Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 20. Februar 2020
Vor einer noch nie dagewesenen Aufgabe
Klimawandel und Käferbefall machen auch der Forstgenossenschaft Barbis zu schaffen




Auf großes Interesse bei den Mitgliedern stieß die diesjährige Jahreshauptversammlung der Forstgenossenschaft Barbis – es fanden sich 54 Mitglieder im Saal der Gaststätte Dreymanns Mühle ein. Der 1. Vorsitzende Horst Winter begrüßte die Mitglieder und die Forstbeamten Ditmar Sohns (stellvertretender Leiter des Forstamtes Riefensbeek), Heiner Wendt (Betreuungsförster) und Rolf Hengst vom niedersächsischen Forstplanungsamt.
Die Protokolle der letzten beiden Versammlungen wurden durch Christoph Schlemm vorgetragen, Klaus Baumann erläuterte als Kassenwart die Ein- und Ausgaben, wobei durch die sinkenden Holzpreise weniger Einnahmen erwirtschaftet wurden. Aber die Genossenschaft ist finanziell immer noch gut aufgestellt. Die vom Kassenprüfer Markus Kluger beantragte Entlastung des Vorstandes wurde erteilt.
Horst Winter bedankte sich ausdrücklich bei den drei Forstbeamten für die geleistete Unterstützung. Auch lobte er die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe unter Leitung des Forstaufsehers Wolfgang Geisler, die insgesamt etwa 1.400 Arbeitsstunden für Neuanpflanzungen, Reparaturen, Pflegearbeiten und andere Arbeiten aufgewendet hatte. Die Arbeitsgruppe leiste einen großen Beitrag beim Waldumbau – es wurden insgesamt etwa 30.000 Pflanzen neu gesetzt, wozu auch ein Unternehmen mit im Einsatz war.
Dramatische Entwicklung in den letzten zwei Jahren
Winter beschrieb aber auch die dramatische Entwicklung in den letzten zwei Jahren, in denen fast der gesamte Fichtenbestand verloren ging. Der Preisverfall des Holzes bis hin zur Unverkäuflichkeit mancher Sorten stelle die Genossenschaft vor eine noch nie dagewesene Aufgabe. Eine der Hauptaufgaben in der Zukunft werde die Ausschöpfung von Fördermöglichkeiten sein, denn ohne diese seien die Folgen der Kahlschläge nicht zu bewältigen. Erste Gespräche dazu laufen bereits.
Der Holzeinschlag beim Laubholz beschränkt sich in diesem Jahr ausschließlich auf Brennholz, die Versammlung stimmte einer Erhöhung des Preises auf 20 Euro pro Raummeter zu. Weiter stimmte die Versammlung dem Vorschlag zu, dass beim Erwerb von Laubholz zusätzlich mindestens ein Drittel der Menge Fichtenholz dazu genommen werden muss. Der Vorsitzende betonte an dieser Stelle, dass auch Nichtmitglieder der Genossenschaft Fichtenholz erwerben können. Im letzten Jahr wurden aus den Beständen der Genossenschaft 4.220 Festmeter Käferfichte und 80 Festmeter Laubholz vermarktet.
Der Betreuungsförster Heiner Wendt lobte die Arbeit des Vorstandes und der Arbeitsgruppe und betonte die Wichtigkeit der Waldumwandlung, wie sie in Barbis schon betrieben wird. Er sprach auch von den Folgen der dramatischen Klimaveränderung, war aber zuversichtlich, dass der Wald sich wieder erholen wird. Auch die neuen Förderrichtlinien könnten einen Beitrag dazu leisten. Auch Ditmar Sohns sprach von dem Borkenkäfer-Drama, dem massiven Waldsterben in der gesamten Region und die dadurch entstandenen Probleme durch Überangebote und Preisverfall. „Der Holzmarkt ist und bleibt unter Druck“, so Sohns. Er betonte weiter, dass der Walderhalt und die Waldentwicklung eine volkswirtschaftliche Aufgabe sei.
Wahlen, Beschlüsse und Inventur
Die Vermarktung des Holzes wird künftig eine neu gegründete Gesellschaft übernehmen. Der Vorstand berichtete weiter, dass die Grundstücksangelegenheiten alle zufriedenstellend abgearbeitet wurden – die Versammlung beschloss, keine Ausschüttungen vorzunehmen. Vor den Wahlen überreichte Jürgen Hanelt dem sichtlich überraschten Horst Winter ein Präsent für dessen 30 Jahre langes Wirken im Vorstand der Forstgenossenschaft.
Der Wahlleiter Rüdiger Ziegenbein konnte dann zügig alle erforderlichen Vorstandswahlen durchführen. Im Amt bestätigt wurde einstimmig der 1. Vorsitzende Horst Winter. Jürgen Hanelt wurde mehrheitlich zum 2. Vorsitzenden gewählt. Christoph Schlemm bleibt (einstimmig) Schriftführer; ebenso im Amt bleibt der 2. stellvertretende Vorsitzende Steffen Fricke (mehrheitlich). Neuer stellvertretender Schriftführer wurde einstimmig Daniel Hartung; neue Kassenprüferin Manuela Golla.
Zum Ende der Versammlung präsentierte Rolf Hengst seine Ergebnisse der bestandsweisen Inventur in der Forstgenossenschaft Barbis, die alle zehn Jahre durchgeführt wird. Er beschrieb dabei detailliert den Ist-Stand der Bestände und deren Verfassung. Somit können nun weiterhin die notwendigen Maßnahmen und Planungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder vorangebracht werden. Nachdem auch der letzte Punkt der Tagesordnung abgearbeitet war, konnte Horst Winter nach über zwei Stunden die Versammlung beenden, ein Imbiss schloss sich an.