Geschrieben von Johanna Friedrich am 11. November 2015
Zeit ist Gehirn
Dr. med. Sylvia Menck hat bei der MS-Kontaktgruppe Südharz über neue Therapien und Entwicklungen bei der Behandlung der Multiplen Sklerose informiert
Bei der MS-Kontaktgruppe Südharz ist am Mittwoch (04.11.2015) Dr. med. Sylvia Menck mit einem Vortrag zu Gast gewesen. Die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie am Neurozentrum Barsinghausen bei Hannover informierte über neue Therapien und Entwicklungen bei der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS).
Menck, die nach sieben Jahren erstmals wieder beruflich im Harz war, gab ihren Zuhörerinnen und Zuhörern auch Empfehlungen und Tipps für eine beschwerdefreiere Einnahme von Medikamenten mit auf den Weg und ging nach ihrem Vortrag auf die Fragen der Zuhörerschaft ein. So fand etwa die Annahme Bestätigung, eine zusätzliche Vitamin-D-Einnahme unterstütze die Behandlung aufgrund der entzündungshemmenden Wirkung. Deutlich wurde der Wunsch nach mehr Information zum Thema in der Harzregion geäußert, dem die Fachärztin in Zukunft gerne nachkommen möchte.
Eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen
Die Multiple Sklerose ist eine chronische entzündliche Immunerkrankung des Gehirns und Rückenmarks. Sie betrifft vor allem junge Erwachsene und macht eine lebenslange medizinische Betreuung und Behandlung erforderlich. In Deutschland sind etwa 140.000 Patienten an MS erkrankt – es handelt sich damit um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, berichtete die Ärztin.
Ihre Ursache ist noch immer nicht hinreichend geklärt und sie weist einen individuell variablen Krankheitsverlauf auf. MS ist auch nicht heilbar. Aber seit Mitte der 1990er Jahre stehen immer mehr hochwirksame Medikamente zur Behandlung der Multiplen Sklerose zur Verfügung, durch die der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst und die Ausbildung von Behinderungen verzögert, im besten Falle verhindert werden kann.
Mobilität und Lebensqualität erhalten
Sylvia Menck betonte, wie wichtig und bedeutend die Frühtherapie sei. Auch sei bei klinisch und kernspintomographisch nachgewiesener Krankheitsaktivität eine Umstellung der Therapie erforderlich mit dem Ziel, Mobilität und Lebensqualität zu erhalten sowie die Ausbildung von bleibenden und fortschreitenden Behinderungen zu verhindern. In der Behandlung der Multiplen Sklerose gelte der Grundsatz „Zeit ist Gehirn“, denn was einmal verloren sei, könne nicht wieder aufgeholt werden, erklärte Menck.
Die Zulassung der neuen oralen MS-Medikamente in den vergangenen beiden Jahren sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer individualisierten Therapie gewesen. Nach Jahrzehnten der Behandlung mit Injektionen und Infusionen sei die neue „Tabletten-Therapie“ von vielen Patienten mit Ungeduld erwartet worden.
Diese neuen oralen Immuntherapien böten tatsächliche eine hohe Wirksamkeit, könnten aber auch schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Bevor eine Immuntherapie der Multiplen Sklerose eingeleitet werde, sei daher immer im Arzt-Patient-Gespräch eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko zu treffen.
Umfangreiches Sicherheitsmonitoring erforderlich
Die Anwendung der Medikamente erfordere dann ein umfangreiches Sicherheitsmonitoring, sprich eine Überwachung des Gesundheitszustandes mit laborgestützter Immundiagnostik und regelmäßigen kernspintomographischen Kontrolluntersuchungen, um schwerwiegende, zum Teil lebensbedrohliche Nebenwirkungen früh zu erkennen und damit behandeln zu können. „Die neuen Medikamente haben teilweise Nebenwirkungen, die man kennen und mit denen man umgehen können muss“, so die Fachärztin.
Indikationsstellung und Durchführung der risikoreichen hochspezifischen Therapien sollten daher nur in dafür ausgelegten Therapiezentren und durch erfahrene Behandler erfolgen. „Die Behandlung der Multiplen Sklerose mit ihren Möglichkeiten und Nebenwirkungen bleibt deshalb Chance und Herausforderung in einem“, schloss Sylvia Menck.
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