Geschrieben von Rolf Steinke am 10. November 2024
Als der Fluss Ecker die Grenze zwischen der DDR und der BRD war
Einwohner und Gäste feiern in Eckertal und Stapelburg 35 Jahre Grenzöffnung
An vielen Orten in Deutschland gibt es am 9. November Veranstaltungen über den Wegfall der Berliner Mauer und die Beseitigung der Grenzbefestigungen zwischen der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik. So wurde auch in Eckertal und Stapelburg an die Grenzöffnung am 9. November gedacht, doch erst am 11. November 1989 wurden hier die Grenzbefestigungen entfernt.
Grenzöffnung überrascht
Zufällig traf der Berichterstatter dieses Artikels ein Ehepaar, das mit seinem E-Bike aus Ilsenburg angeradelt kam. Gern nahm sich das Ehepaar Marita und Hardi Münzberg Zeit für ein Gespräch mit LauterNEUES. Erst am 12. November 1989 radelten sie von Ilsenburg um 5 Uhr morgens mit ihren zwei Kindern nach Stapelburg. Sie erzählten, dass sich hunderte Trabis und unzählige Fußgänger in Richtung Bad Harzburg begaben. Über die Ecker wurden Bretter gelegt, um eine Durchfahrt zu ermöglichen. Hier war das Fahrrad hilfreich und sie kamen gut voran. Dort wurden sie in Bad Harzburg sehr freundlich begrüßt und bekamen auch ihr Begrüßungsgeld.
In einer Drogerie, berichtet die Ehefrau, kaufte sie vom Begrüßungsgeld ihrer zehnjährigen Tochter eine Zopfspange. Ein besonderes Einkaufserlebnis schildert Marita: Als sie sich ein besonderes Stück Käse kaufen wollte, riet ihr eine einheimische Frau: "Das ist viel zu teuer!" Sie kaufte den Käse dennoch. Insgesamt äußert sich das Ehepaar sehr zufrieden über die Wiedervereinigung. Auch nach der Wende fanden sie weiter Arbeit und ihre beiden Kinder auch. Auch beschrieb sie, dass ihre Eltern sehr bewegt über die Grenzöffnung waren.
Erinnern, mahnen und Freiheit erhalten
Auch hier gab es bei der Feier eine zufällige Begegnung mit einem sehr prominenten Zeitzeugen. Der ehemalige Bundesgrenzschutzbeamte Lothar Engler, der in Goslar diente, nahm sich ebenfalls Zeit für ein Gespräch mit LauterNEUES. Am 11. November wurde seine Pioniereinheit von Goslar Richtung Grenze Eckertal gerufen. Dort, so der langjährige Bundesgrenzschutzbeamte, traf er auf, so sein Empfinden nach 35 Jahren, viele Menschen, die eine friedliche und freundliche Stimmung ausstrahlten. Obwohl sich die BGS-Abordnung auf dem DDR-Gebiet befand, griffen die Grenzer der DDR nicht ein. Aus Sicht von Engler waren sie sichtlich von der Lage völlig überrascht. Auch den persönlichen Kontakt vermieden die Grenzer aus der noch bestehenden DDR.
Um die Erinnerung an diese friedliche Revolution zu bewahren, gibt es aufgrund der Anregung eines Museumsleiters aus Abbenrode seit 11 Jahren regelmäßig ein gemeinsames Treffen ehemaliger BGS-Beschäftigter mit Zöllnern und Grenztruppenangehörigen. So half auch Engler bei der Beschilderung der Infotafeln an der ehemaligen Grenze. In Schulen werden regelmäßig zur Geschichte der Grenzöffnung Vorträge gehalten, um die Erinnerung an die einmalige friedliche Wiedervereinigung vor 35 Jahren nicht in Vergessenheit zu bringen, betont der immer noch sichtlich bewegte ehemalige BGS-Beamte Lothar Engler im Gespräch mit LauterNEUES.
Gedenktafel, Gottesdienst und Informationen
Sehr umfangreich konnten sich die Besucher an diversen Infotafeln über die Grenzöffnung informieren. Vorträge und ein Gottesdienst konnten besucht werden. Zahlreiche Informationsstände waren vorhanden. Ein Denkmal zeigt im oberen Bereich einen Händedruck. Besonders der Bunker, in dem die Einsatztruppen der DDR immer einsatzbereit waren, ist eine Besonderheit, die sehr viel Aufmerksamkeit erfuhr. In einem Zelt besagt ein Zitat vom damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher sehr zutreffend “ Keine Macht der Welt kann Menschenwürde und Freiheit auf Dauer stoppen“.
Erinnerungen an den Standort
Eigentlich ist es nur ein weiterer Zufall: In seiner Jugend stand der Autor dieses Artikels an den Grenzschutzanlagen und blickte von der Westseite in die Ostseite. Wer hätte jemals gedacht, dass diese Grenzschutzanlagen einmal der Vergangenheit angehören würden und eine Wiedervereinigung friedlich verlaufen wird? In allen geführten Gesprächen mit LauterNEUES hätte keiner an die Öffnung der Grenze gedacht.