Geschrieben von ski am 26. Februar 2018
Den Wildschweinbestand niedrig halten
Aus der Hegeringversammlung des Hegerings Bad Lauterberg


Um einer möglichen Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen vorzubeugen, sollen die Wildschweinbestände im Land durch verstärkte Bejagung verringert werden – so jedenfalls die Vorgabe aus der Politik. Zwar ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen völlig ungefährlich, und für Hunde auch. Auch der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch ist kein Problem für den Menschen. Doch Schweine verenden daran innerhalb weniger Tage. Und die Seuche könnte jederzeit nach Niedersachsen eingeschleppt werden. Da sie von Wild- auf Hausschweine übertragen werden kann, würde in diesem Fall nichts anderes übrig bleiben, als große Bestände zu keulen, denn einen Impfstoff gibt es nicht. Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm. In Litauen und Polen ist die ASP bereits aufgetreten.
Aufklärung notwendig
Dabei geht die größte Gefahr einer Ausbreitung der Seuche von infiziertem, nicht durcherhitzten Fleisch aus, das von den Wildschweinen gefressen wird: „Wenn beispielsweise ein LKW-Fahrer aus Polen ein Mettwurstbrot an der Raststätte in den Müll wirft “, verdeutlicht Hegeringleiter Olaf Koch das Szenario, „kann die ASP hier ganz plötzlich auftreten. Über diese Gefahr müsste viel mehr aufgeklärt werden.“ Um eine eventuelle Ausbreitung der Krankheit weniger wahrscheinlich zu machen, soll die Jägerschaft den Wildschweinbestand niedrig halten. Das ist allerdings gar nicht so leicht: „Wildschweine sind schwer zu bejagen“, erklärt Jägerin Iris Wohlfahrt: „Sie sind sehr intelligent, sie kommen kaum noch aus der Deckung“. Natürlich Feinde haben die Tiere auch nicht.
Die Wildschweinpopulation ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Gründe dafür sind unter anderem die milden Winter ohne lange Frostperioden, aber auch der verstärkte Maisanbau für Biogasanlagen: „Die Schweine finden jeden Tag einen gedeckten Tisch.“
Preise im Keller
Trotz einer Rekordstrecke von 2102 Sauen müssten also die Anstrengungen der Jäger beim Schwarzwild noch vergrößert werden, um den Bestand zu verringern. „Es wird gewünscht, dass viele Schweine geschossen werden“, erklärt auch der stellvertretende Kreisjägermeister Claus-Wilhelm Deig. Doch da gibt es noch weitere Hindernisse: die Wildbretpreise sind im Keller. „Da müssten wir Jäger viel bessere Werbung für Wildfleisch machen. Denn mehr Bio geht doch gar nicht – das Wild hat ein tiergerechtes Leben bis zum Schluss, es wird auch nicht in irgendwelche Transporter gepfercht und zum Schlachthof gefahren“, sagt Birgit Koch. Und die Waidgesellen und -gesellinnen der Jägerschaft Osterode haben noch ein ganz praktisches Problem bei der Jagd: viele Veterinäre nehmen keine Trichinenproben mehr an, da ihnen der Aufwand zu hoch und die dafür vom Landkreis erhaltene Gebühr zu gering ist.
Weitere Themen bei der Hegeringversammlung des Hegerings III Bad Lauterberg waren anstehende Beitragserhöhungen bei der Jägerschaft Osterode, für die Schatzmeister Klaus Becker schon vorab um Verständnis warb. Nach den Umlagen für den Neubau des „Laufenden Keilers“, also des Schießstands in Aschenhütte werde nun eine Erhöhung des normalen Beitrags notwendig, nachdem dieser elf Jahre lang stabil gehalten werden konnte. Über den Bau des Schießstands konnte Becker berichten, dass dieser im Zeitrahmen und im Wesentlichen auch im Kostenrahmen geblieben sei.
Karl-Heinz Seyferth, der stellvertretende Hegeringleiter, berichtete von der Hegeringleiterversammlung in Goslar, wo neben der Afrikanischen Schweinepest auch die Wölfe ein Thema waren. „Sie gedeihen in Niedersachsen prächtig und vermehren sich hervorragend“, resümierte er ironisch. Es gebe mittlerweile 14-15 Rudel, 13 Paare und 6 Einzelgänger im Lande. Dennoch sei politische Zurückhaltung angezeigt. Nach der Regierungsbildung im Lande sei nun die Hoffnung, dass die Novellierung des Jagdgesetzes vorangetrieben werden könne – bislang werde noch im Landwirtschaftsministerium daran gearbeitet.
Der stellvertretende Kreisjägermeister Deig konnte noch keine vollständigen Streckenergebnisse mitteilen, doch beim Rotwild werde das vom Rotwildring gesteckte Ziel bei weitem nicht erreicht.
Der langjährige Schriftführer Kurt Aurin wurde bei der besonders gut besuchten Versammlung im Gasthaus Dreymanns Mühle auf seinen Wunsch verabschiedet; an seiner Stelle wurde Steffen Roloff in das Amt gewählt.