Geschrieben von PM am 17. Mai 2013
Auwaldzecken im Naturpark Harz gefunden
Neue Zeckenart in Niedersachsen kann Infektionen auf Menschen übertragen
Erstmalig ist im Rahmen des Zeckenmonitorings im Herbst 2012 im Naturpark Harz die Buntzeckenart Dermacentor reticulatus (Auwaldzecke) gefunden worden. Darüber informiert nun das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA). Diese über den Mittelmeerraum eingewanderte Zeckenart war bisher nur in Süddeutschland (Baden-Württemberg) und Ostdeutschland (Berlin und Brandenburg) beschrieben. Dermacentor reticulatus kann wie auch Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) Infektionserreger auf den Menschen übertragen. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um die Erreger Francisella tularensis (Hasenpest), Rickettsien und Babesia spp. Die bisher in Niedersachsen gesammelten und untersuchten Dermacentor-Zecken waren im Nachweis auf FSME-Virus, Borrelien, Anaplasma ssp. und Babesia ssp. negativ.
Ab diesem Monat wird unter Mithilfe der Niedersächsischen Landesforsten das Zeckenmonitoring auf ganz Niedersachsen ausgeweitet. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Kartierung der vorgefundenen Zeckenarten sowie dem Nachweis von FSME-Viren und Borreliose-/Anaplasma-Bakterien, da diese das größte Krankheitspotential für den Menschen haben.
Wie in jedem Frühjahr beginnt mit steigenden Temperaturen wieder die Zeckensaison. Schon ab 8 Grad Celsius werden die zu den Spinnentieren gehörenden Zecken aktiv, deren Stich unter Umständen gefährliche Krankheiten übertragen kann, wie die Lyme-Borreliose oder die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Seit 2008 führt das Landesgesundheitsamt in ausgewählten Regionen Niedersachsens ein Zeckenmonitoring durch, um genauere Daten über das Vorhandensein der FSME-Viren, Borrelien und weiterer Krankheitserreger in Zecken zu erhalten. Des Weiteren soll ermittelt werden, ob neue Zeckenarten aufgrund der klimatischen Veränderung in Niedersachsen auftreten. In Deutschland zählt Ixodes ricinus zu den bekanntesten Vertretern der Zecken und ist Hauptüberträger für die genannten Krankheitserreger.
In den letzten fünf Jahren bis Herbst 2012 wurden knapp 9.000 Ixodes ricinus-Zecken im NLGA untersucht. Mit Borrelien waren bis zu 30 Prozent der Zeckenpopulation infiziert. In vier Zecken aus zwei Regionen Niedersachsens konnte auch das FSME-Virus nachgewiesen werden. Als weitere Infektionserreger konnten Anaplasma ssp. in bis zu 6 Prozent der Zecken detektiert werden.
Was tun gegen Zecken und ihre Stiche?
Unverändert bestehen bleiben die allgemeinen Zeckenschutzempfehlungen wie das Tragen geschlossener Kleidung, das Absuchen des Körpers nach Aufenthalten in Zeckengebieten, das frühzeitige Entfernen der Zecke sowie die Möglichkeit der Impfung gegen FSME. Trotz einiger Nachweise von FSME-infizierten Zecken ist Niedersachsen weiterhin kein offizielles FSME-Risikogebiet, so dass es keine generelle FSME-Impfemp¬fehlung für Niedersachsen gibt.
Weitere Informationen
Informationen zu FSME und Borreliose gibt es unter www.nlga.niedersachsen.de (externer Link) und beim Gesundheitsamt des Landkreises Osterode am Harz unter Telefon 05522 / 96 05 30.
