Geschrieben von PM am 27. September 2017
Endometriose: Mehr als nur Unterleibsschmerzen
Der Tag der Endometriose rückt die Erkrankung in den Fokus
Die Endometriose ist die zweithäufigste Frauenkrankheit. Dennoch wird der gutartigen Erkrankung bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Tag der Endometriose am 29. September 2017 rückt die Erkrankung in den Fokus.
„Bei der Endometriose tritt Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist, im Unterleib auf und siedelt sich am Bauchfell, an den Eierstöcken und Eileitern, am Darm oder der Harnblase an“, erklärt Dr. med. Wolfram Franz, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe an der Helios Klinik Herzberg/Osterode. Oft unterliegt die Endometriose einem hormonbedingten Monatszyklus. „Die Herde können zyklisch wachsen und während der Regelblutung ebenfalls bluten. Weil aber das Blut und abgestoßenes Gewebe nicht ausgeschieden werden kann, kommt es häufig zu Entzündungen, Verwachsungen und Zysten.“ Die Symptome der Erkrankung sind sehr vielfältig, und können einzeln oder kombiniert auftreten. „Typisch sind Bauch- und Rückenbeschwerden vor und während der Regelblutung sowie eine unregelmäßige, sehr starke oder lange Regelblutung. Auch Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang können auftreten“, erklärt der erfahrene Gynäkologe. Zudem können Organfunktionen beeinträchtigt werden. Auch ungewollte Kinderlosigkeit kann auf Endometriose hindeuten.
Ursachen und Diagnostik
„Die Ursachen sind bisher noch unklar. Man geht davon aus, dass viele verschiedene Einflüsse in Betracht gezogen werden müssen“, so Dr. Franz. „Zudem gehen Schmerzen häufig mit dem weiblichen Zyklus einher, so dass sie mitunter falsch interpretiert und unterschätzt werden – von Ärzten, aber auch vom familiären Umfeld.“ Oft haben betroffene Frauen von den ersten Symptomen bis zur richtigen Diagnose einen langen Leidensweg hinter sich. Die Krankheit schränkt die Lebensqualität der Frauen meist erheblich ein. Auch die Partnerschaft kann darunter leiden.
Die Diagnostik einer Endometriose umfasst ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch über die Art und Dauer der Beschwerden sowie eine sorgfältige gynäkologische Tast- und Ultraschalluntersuchung. Um eine Endometriose im Bauchraum sicher zu diagnostizieren ist zudem eine operative Bauchspiegelung notwendig.
Therapie
Bei der Bauchspiegelung können Lage, Schweregrad und Wachstumstyp der Endometrioseherde und Endometriosezysten festgestellt werden. Sollte sich eine Endometriose bestätigen, kann direkt mit der Therapie begonnen werden: „Die sichtbaren und erreichbaren Endometrioseherde und –zysten werden entfernt. Auch Endometriose-bedingte Verwachsungen versuchen wir zu lösen. Manchmal ist das Ausmaß der Endometriose jedoch zu groß oder die Herde liegen an ungünstigen Stellen, so dass nicht alle Herde bei einem Eingriff entfernt werden können. Dann ist ein ausgedehnterer Eingriff über einen Bauchschnitt erforderlich. In schweren Fällen ist auch die Entfernung von Organen wie der Gebärmutter oder den Eierstöcken notwendig“, erklärt Dr. Franz. „Nach der Operation werden die weiteren Therapieoptionen, z.B. die Gabe von Hormonen und Schmerzmitteln, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Patientin zugeschnitten. Denn da die Krankheit chronisch ist, wachsen die Herde ohne Weiterbehandlung nach der Operation meist wieder“.
