Geschrieben von ski am 25. Januar 2019
Ein Mega-Jahr… das keiner Wiederholung bedarf
Bei der JHV des Kinderschutzbunds werden die Emotionen nochmals durchlebt







Der Bad Lauterberger Kinderschutzbund hat ein Jahr hinter sich, das die Aktiven bis an ihre Grenzen gebracht hat – und darüber hinaus. Davon zeugte der Jahresbericht, den die Vorsitzende Janka Eckhardt bei der Jahreshauptversammlung in den Räumlichkeiten des Vereins in Barbis abgab. Da kamen sämtliche Emotionen noch einmal durch – denn das Jahr 2018 hatte große Höhen, aber auch Tiefpunkte. „Es hat uns vom Vorstand alles abverlangt“, sagte die Vorsitzende.
Spendenaktionen aller Art
Schließlich war 2018 ja das Jahr des Mega-Projekts „Traumspielplatz“, das im Vorjahr gestartet worden war. Schon zu Jahresanfang standen über 15.000 Euro auf dem Spendenkonto, und zahlreiche tolle Spendenaktionen und Einzelspenden ließen es weiter wachsen. Benefiz-Pizza-Essen, Gospel-Konzert, der Verkauf von Selbstgemachtem, die Lidl-Kassenaktion, Firmenspenden – viele Bad Lauterberger wurden kreativ und unterstützten das Traumziel. Ein besonders emotionaler Moment, so erinnert sich Janka Eckhardt, war die Spende durch Familie Wenzel: der langjährige Unterstützer des Kinderschutzbunds Horst Wenzel war verstorben. Vor seinem Tod hatte er gemeinsam mit seiner Frau Monika beschlossen, zur Beisetzung auf zugedachten Blumen- und Grabschmuck zu verzichten und die Trauergemeinde stattdessen um eine Spende für den Kinderschutzbund zu bitten. „ Es war ein sehr bewegender Moment für mich, diese Spende entgegen zu nehmen“, sagt Eckhardt.
Erneute Bewerbung bei radio ffn
Doch wollte man auch die dritte Chance nicht ungenutzt vergehen lassen, um vielleicht doch noch den Traumspielplatz von radio ffn zu gewinnen – und der Kinderschutzbund hängte sich erneut voll rein in die Bewerbung. Mit Drohnen-Bewerbungsfoto und viel Engagement gelangte Bad Lauterberg immerhin in die engere Auswahl – doch trotz der Unterstützung der Kinder beim Radio-Interview („Das gab Gänsehaut-Feeling“) gewann die Stadt wieder nicht. „Nun hieß es für uns: Jetzt erst recht.... wir brauchen ffn nicht, wir schaffen das auch allein“, sagte Eckhardt.
Beim Frühlingshappening wurde nicht nur Selbstgemachtes zugunsten des Projekts verkauft, sondern auch die Vorlieben der Kinder für ihren Spielplatz abgefragt. Und die Organisation des 1. großen Bad Lauterberger Entenrennens, das in Zusammenarbeit mit dem Rotary-Club beim Kinderfest im Juni stattfinden sollte, nahm viel Zeit in Anspruch.
Außerdem war da noch ein weiteres Gewinnspiel, das von Vorstandsmitglied Claudia Grégàsz entdeckt worden war – kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist. Eine weitere Nachtschicht wurde eingelegt, um sich bei dem Spielplatzgerätehersteller zu bewerben. Gut, dass wenigstens das Drohnenfoto vom Kurpark dafür gleich wieder verwendet werden konnte….
"Es zog uns den Boden unter den Füßen weg"
Doch dann kam der Knall: „Am 14.06.2018 zog es uns dann förmlich den Boden unter den Füßen weg, als wir hörten, dass die WgiR und die CDU den Tag zuvor einen Antrag stellten, dass der Spielplatz auf keinen Fall in den Kurpark sollte“, berichtete die Vorsitzende. „Diese Emotionen, die da bei uns hoch kamen kann man nicht beschreiben und wir wünschen sie niemandem.“ Dieser Antrag sei „Wie 1000 Messer in den Bauch gerammt und das ehrenamtliche Engagement mit Füßen getreten“. Zumal es ja schon seit dem 1. Gewinnspiel bei ffn im Jahr 2016 bekannt gewesen war, wo der Spielplatz hin soll, wenn er denn gewonnen worden wäre. Der Vorstand war wie vor den Kopf gestoßen: „Wir hatten doch schon so viele Spenden gesammelt, die Kinder hatten sich schon Geräte ausgesucht, wir waren verzweifelt, auch wenn die meisten Bürger der Stadt hinter uns standen.“ Und das alles geschah kurz vor dem Kinderfest mit dem großen Entenrennen.
Doch der Kinderschutzbund ließ sich nicht so einfach abservieren: in einer weiteren Nachtschicht bereitete Claudia Grégàsz eine Videopräsentation vor, die die Ratsmitglieder überzeugen sollte, dass der Kurpark der richtige Standort ist. In einer eindrucksvollen Rede, die als Sternstunde des Rats bezeichnet werden sollte, gelang es Eckhardt schließlich, die Ratsmitglieder der CDU und WgiR doch noch zu überzeugen, ihren Antrag zu vertagen.
„Wir haben ganz klar Stellung bezogen, dass wir immer zu Gesprächen bereit waren, diese aber eigentlich nicht wirklich gesucht wurden. Und dann konnten wir noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen und verkünden, dass wir mittags um 13.35 Uhr einen erlösenden Anruf von Herrn Raab von der Fa. Kompan erhalten hatten, in dem er mir mitteilte, dass wir die Gewinner des Gewinnspieles seien und 60 % auf die Kaufsumme aller Spielgeräte oben auf bekämen.“
Spatenstich, Verzögerungen und gemeine Unterstellungen
Dieser Knaller, das beispiellose Engagement des Kinderschutzbunds und der öffentliche Druck zeigte schließlich Wirkung: in einer Sondersitzung am 5. Juli 2018 konnte grünes Licht für den Traumspielplatz im Kurpark gegeben werden.
Nach dem symbolischen ersten Spatenstich am 9. Juli kam es allerdings erst einmal zu Verzögerungen, weil diverse Genehmigungen noch eingeholt werden mussten und noch einige Planungsarbeiten erforderlich waren. Dass darum erst einmal nicht viel an Bauarbeiten zu sehen war, verstanden offenbar nicht alle: „Am 6. September haben wir uns dann leider öffentlich gegen böse Drohungen und Anschuldigungen gegenüber Vorstandsmitgliedern wehren müssen. Es hat uns tief getroffen, dass man uns des Lügens und der Gelderveruntreuung beschuldigte".
"Glücklich, es geschafft zu haben"
Doch am 14. September wurden die Spielflächen ausgemessen, am 17. September kamen die Baumschneider und am 19. September ging es mit den Erdarbeiten los. Am 26.9. begann der Geräteaufbau, und nach dem Verteilen von Hackschnitzeln durch Freiwillige (und die Kita Spatzennest) konnte der TÜV-Prüfer den Traumspielplatz endlich freigeben. Am 31. Oktober konnte er schließlich offiziell eröffnet werden – bei riesigem Besucherandrang. „ Es kamen so unbeschreiblich viele Gäste, dass wir es gar nicht fassen konnten. Es wurde eine sehr schöne Spielplatz-Einweihung, zwar 5 ½ Wochen später als ursprünglich geplant, aber wir waren einfach nur noch glücklich, es geschafft zu haben“. Die ersten Bänke wurden kurzerhand auch noch gespendet – und weitere Tische und Bänke werden in diesem Jahr dazukommen, denn der Kinderschutzbund hat dafür bereits einige Spenden erhalten.
Das Projekt Traumspielplatz war nur ein Teil der Aktivitäten
Die Eröffnung des Traumspielplatz nach all diesen Höhen und Tiefen war ein erlösender Moment für die Aktiven des Kinderschutzbunds. Und doch war dies nur ein Teil der Aktivitäten des umtriebigen Vereins.
Das alles geschah nämlich neben den regelmäßigen monatlichen Aktionen für Kinder und den Schminkaktionen bei diversen Festen. Desweiteren gibt es seit dem Frühjahr das offene Café Kwatsch für Eltern und Kinder (14-tägig). Der Verein betreibt mit Hilfe Ehrenamtlicher den Kleider-Shop, der inzwischen eine feste Institution geworden ist und eine wichtige soziale Funktion erfüllt. Seit Mai verfügt der Verein auch über den Soccer-Fun-Park, der durch Sponsoren ermöglicht wurde und gegen eine Spende ausgeliehen werden kann. Es gibt eine Krabbelgruppe, die sich regelmäßig in den Räumen des Vereins trifft, der Kinderschutzbund beteiligte sich am Ferienpass, begleitete den Kinderumzug des Schützenvereins. Außerdem fand noch der große Tag der Nationen auf dem Kirchplatz statt, der Verein machte eine Aktion zum Weltkindertag und organisierte zusammen mit dem Musikcorps Marchingpower einen Laternenumzug. Zudem beteiligte sich der Verein am 1. Sozialen Weihnachtsmarkt und am Lebendigen Adventskalender und verteilte an Heiligabend das Friedenslicht. Natürlich gab es auch Organisatorisches wie Besprechungen mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband als Dachverband.
Ein Mega-Jahr - aber bitte keine Wiederholung
„Es gab sicher noch die ein oder andere Sache, die nun doch noch untergegangen ist, aber ich denke, man kann ungefähr erfassen, was bei uns im letzten Jahr so los war und passiert ist“, sagte Janka Eckhardt. „Ich danke meinem Team, welches in dem vergangenen Jahr Unglaubliches geleistet hat, aber auch unseren Ehepartnern und unseren Kindern, die uns vielfach unterstützt haben, aber auch sehr oft auf uns verzichten mussten.“
Das vergangene Jahr war für die Aktiven des Vereins eine gewaltige Kraftanstrengung. Kein Wunder also, dass die Vorsitzende resümiert: „Es war ein Mega-Jahr für uns, mit negativen, aber deutlich mehr positiven Ereignissen, welches wunderschön war - aber definitiv bedarf es keiner Wiederholung“.
Im Jahr 2019 wünscht sich der Vorstand vor allem eines: ein bisschen mehr Ruhe. Daher wird es in diesem Jahr möglicherweise einige gewohnte Aktivitäten nicht oder in eingeschränkter Form geben.
Madlen Apel als Schatzmeisterin verabschiedet
Zumal sich die Arbeit – wie bei den meisten Vereinen – doch auf recht wenige Schultern verteilt. Nur vierzehn Mitglieder waren am 22.1.19 zur JHV in die Vereinsräume neben der Kita Spatzennest gekommen. Schatzmeisterin Madlen Apel hatte die Zahlen dazu: bei 78 Mitgliedern erhielt der Verein Beiträge in Höhe von 3.019 € und allgemeine Spenden (nicht zweckgebunden) von 2.036 €. Das ist auch notwendig, denn allein die Miete für die Räumlichkeiten beträgt 4.200 Euro, dazu kommen noch weitere Kosten wie Telefon/Internet, Arbeitsmaterial, Verbandsbeiträge etc. Glücklicherweise gab es auch Einnahmen aus dem Kleider-Shop. Das separate Konto für die Flüchtlingshilfe ist nach Beendigung der meisten Projekte nicht mehr vonnöten; da der KSB nun auch keine Spendenbescheinigung mehr dafür ausstellen kann, wurde es am 31.12.18 aufgelöst. Die richtig großen Summen, die bewegt wurden, kamen natürlich durch den Traumspielplatz zustande: insgesamt hatte der Verein im Jahr 2018 Einnahmen in Höhe von 71.191€ und Ausgaben von 85.535€.
Dem Vorstand wurde nach Bericht der Kassenprüfer einstimmig Entlastung erteilt. Madlen Apel, die die Kasse 2013 unter mehr als schwierigen Umständen übernommen hatte – der vorangegangene Schatzmeister hatte mehrere tausend Euro veruntreut und ein großer Teil der Unterlagen fehlte – stellte sich nicht erneut zur Wahl und scheidet aus dem Vorstand aus. Zu ihrer Nachfolgerin wurde in krankheitsbedingter Abwesenheit einstimmig Antje Vollrath gewählt.
Dank gab es von Janka Eckhardt nicht nur für die ausscheidende Schatzmeisterin, sondern auch für das gesamte Vorstandsteam - und wer dabei war, weiß auch, wie der kleine Verein mit so wenig Leuten so Großes bewegen konnte: durch den enormen Zusammenhalt des Vorstandsteams, das im vergangenen Jahr miteinander durch Dick und Dünn gegangen ist.
Weniger Termine in diesem Jahr
Damit sich die Aktiven von dem anstrengenden Mega-Jahr 2018 erholen können, wird es in diesem Jahr weniger Vereinstermine geben. Am Frühlings- und Herbsthappening will sich der Verein daher nicht beteiligen. Doch beim Kinderfest im Kurpark am 16. Juni ist der Kinderschutzbund wieder dabei. Der bisherige „Tag der Nationen“ soll am 21.09. zugleich mit dem Weltkindertag auf dem Traumspielplatz im Kurpark gefeiert werden, als „Fest der Vielfalt“. Am Ferienpass will sich der Kinderschutzbund wieder mit einer Nähaktion mit „Nähoma Moni“ beteiligen, und auch beim Sozialen Weihnachtsmarkt und beim Lebendigen Adventskalender planen die Ehrenamtlichen wieder, dabei zu sein. Dazu kommen die monatlichen Aktionen, im Februar beispielsweise die Faschingsfeier.