus, vor dem ehemaligen Rathaus steht die Eseltreiber-Statue und erinnert an die Zunft der Eseltreiber, die Nahrungsmittel in den Oberharz lieferten. Das Thörmersche Haus ist über 475 Jahre alt, wobei sich ein Verein für die Erhaltung einsetzt. Die Touristinformation bfindet sich an der restaurierten Stadtmauer. Imposant ist das Kornmagazin, das heute das Rathaus der Stadt beherbergt.
Gemächlich fließt die Söse in ihrem breiten Flussbett an der Innenstadt vorbei. Am Rollberg stehen viele Geschäfte leer. Beeindruckend ist die Fachwerkfassade des Ritterhausmuseums. Die Ratswaage hat eine jahrhundertlange wechselhafte Geschichte hinter sich. Es ist schon erstaunlich, über wie viele Fachwerkhäuser Osterode verfügt, die meisten in einem guten Zustand. Auch liegt relativ wenig Müll herum und Graffitis sind selten.
Eigentlich eine lebendige Stadt
Die Stadthalle bietet das ganze Jahr Veranstaltungen jeglicher Art an, so auch Vorstellungen mit bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern. Das Oldtimertreffen Otto und das Beachvolleyballturnier der Vereine auf dem Marktplatz, der Harzer Hexentrail, der wöchentliche Markttag auf dem Marktplatz und viele weitere Veranstaltungen versuchen die Innenstadt weiter zu beleben.
Der Autor dieses Berichtes ist in seinen Jugendjahren einige Jahre von Windhausen nach Osterode mit dem Zug über Gittelde zum Besuch des Gymnasiums gefahren. Recht voll waren damals die Züge, denn 1962 gab es nur wenige Autobesitzer. Nach dem Schulende gab es noch bis zur Rückfahrt Zeit für einen Stadtbummel. Für ein Landkind waren die unterschiedlichen und zahlreichen Geschäfte auf dem Marktplatz und in den Nebengassen sehr erlebnisreich. Obwohl es noch wenige Autobesitzer gab, wurde für einen Einkauf direkt auf dem Marktplatz geparkt.
Wurde der Zug verpasst, stand man an der Ortsausgangsstraße und versuchte, per Anhalter zu fahren. Einmal hielt ein recht großes Auto an, und der Besitzer fragte, wohin es gehen sollte. Die Antwort blieb bis heute im Gedächtnis, denn für so eine kurze Fahrt, so der Autofahrer, bremse ich nicht nochmal und fuhr davon...