Geschrieben von Peter Bischof am 16. Mai 2020
Mit Kreativität, Geschick und Durchsetzungsvermögen
Dr. Astrid Laue-Savic ist die erste Frau auf dem Präsidentenstuhl des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz





Seit dem 1. Juli des vergangenen Jahres ist Dr. Astrid Laue-Savic Präsidentin des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz. Sie ist die erste Frau, die das jährlich wechselnde Amt des Präsidenten im Lauterberger Club ausübt. Sie war zudem im Jahr 2009 das erste weibliche Mitglied. „Ich habe mich im Club von Beginn an wohlgefühlt und hatte nie Probleme, die sich daraus ergeben hätten, dass ich eine Frau bin“, sagt die Bad Lauterberger Ärztin und Nuklearmedizinerin. „Allerdings habe ich auch nie nach solchen Problemen gesucht.“
Probleme mit weiblichen Mitgliedern hatte aber Rotary International sehr wohl. Einen ersten Antrag eines Clubs für die Aufnahme eines weiblichen Mitglieds gab es bereits 1950. Es dauerte bis zum Jahr 1989, bis der Gesetzgebende Rat von Rotary der Aufnahme von Frauen in die Clubs zustimmte. „Und das auch erst, nachdem zwei Jahre zuvor ein Gericht auf höchster Ebene die Aufnahme von Frauen angeordnet hatte“, weiß Dr. Astrid Laue-Savic. „Es ist schade, dass ein Gerichtsprozess nötig war und nicht allein die Tatsache reichte, dass seit den siebziger Jahren immer mehr Frauen berufliche Karrieren ähnlich der der Männer machten.“
Bad Lauterberger Club mit fünf weiblichen Mitgliedern
In Deutschland sind nach Zählungen aus dem letzten Jahr 11,6 Prozent der Clubmitglieder weiblich, weltweit immerhin 22,6 Prozent. Der Bad Lauterberger Club hat aktuell 47 Mitglieder, darunter fünf Frauen. Der Club ist 1983 gegründet worden. „Der Club war also erst sechs Jahre ,alt’, als von Rotary International entschieden wurde, dass Frauen auch Mitglieder werden dürfen. Der Club musste sozusagen erst ,erwachsen’ werden, bis auch Frauen aufgenommen wurden. 2009 wurde ich vorgeschlagen und aufgenommen. Die dann kommende Zeit hat den Grundstein für die Entscheidung gelegt, die Verantwortung für wichtige Posten zu übernehmen.“
So, wie sie unvoreingenommen in den Club eingetreten sei, habe sie 2018 auch selbstverständlich die Aufgabe des Sekretariats und schließlich im letzten Jahr die Präsidentschaft übernommen. „Ich habe mich vorbereitet und eingesetzt, um meine Aufgabe möglichst gut zu machen. Zudem möchte ich die Ziele des Clubs, aber auch Ziele von Rotary International verfolgen. Dabei ist es mir nicht darauf angekommen, zu betonen, dass ich eine Frau bin oder dass ich das eben auch als Frau kann – es geht mir da eher um die Aufgabe als solche.“
In kontaktarmer Zeit die Menschen verbinden
Das bestätigt auch der aktuelle Clubsekretär und nächste Clubpräsident Björn Gollée. „Was unsere Präsidentin anfasst, macht sie gründlich und äußerst gewissenhaft. Dabei verbindet sie in dieser kontaktarmen Zeit die Menschen, was ihr sehr wichtig ist."
Von ihrem großen Engagement zeugten zudem ihre Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen, darunter auch der Besuch des letztjährigen Rotary-Weltkongresses in Hamburg. „Genauso wie ihr privater und beruflicher Lebenslauf äußerst beeindruckend ist, so bringt sie sich auch als Präsidentin für die soziale Sache und den Club großartig ein“, so Björn Gollée weiter.
Von Beginn an großes Vertrauen gespürt
„Bei der Amtsübernahme im letzten Jahr habe ich gleich zu Beginn meiner Ansprache gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass mir der Club – also alle Mitglieder – das notwendige Vertrauen für die Führung und die Repräsentation entgegen bringen“, erinnert sich Dr. Laue-Savic. „Ich habe mich nicht getäuscht! Es gab im vergangenen Jahr keine Situation, in der ich mich streiten oder wehren musste oder in der ich mich nicht unterstützt gefühlt habe.“
Das Gegenteil sei der Fall gewesen. Wie selbstverständlich würden bestimmte Aufgaben von den Club-Freunden übernommen. Und die durchweg gute bis sehr gute Beteiligung bei den Meetings und vor allem bei den geselligen gemeinsamen Veranstaltungen zeige ihr doch eine gewisse Zufriedenheit im Club.
„Ob das nun nur so ist, weil ich eine Frau bin, ist sehr fraglich. Aber es lässt zumindest den Rückschluss zu, dass die Präsidentschaft einer Frau nicht zwingend bedeutet, dass es kein gutes Jahr wird. Ich bin davon überzeugt, dass es auf die einzelne Person ankommt, nicht auf ihr Geschlecht, die ihr rotarisches Jahr auf ihre persönliche Art durchführt und organisiert. Und ihm vielleicht auch einen persönlichen Charakterzug verleiht. Wie dieser persönliche Zug im Club ankommt, ist natürlich grundsätzlich ungewiss.“
Stets gutgelaunt im Dienst der Sache
„Sie stellt sich ganz in den Dienst der Sache und ist dabei stets gut gelaunt“, sagt Hinrich Bangemann über sie. Vor der Übernahme der Präsidentschaft war Dr. Laue-Savic Clubsekretärin und arbeitete in dieser Funktion mit dem letztjährigen Präsidenten Bangemann zusammen. Rückblickend hat er nur Lob für die Zusammenarbeit: „Astrid war als Sekretärin eine große Unterstützung, absolut zuverlässig, hohe Einsatzbereitschaft und Kreativität. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit Astrid die Geschicke des Clubs zu lenken.“
Diese Einsatzbereitschaft und Kreativität legt Dr. Laue-Savic auch als Präsidentin an den Tag. „Ich glaube auch, dass es ein bisschen darauf ankommt, dass man nicht permanent darauf aufmerksam macht, dass man eine Aufgabe, die sonst Männer erledigen, auch als Frau bewältigen kann. Als emanzipierte Frau muss man erfreulicherweise in einer Gemeinschaft, die dies anerkennt, darüber nicht mehr diskutieren“, spricht die Clubpräsidentin ihren männlichen Mitgliedern ebenfalls ein Lob aus.
„Ich hatte nie Probleme, die sich daraus ergeben hätten, dass ich eine Frau bin.“ Dr. Astrid Laue-Savic, Präsidentin des Rotary-Clubs Südharz