Geschrieben von Boris Janssen am 21. Juni 2017
Angebot an alle, die sozial denken
SoVD-Kreisverband hat seine Kampagne „Wie sozial sind wir?“ gestartet

Im Bad Lauterberger Stadthaus hat der SoVD-Kreisverband Osterode am Montag (19.06.2017) den Startschuss zu seiner Kampagne „Wie sozial sind wir?“ gegeben. Mit ihr will der Kreisverband nicht nur das 100-jährige Jubiläum des Sozialverbandes würdigen, sondern – viel wichtiger – sich für die Zukunft gut aufstellen, und zwar als Institution, die für wirklich alle Menschen da ist.
Der Verband werde von außen oft als „Rentnerverein“ wahrgenommen, gestand der Sprecher des Arbeitskreises „100 Jahre SoVD“ Frank Uhlenhaut. Das liege auch daran, dass es an jüngeren Mitgliedern fehle – und damit an entsprechenden Angeboten. Das soll sich mit der Kampagne ändern. Vielleicht, so Uhlenhauts Hoffnung, sei dies die „Geburtsstunde für ein Angebot an alle sozial denkenden Menschen im Kreisgebiet“, der Auftakt zu einer Art „offenen Sozialwerkstatt“.
Drei Säulen: Fragebogen, Gesprächsreihe, Ferienpass-Aktion
Der Kreisverband will mit seiner Kampagne herausfinden: Was wollen die Menschen eigentlich? Welche Angebote brauchen sie?
Wichtigster Baustein ist deshalb die Fragebogen-Aktion. 25.800 Stück werden etwa in der ersten Juli-Hälfte im Gebiet der zwölf teilnehmenden SoVD-Ortsverbände (Bad Lauterberg, Bartolfelde, Osterhagen, Herzberg, Pöhlde, Lonau, Hattorf, Wulften, Osterode, Dorste, Willershausen und Gittelde) an die Haushalte verteilt. Wer keinen eigenen bekommt oder in einem anderen Ort lebt, kann den Fragebogen in Kürze auch auf der Website des Kreisverbandes (externer Link) online ausfüllen. Der Bogen enthält gut 50 Fragen zu den Themen Kinder und Jugendliche, Seniorinnen und Senioren, Mobilität, Inklusion, Ehrenamt, Alltagshilfen und Sozialer Zusammenhalt. Ziel soll sein, die Bedeutung bestehender Arbeitsfelder aufgezeigt zu bekommen, neue gewünschte zu erschließen und vielleicht sogar gleich aktive Mitglieder zu gewinnen. Die ausgefüllten Bögen können bis Ende August 2017 an vielen Abgabestellen in den teilnehmenden Orten eingeworfen werden.
Zweite Säule der Kampagne ist die Reihe „Ins Gespräch kommen“. Hierbei möchte der SoVD-Kreisverband andere soziale Institutionen, deren Aufgaben und Bedürfnisse kennenlernen – unter anderem trifft er sich mit „Frauen für Frauen“, den Grünen Damen und der Lebenshilfe. Der gemeinsame Austausch soll zugleich zum Netzwerken beitragen.
Und mit einem dritten Part will der SoVD auch die ganz junge Generation erreichen: mit der Ferienpass-Aktion „Tue Gutes und fotografiere dich dabei“. Alle Kinder, die sich in den Sommerferien sozial engagieren, können bis zum 5. August 2017 ein Foto davon per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schicken. Aus den Fotos soll am Ende eine Collage entstehen. Als Dankeschön gibt es eine Einladung zum SoVD-Kinotag in den Herzberger Central-Lichtspielen mit Film, Getränk und Popcorn.
„Mit der Politik die richtigen Schlüsse ziehen“
Damit die Befragung am Ende auch ein brauchbares Bild ergibt, hofft der Arbeitskreis auf den Rücklauf von mindestens 1.000 auswertbaren Fragebögen. Aber natürlich gilt: Je größer die Beteiligung, desto besser. Die Auswertung werde voraussichtlich bis November dauern, erwartet Frank Uhlenhaut. „Dann werden wir die Ergebnisse vorstellen und die Arbeit in Angriff nehmen.“
Darauf ist Dirk Swinke, SoVD-Landesgeschäftsführer, schon ganz neugierig: „Ich bin gespannt, was die Menschen bewegt, wie sich die Kampagne entwickelt und welche Angebote daraus entstehen.“ Er zeigte sich von dem ambitionierten Projekt überzeugt. Es sei ein wichtiges Zeichen für die Menschen in der Region, dass der SoVD zeige, genau für sie da zu sein. Bestimmte Kernaufgaben müssten regional entwickelt werden, „wir wollen ja nicht an den Menschen vorbei handeln“. Der Landesverband wolle dann schauen, was er eventuell ins Land Niedersachsen einbringen könne. Auch die Vernetzung sei wichtig: „Niemand wird es schaffen, die anstehenden Herausforderungen alleine zu bewältigen.“ So freute sich Swinke besonders, dass auch viele Ortsverbände und Kommunen die Aktion unterstützen. Am Ende gelte es, „mit der Politik die richtigen Schlüsse zu ziehen.“
Für die versammelte Politik aus dem Altkreis Osterode sprach Bad Lauterbergs Bürgermeister Dr. Thomas Gans. Auch er ist von der Idee der Kampagne überzeugt: Deutschland sei ja ein Sozialstaat und niemand müsse in Not und Elend leben, dennoch gebe es immer neue Herausforderungen, „die Betätigungsfelder ändern sich mit der Zeit.“ Die Ergebnisse der Kampagne solle man als Richtschnur für die Politik nutzen, um die Region für die Zukunft besser aufzustellen, „die hier lebenden Menschen hier zu halten oder gar neue hierher zu ziehen.“ Die Kommunen unterstützen die Kampagne zum Beispiel, indem sie Werbung für sie machen und ihre Wahlurnen als „Briefkästen“ für die Abgabestellen zur Verfügung stellen, womit zugleich die Anonymität der abgegebenen Fragebögen sichergestellt wird.
Passender Auftakt
Fragebögen, Netzwerken, Kinder – die Auftaktveranstaltung selbst passte schon gut zur Kampagne. So wurden gleich einige Fragebögen samt Kugelschreiber an den Mann oder die Frau gebracht. Nach dem offiziellen Teil nutzten die vielen Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen und Institutionen den Imbiss ausgiebig für Gespräche. Und zuvor, bei der Begrüßung, sagte die stellvertretende Vorsitzende des SoVD-Kreisverbandes Gabriele Mackensen, man habe sich bewusst für eine soziale Einrichtung als Ort entschieden. Eine sehr passende noch dazu, denn als Hausherrin und Vorsitzende stellte Janka Eckhardt „ihren“ Kinderschutzbund Ortsverband Bad Lauterberg vor, der mit seinen vielfältigen Aufgaben – von der Kinderbetreuung, über die Flüchtlingshilfe und Kleiderkammer bis hin zur Ausgabe der Tafel – für wirklich Jeden da ist, wie sie betonte. Für Senioren, Erwachsene und natürlich Kinder.
Zum Bild
Sind von der Kampagne überzeugt (von links): Janka Eckhardt (Vorsitzende Kinderschutzbund Bad Lauterberg), Gabriele Mackensen (stellvertretende SoVD-Kreisvorsitzende), Volker Höfert (Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters Bad Grund), Thomas Gans (Bürgermeister Bad Lauterberg), Andreas Philippi (stellvertretender Landrat), Ralph Boehm (stellvertretender Bürgermeister Bad Sachsa), Lutz Peters (Bürgermeister Herzberg), Frank Uhlenhaut (Sprecher des SoVD-Arbeitskreises) und Dirk Swinke (SoVD-Landesgeschäftsführer).