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Dienstag, 20. Oktober 2026
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Geschrieben von Ingrid Günther, Osterhagen am 17. September 2021
Vereine und Verbände

Montanhistorie im schönen Luttertal

Harzklub und RV Wanderlust veranstalteten gemeinsame Fahrradtour

Mundloch an der ehemaligen Grube Wolkenhügel
Mundloch an der ehemaligen Grube Wolkenhügel
Die Teilnehmer vor dem Start
Die Teilnehmer vor dem Start
Bergmann Klaus begrüßt mit einem Ständchen
Bergmann Klaus begrüßt mit einem Ständchen
Gleich geht es los
Gleich geht es los
Klaus Wiedemann bedankt sich bei Uwe Steinkamm für die Erläuterungen
Klaus Wiedemann bedankt sich bei Uwe Steinkamm für die Erläuterungen
Unterwegs in der krummen Lutter
Unterwegs in der krummen Lutter
Picknick an der blauen Lagune
Picknick an der blauen Lagune
Luttertalstollen
Luttertalstollen

Im Rahmen der Festwoche „500 Jahre Berggeschrey und 200 Jahre Sebastian Kneipp“ stand am Samstag, 11. September 2021 eine Tour mit dem Fahrrad im Programm, um die Montanhistorie in den schönen Luttertälern zu erkunden.
Klaus Wiedemann, 1. Vorsitzender des Harzklubs Bad Lauterberg, begrüßte die 14 Teilnehmer mit einem herzlichen  „Glück auf“ und einem kleinen Ständchen auf der Mundharmonika. In seinen Begrüßungsworten betonte er, dass der Bergbau in Bad Lauterberg, besonders der Abbau von Schwerspat, einen hohen Stellenwert hatte und vielen Bergleuten, aber auch Fuhrleuten, Schmieden und Waldarbeitern,  Arbeit und Brot gegeben hatte. Vermutlich wurde im Harz bereits vor 3000 Jahren nach Erz geschürft. Am Rammelsberg in Goslar, im Oberharz, später auch im Ost- und Südharz entstanden im Mittelalter zahlreiche Bergwerke, um Silber und andere Erze abzubauen. Seit 2007 gibt es im Harz keinen Bergbau mehr. Offiziell ist der Harzer Bergbau 1039 Jahre alt geworden, da die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 968 stammt. Eine schwere Pestepidemie ließ um 1350 den Bergbau für mehr als 100 Jahre ruhen. 1521 wurde Bad Lauterberg die Bergfreiheit erteilt. Diese umfasste folgende Vorteile für die Bergleute: Steuerfreiheit, Befreiung von  Wehr- und Solddienst, Brennholzentnahme aus den Wäldern, ausgewiesene Weideflächen für das Vieh. Man versuchte damit nach der Pest neue Fachkräfte anzuwerben.

Zunächst ging es zum Werk der  Deutschen Baryt-Industrie in die Bahnhofstrasse. Die Baryt-Industrie ist ein Unternehmen der „Sachtleben Minerals“ mit Hauptsitz  in Hausach im Schwarzwald.  In  Bad Lauterberg wird ausschließlich  Schwerspat verarbeitet. Der Prokurist der Firma, Uwe Steinkamm, begrüßte die Gruppe und stellte in einer kurzen Präsentation, den Werdegang der Firma, begonnen beim Firmengründer, Dr. Alberti, die Verarbeitung und die Produkte vor. Bis 2007 erfolgte der Abbau des Schwerspats in der Grube „Wolkenhügel“ in der „Krummen Lutter“. Seit 1993 wird der Schwerspat vor allem aus China und Nordafrika dazugekauft, und über den Seeweg, dann per LKW nach Bad Lauterberg transportiert. Das Mineral wird unverändert in 18 verschiedene Produkte verarbeitet. 70 % der Produktion gehen in die Farben- und Lackindustrie.  Je nach Kundenwunsch wird das Material in unterschiedlichen Körnungen und Helligkeiten hergestellt. Die Deutsche Baryt-Industrie in Bad Lauterberg beschäftigt aktuell 30 Mitarbeiter und produziert jährlich 30.000 t Schwerspat-Produkte mit einem Jahresumsatz von € 15.000.000.

Nach diesen aufschlussreichen Ausführungen begann die Fahrradtour in das  Luttertal. Immer auf der unmerklich ansteigenden Straße in der „Krummen Lutter“ gab es von Klaus Wiedemann an den durch „Dennert-Tannen“ markierten Stellen interessante Erklärungen.
So erreichten wir die Schwerspatgrube „Hoher Trost“, in der von 1887 bis 1997 Schwerspat abgebaut wurde. Weiter ging es zum „Klingentaler Richtschacht“ (der Neuen Grube) und weiter zum „Krumme Lutter-Teich“, in welchem das  Wasser für die Grube aufgestaut wurde. Die Grube „Wolkenhügel“ war das letzte Ziel in der „Krummen Lutter“. Rund 27 t  war die letzte Ausbeute in dieser Grube. Damit war sie nach 169 Jahren Förderung restlos leergeräumt. Von hier aus führten bis 1973  die Schienen  der  Grubenbahn (Baryt-Bahn genannt)  mit der Lok „Helene“ , vorbei an der Grube „Hoher Trost“ bis nach Bad Lauterberg zum Baryt-Werk.
Talabwärts rollten die Fahrräder schnell bis zum Forstamt Kupferhütte, von wo es nach rechts in die „Grade Lutter“ ging. An der „Blauen Lagune“, einer Wassertretstelle mit einer kleinen Rasthütte,  wurde eine Picknick-Pause eingelegt. Es folgten weitere interessante Haltepunkte bergauf, wie der ehemalige „Kupferroser Teich“, der „Kupferhütter Stollen“,  eine Hinweistafel auf die „Knollengrube“  und die Kupfergrube „Frische Lutter“. 1824 kam der Kupferbergbau in unserer Region zum Erliegen. Bei der intensiven Suche nach Kupfervorkommen wurden damals reiche Vorkommen an Baryt  (Schwerspat) gefunden. Die Tour endete am Mundloch des „Rothäuser Stollen“,  an welchem 1691 erste belegbare Schürfversuche auf Kupfererze stattgefunden haben.
In den Stollen wurden häufig Pferde zum Transport der „Hunte“ (Fördergefässe) eingesetzt, so auch in den Lauterberger Gruben. Bevor die Wasserkunst im Bergbau Einzug hielt, um die Stollen trocken zu legen, war es nur möglich bis in Tiefen von 80 bis 100 m zu graben. Auch das erste Bergamt des Harzes hatte seinen Sitz in Bad Lauterberg.
Nun verabschiedete Klaus Wiedemann die Teilnehmer mit einem  „Glück Auf“ und einem Dank an Bernfried Saatze und Karl-Heinz Winter, die die Tour ausgearbeitet hatten. Eine wissenswerte, gute vorbereitete Fahrradtour fand somit ein Ende und hat mir – als Lauterbergerin – viele neue Erkenntnisse über meine Heimat vermittelt.

Ingrid Günther, Osterhagen


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