Geschrieben von Walter Ziegler (GEW) am 09. Juni 2016
„Schulbildung offenbar lästiger Kostenfaktor“
Stellungnahme des GEW-Ortsverbandes zum Ausklang des Schuljahres 2015/16
„Das zu Ende gehende Schuljahr war intensiv, über weite Strecken aufreibend und für engagiert im hiesigen Bildungsbereich Arbeitende ernüchternd wie selten“, so schätzt der Ortsverband Bad Lauterberg / Bad Sachsa der Bildungsgewerkschaft GEW die Lage in einer Pressemitteilung zum Schuljahresausklang ein. Der Vorstand kommentiert darin das Jahr mit spitzer Feder und kritisiert vor allem die Lokalpolitik, die für mangelhafte Rahmenbedingungen sorge. Den Lehrkräften dagegen bescheinigt er, daraus das Beste gemacht zu haben. Im Folgenden die Stellungnahme im Wortlaut:
Lehrerstellen verschenkt
„Die allgemein bildenden Schulen versuchten, nur spärlich unterstützt durch das Land Niedersachsen, die Inklusion voran zu bringen und behielten dabei nach Kräften das Wohl aller Kinder im Blick.
Allen Fensterreden über die Stärkung ländlicher Regionen und über die fulminante Bedeutung der kindlichen Bildung zum Trotz wird nun traurige Realität, dass die lokalen Entscheidungsträger die Schulbildung unserer Kinder offenbar nur noch als lästigen Kostenfaktor ansehen. Begründet mit einem Sparpaket, letztlich aber ohne Not und ohne Sachverstand, wird nach Bartolfelde im vorigen Jahr nunmehr in Barbis die nächste Grundschule zugesperrt, sofern kein verwaltungsgerichtlicher Riegel mehr vorgeschoben wird. Dabei wird eine Schule geschlossen, die so konzipiert ist, wie sich zukunftsorientierte Gemeinden ihre Traum-Grundschule neu bauen würden: barrierefrei, ideal gelegen und ausgestattet. Wenn Bad Lauterberg ab dem Sommer nur noch eine einzige Grundschule hat, werden aber auch entspannt arbeitende Grundschulklassen mit überschaubarer Gruppengröße endgültig der Vergangenheit angehören. Pro Jahrgang werden eine bis zwei volle Lehrerstellen, die das Land den Bad Lauterberger Schulkindern bei Fortbestehen von zwei Grundschulen völlig kostenfrei zur Verfügung gestellt hätte, fahrlässig verschenkt.
Vom Unterschied zwischen Bohrhammer und Rüttelplatte
Dass seit Monaten für Kinder und Lehrkräfte der Schulalltag während des Totalumbaus des historischen Bad Lauterberger Grundschulgebäudes kein Vergnügen ist, liegt zudem auf der Hand. Immerhin lernen die Kinder schon zeitig zu unterscheiden, ob sie durch Bohrhammerlärm oder das Dröhnen einer Rüttelplatte durchgeschüttelt werden. Bautechniken wie vor Jahrzehnten werden von der Stadt als Bauträger offenbar wohlwollend geduldet. Dass inzwischen der Staubsauger erfunden wurde, auch dass es mittlerweile Bohrhämmer mit eigener Dreckabsaugung gibt, scheint in Bad Lauterberg bei öffentlichen Bauvorhaben nicht bekannt zu sein. Staubschichten überall und hustend durch die Gänge laufende Kinder, Betreuungs- und Lehrkräfte werden wohl für Normalität gehalten, ein bedenklich nachlässiger Umgang mit der Fürsorgepflicht für Kinder und Personal. Dass es anders geht, hätte beim professionellen Umbau eines Bekleidungshauses um die Ecke beobachtet werden können.
Wo zudem der höhere Sinn liegen soll, in der Kernstadt Bad Lauterberg künftig nur noch einen Kindergarten vorzuhalten und dafür im Ortsteil Barbis einen zweiten Kindergarten anzusiedeln, erschließt sich für Fachleute aus dem Bildungsbereich nicht.
Für KGS-Raumnot glänzende Billigstlösung gefunden
Die KGS Bad Lauterberg hat die Herausforderung der gymnasialen Oberstufe tatkräftig angenommen und hat sehr guten Zuspruch, platzt freilich, wie zu erwarten war, aus allen Nähten und muss manche Klasse ohne eigenen Klassenraum durchs Gebäude schicken. Der Noch-Landkreis Osterode hat über einen Anbau nachgedacht, nun aber diese Idee verworfen und die glänzende Billigstlösung gefunden, durch Raumteiler zusätzliche Klassenräume zu schaffen. Auch hier wird es also extrem kuschelig werden, während in der Stadtmitte ein intakter Schulgebäude-Komplex [die ehemalige Lutterbergschule, Anm. d. Red.] leer steht und nun teilweise umgewidmet wird.
Ausgebildete Lehrkräfte fehlen
Das Land Niedersachsen hat große Probleme, notwendige zusätzliche Lehrerstellen zu besetzen. So fehlen im zu unter 80 Prozent mit Lehrpersonal versorgten förderpädagogischen Bereich sowie im Hauptschulbereich unserer Region genügend ausgebildete Lehrkräfte, so dass die Not zum Teil durch Wissenschaftler, Verlagslektoren oder auch Gymnasiallehrkräfte aus Hessen gelindert werden muss. Vorausschauende Personalplanung sieht sicher anders aus. Wie Hohn muss es Lehrkräften vorkommen, dass sie vom Land nun auch noch aufgefordert werden, in einer Online-Umfrage „Mehr Zeit für gute Schule“ zu phantasieren.
Es ist beachtlich, wie unter den gegebenen Umständen Schulleitungen, Lehrkräfte und engagierte Eltern mit Blick für das, was Schulkinder brauchen, auch in diesem Schuljahr wieder tatkräftig versucht haben, gute Schulen für den Nachwuchs zu gestalten"
Geselliger Ausklang an der Burgruine
Der GEW-Ortsverband Bad Lauterberg / Bad Sachsa, lädt nun alle Mitglieder zum geselligen Ausklang dieses anspannungsreichen Schuljahrs an der Burgruine Scharzfels ein. Am Mittwoch, dem 22. Juni 2016, trifft man sich um 18.30 Uhr an der Hotel-Zoll-Ruine zum gemeinsamen Aufstieg zur Schlossberghütte. Anmeldungen bei Gabriele und Frieder Berndt sind erwünscht.