Geschrieben von Burkhard Schmidt, RK Bad Lauterberg am 06. Mai 2026
Reservisten besuchen die weltweit größte Bundeswehrapotheke und das Luftfahrtmuseum im Harz
Mitglieder der Reservistenkameradschaft Bad Lauterberg haben sich einen Überblick über das größte Versorgungs- und Instandsetzungszentrum des Sanitätswesens der Bundeswehr verschaffen können. Die Bundeswehr unterhält acht solcher Apotheken in Deutschland. Die Anlage bei Blankenburg gilt als die größte unterirdische Apotheke der Welt. Das Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial ist mit den rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die einzige Dienststelle der Bundeswehr im Harz.
Das Alleinstellungsmerkmal der Feldwebel Anton-Schmid-Kaserne, ist der Dienst in einer Untertageanlage. Diese umfasst eine Grundfläche von ca. 300 x 600 m, mit einem ca. neun Kilometer langen Tunnelsystem der als Lagerfläche genutzt wird.
Zu den 4000 fachgerecht eingelagerten Produkten gehören Arzneimitteln und Medizingerätschaften für den Sanitätsdienst der Bundeswehr, ferner werden Lagerflächen für Notfallprodukte der Bundesländer zur Verfügung gestellt. Nach langer und intensiver Vorbereitung durch den RK-Vorstand fuhr die zehnköpfige Exkursionsgruppe am Morgen aus dem Südharz in den Ostharz. Für den Nachmittag war dann noch der Besuch des Luftfahrmuseums in Wernigerode geplant.
Nach der Ankunft am Standort Blankenburg erhielten wir Besucher von zwei Bundeswehrfeuerwehr Bediensteten die Einweisung in die Benutzung eines Notfallrettungsgerätes welches jede Person die in den Berg geht, mitführen muss. Am Eingangstor zur Apotheke wurden wir von einem Logistik Offizier in Empfang genommen, der die Gruppe durch ebenerdige Tunnelsystem führte.
Die Anfänge der militärischen Nutzung liegen in der Zeit des Nationalsozialismus, als wichtige militärische Infrastruktur in unterirdische Bereiche verlegt wurde. Durch einen Zugang von oben wurde das aus Sandstein bestehende Regensteinmassiv auszuhöhlen der damalige Deckname: TURMALIN sollte für eine Produktionsstätte für U-Bootteile zu errichtet werden. Für die Arbeiten bediente man sich aus Zwangsarbeitern des KZ-Komplexes Mittelbau Dora / Nordhausen. Erst 30 Jahre nach Kriegsende entdeckte 1974 die NVA diese teilerrichtete Untertageanlage für sich und stellte die Anlage bis zum Jahr 1980 fertig. Zuvor wurde das Tunnelsystem für die Einlagerung von landwirtschaftlichen Produkten genutzt. Der Ausbau unter militärischen Gesichtspunkten erfolgte durch das Nordhäuser Unternehmen „Schachtbau Nordhausen“.
Die NVA nutzte die fertiggestellte Untertageanlage für das „Komplexlager-02“, welches den Auftrag hatte, die Folgeversorgung einer Division im Gefecht zu gewährleisten. Die Nähe zur innerdeutschen Grenze war vermutlich kein Zufall und ist ein deutliches Indiz für die offensive Ausrichtung der NVA. Einzelne Bereiche haben einen musealen Charakter, dazu gehören u.a. eine NVA- Leitstelle, eine riesige Telefonanlage die vermutlich zur Stasi gehörte, einen Unterkunftsbereich für ca. 220 Soldaten, diese ca. 4 x 4 Meter großen Räume waren mit zwei drei-stöckigen-Betten für 12 Soldaten in Wechselschichten vorgesehen. Nach der Wiedervereinigung wurde die Anlage als Zwischenlager für NVA-Gerät und als Depot für DDR-Banknoten genutzt welches zur Vernichtung eingelagert wurde.
Die Stromversorgung der unterirdischen Anlage wurde mit vier Dieselaggregaten mit je 347 kW Leistung sichergestellt. Die Eingänge wurden mit über 100 Tonnen schweren Eisentoren gesichert, die innerhalb von 8 Minuten verschlossen werden konnten, notfalls ist es auch möglich die Tore über Seilanlagen händisch zu verschließen. Nach einer fast dreistündigen und sachkundigen Tour unter Kunstlicht ging es der Sonne und dem nächsten Etappenziel dem Luftfahrtmuseum in Wernigerode entgegen.
Nach einer guten Stärkung in einem Wernigeröder Traditionsbrauhaus besuchte die Gruppe das Luftfahrmuseum. Der Rundgang durch das Museum begann bei Modellen der Flugpioniere, entlang von 100 Jahren Pilotenkapseln zur guten alten „Tante Ju“, ein dreimotoriges Verkehrs- und Transportflugzeug aus den Junkers Flugzeugwerken Dessau. Insgesamt sind 60 Flugzeuge und Hubschrauber u.a. auch BW-Luftfahrzeuge ein Phantom RF-4E, die G-91 von Fiat oder der Starfighter F-104G ausgestellt. Auf dem Dach des Museums ist eine Transportmaschine Transall C-160 ausgestellt.
Über die Eindrücke des Tages von der Versorgung von Medizinprodukten und der Arbeit der Soldaten unter Tage bis zu den spannenden Einblicken in die Technikgeschichte wurden die Tagesaktivitäten bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen nochmals rekapituliert.
