.

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung von LauterNEUES erklären Sie sich damit einverstanden.

Dienstag, 20. Oktober 2026
Login



Geschrieben von Walter Ziegler (GEW-Ortsverband Bad Lauterberg / Bad Sachsa) am 17. Februar 2016
Vereine und Verbände

„Armselige Planungen, die am Schulalltag vorbeigehen“

JHV des GEW-Ortsverbands Bad Lauterberg / Bad Sachsa kritisiert hohe Belastungen durch landespolitische und kommunale Entscheidungen

352.JPG

In der Jahreshauptversammlung des Ortsverbands Bad Lauterberg / Bad Sachsa der Bildungsgewerkschaft GEW, die am Dienstag (09.02.2016) im Bacchuskeller in Bartolfelde stattgefunden hat, konnte sich der Vorsitzende Frieder Berndt über ein volles Haus freuen. Nach den üblichen Regularien befasste sich die Versammlung mit aktuellen Themen. Vor dem Hintergrund, dass mehrere Versammlungsteilnehmer bereits im Ruhestand lebende Pädagogen sind, wurden sie von Lehrkräften über deren Dienst an den Schulen, über Entwicklungen, planerische und bürokratische Hemmnisse informiert.

Wer sich als Lehrerin oder Lehrer für das Vorankommen der Schulkinder beim Lernen und für eine angenehme Lernumgebung einsetze, habe es immer öfter und zu oft mit von außen auf die Schulen einwirkenden armseligen Planungen zu tun, die am Schulalltag vorbei gingen und diesen belasteten, berichteten Teilnehmer aus ihrem dienstlichen Alltag. Es sei oft kraftraubend, Missstände auszubaden im ständigen Bemühen, die Belastungen für die Kinder und Jugendlichen möglichst gering zu halten.

 

Was die Lehrkräfte vor Ort derzeit besonders belastet

Als belastende Faktoren wurden in der JHV des GEW-Ortsverbands unter anderem angesprochen:

1. Umsetzung des Inklusionsgedankens: Von Seiten des Landes werde mit zu geringem Personalansatz kalkuliert, zudem seien viel zu wenig Förderschullehrkräfte auf dem Markt, es sei also nicht ausreichend und nicht vorausschauend ausgebildet worden.

2. Unterricht in Deutsch als Zweitsprache: Es wurde in Zweifel gezogen, dass die Zahl nicht deutsch sprechender Schülerinnen und Schüler unvorhersehbar und überraschend anwachse. Dass kaum Zusatzlehrkräfte für zu uns kommende, nicht deutsch sprechende Kinder zur Verfügung gestellt werden, sei vom Land beziehungsweise seiner Landesschulbehörde zu verantworten. So würden Dezernenten der Landesschulbehörde selbst dann, wenn ein Anspruch auf die Einrichtung von Sprachlernklassen gegeben ist, von der Beantragung abraten, denn die Klassenbildung müsse versagt werden, weil das Land dafür keine Lehrkräfte in annähernd ausreichender Zahl zur Verfügung stelle. Zudem schreibe die Einwanderungsbehörde vielen Kindern Fantasie-Geburtsdaten in die Papiere, gehäuft den 1. Januar – mit der Folge, dass häufig tatsächlich noch im Kindergartenalter befindliche und dazu kein Deutsch sprechende Kinder deutlich verfrüht in die Schulen geschickt werden, woraus sich für die Kinder und die Grundschularbeit äußerst belastende Umstände ergäben.

3. Raummangel an der KGS Bad Lauterberg: Angesichts leer stehender anderer Schulgebäude sei es ein schwer erträglicher Zustand, dass die KGS mit mehreren Klassen ohne Klassenraum (sogenannte Wanderklassen) leben muss und zudem ihren Inklusionslehrkräften keine angemessenen Räumlichkeiten für die Förderung von Kindern mit Beeinträchtigungen und für das Bereitstellen von Fördermaterialien bieten kann.

4. Belastungen durch umfassende Baumaßnahmen an der Grundschule am Hausberg: Oftmals für Lehrkräfte und Schulleitung nicht vorab angekündigte, undurchschaubare Abläufe beim Schulumbau belasteten den Schulalltag ebenso wie spontane, in einzelnen Unterrichtsräumen und in den Fluren ganz erhebliche Staubbelastungen, wie sie etwa beim Umbau eines Bekleidungshauses niemals toleriert würden. Für die Belastungen durch Baumaßnahmen während des Schulbetriebs sowie für die nur spärlichen Informationen über nächste Bauschritte stünden die Stadtverwaltung und die Bauleitung in der Verantwortung. Lehrerschaft und Schulleitung bemühten sich nach Kräften, die Belastungen von den ihnen anvertrauten Kindern fernzuhalten.

 

Es wird immer schwerer, Schulleitungen zu finden

Letztlich war man sich in der JHV des GEW-Ortsverbands einig, dass als Folge des Sparens um jeden Preis und als Folge von oftmals wenig vorausschauenden schulbehördlichen, landespolitischen oder kommunalen Entscheidungen die Schulen und ihre Schulleitungen zunehmend die Leidtragenden seien, die sich Tag für Tag mühten, den auf ihnen lastenden Druck abzufedern. Dass die stetige Verschlechterung der Bedingungen nicht aus der Luft gegriffen sei, lasse sich untrüglich daraus ablesen, dass mittlerweile viele Schulleitungsstellen immer wieder von der Landesschulbehörde ausgeschrieben würden und nicht mehr dauerhaft durch freiwillige Bewerber besetzt werden könnten, so dass es in erheblichem Umfang zur kommissarischen Verpflichtung von Lehrkräften in Leitungsstellen durch die vorgesetzte Behörde komme.


.................................................................................................................................................

Bild der Woche