Geschrieben von PM BI für Osterode / PM Stadt Osterode am 11. Januar 2017
Wie geht es weiter mit dem kinderärztlichen Notdienst?
BI Für Osterode lädt am 14. Januar 2017 zum Gespräch in Bad Lauterberg ein – Erste Erkenntnisse hat bereits eine Runde beim Osteroder Bürgermeister gebracht
Der kinderärztliche Notdienst im Altkreis Osterode am Harz steht auf der Kippe. Kann er doch irgendwie erhalten werden? Alle, denen der Kindernotdienst im Altkreis am Herzen liegt, lädt die BI Für Osterode am Samstag, dem 14. Januar 2017, um 17 Uhr ins Bad Lauterberger Hotel Riemann ein. Dort soll nach praktischen Kompromisslösungen für die Weiterführung eines, möglicherweise auch reduzierten, Bereitschaftsdienstes vor Ort gesucht werden. Mit dabei: der Geschäftsführer der Geschäftsstelle Göttingen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) Harald Jeschonnek, die Kinderärztin Ute Leib aus Bad Lauterberg sowie die Kinderärzte Dr. Webel und Dr. Sami. Sein Kommen angekündigt hat auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne (CDU / Wahlkreis Goslar-Northeim-Osterode). Eingeladen hat die BI Für Osterode zudem den ersten stellvertretenden Landrat des Landkreises Göttingen, Dr. Andreas Philippi (SPD).
„Schlicht zu wenige niedergelassene Ärzte“
Vor einigen Tagen hatte es bereits eine ähnlich besetzte Runde zum Thema beim Osteroder Bürgermeister Klaus Becker gegeben. Für Becker muss das Ziel sein, auch außerhalb der ärztlichen Sprechzeiten eine angemessene Versorgung erkrankter Kinder sicherzustellen. Eine 45-minütige Fahrt ins 40 Kilometer entfernte Göttingen mit einem fiebrigen oder vor Schmerzen schreienden Kind stelle eine schwierige Ausnahmesituation für die Eltern dar.
Harald Jeschonnek erläuterte den Hintergrund der zum 1. Januar kommenden Jahres geplanten Änderung. Er hob zunächst hervor, dass es keinerlei Zusammenhang mit der Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode gebe. Handlungsbedarf gebe es schon seit Jahren. Die KVN sei von politischen Entscheidungen wie der Fusion unabhängig, insoweit sei die zeitliche Nähe zwischen Fusion und der geplanten Verlagerung des Bereitschaftsdienstes nach Göttingen eher zufällig.
Die KVN habe den gesetzlichen Auftrag, die kassenärztliche Versorgung einschließlich des Bereitschaftsdienstes auf Dauer sicherzustellen. Dies werde bei der geringer werdenden Zahl niedergelassener Kinderärzte im ländlichen Bereich zunehmend schwieriger, nicht nur in Südniedersachsen. „Ärzte sind ein knappes Gut“, so Jeschonnek: „Es müssen erst mal Ärzte gefunden werden, die sich im ländlichen Bereich niederlassen wollen.“ Einer der Gründe für die Zurückhaltung sei der Bereitschaftsdienst, der es erschwere, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Die Vertreterversammlung der KVN habe daher festgelegt, dass kein Arzt mehr als vier Bereitschaftsdienste im Quartal übernehmen solle. Weiteres Kriterium sei das Vorhandensein einer Kinderklinik, um dort eine eventuell erforderliche stationäre Betreuung vornehmen zu können.
Kinderarzt Martin Webel bestätigte, dass die Bemühungen um den Bereitschaftsdienst schon länger währen und hatte eine überraschende Information: „Wir haben etwa eineinhalb Jahre daran gearbeitet, die geplante Lösung hinzubekommen – sie ist derzeit die einzige Möglichkeit, überhaupt einen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst aufrecht zu erhalten.“ Es seien schlicht zu wenige niedergelassene Ärzte vorhanden. Harald Jeschonnek bestätigte, dass die Alternative der komplette Wegfall dieses Dienstes sei – ein Szenario, das die Elternvertreterinnen und den Verwaltungschef verblüffte und das sie sich nicht vorstellen mögen. Auch die Kinderärzte, so Martin Webel, wünschten sich eine Lösung, die die Attraktivität der Stadt und des Altkreises für junge Familien und Urlauber mit Kindern erhält.
Eltern und Bürgermeister wollen KVN umstimmen
Aus Elternsicht stellen sich neben der verständlichen Sorge um die Versorgung auch rein praktische Probleme. So setze die Fahrt nach Göttingen zunächst mal Mobilität voraus. Müsse ein Krankenwagen in Anspruch genommen werden, binde dies Kapazität, die dann vor Ort fehle. Und wenn mehrere Kinder vorhanden seien, müsse zudem die Versorgung der anderen sichergestellt werden, was auch schwierig werden könne: „Es geht hier locker um mehrere Stunden“, gab Juliane Bödeker vom Stadtelternrat der Osteroder Kindergärten zu bedenken.
Eltern und Bürgermeister setzen darauf, eine Änderung der Entscheidung der Vertreterversammlung zu bewirken. „Es ist für mich eine weitere neue Erkenntnis, dass die Kinderärzte für die neue Lösung gekämpft haben“, stellt Becker fest und wies darauf hin, dass „wir aufpassen müssen, die jetzt gefundene Lösung nicht noch nachträglich einzureißen und dann überhaupt keine kinderärztliche Bereitschaft mehr zu haben.“ Er will mit den Eltern jedoch weiter auf eine wohnortnahe Versorgung hinwirken. Die Einwirkungsmöglichkeiten auf die unabhängige KVN seien zwar gering, politische Unterstützung könne aber helfen. In einem nächsten Schritt will er Kontakt mit dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung aufnehmen.
BI Für Osterode: „Da geht was“
Die BI Für Osterode freut sich über dieses konstruktiv verlaufene Gespräch beim Osteroder Bürgermeister. BI-Vorsitzender Bernd Hausmann: „Da geht offensichtlich was. Das finden wir gut. Wobei natürlich zu fragen wäre, welches Verhandlungsmandat Herr Becker als Osteroder Bürgermeister hat. Wir brauchen ja eine Lösung für den ganzen Altkreis, vor allem auch für den Südharz.“ Die BI Für Osterode sieht als „disponible und diskutable Stellschrauben“ die Bereitschaftsdienstzeiten unter der Woche und am Wochenende sowie die Zahl der vergüteten Bereitschaftsdienste pro Kinderarzt und Quartal.