Geschrieben von ski am 25. Juni 2019
Rätselhafte Sabotage am Karstwanderweg
100 Wegmarken wurden systematisch abgeschraubt und gestohlen




Er ist ein Aushängeschild für den Südharz und 239 Kilometer lang: der Karstwanderweg führt durch die Südharzer Gipskarstlandschaft und kommt dabei auch durch Scharzfeld, Barbis und Bad Lauterberg. Ein touristisches Pfund - seit 2011 ist der Karstwanderweg Südharz mit dem Gütesiegel des Deutschen Wanderverbandes ausgezeichnet. Ein verbindliches Qualitätsmerkmal ist dabei die lückenlose Beschilderung, wie sie von den Wanderern auch immer wieder lobend hervorgehoben wird.
Mit derzeit 22 Wegpaten wird der Karstwanderweg im Landkreis Göttingen zwei Mal im Jahr im vorschriftsmäßigen Zustand gehalten, das ist vor allem die Reinigung und Ergänzung der Beschilderung, das Freischneiden des Wegprofils und der Schilder, Abräumen von Bruchholz, Aufsammeln von Müll und die Beobachtung und Beseitigung bzw. Meldung von Gefahrenstellen. All dies wird ehrenamtlich von engagierten Freiwilligen ausgeführt.
100 Wegmarken systematisch abgeschraubt
Nun häufen sich in letzter Zeit Anzeichen von Sabotage. So sind im Umfeld der Stadt Osterode ca. 100 Wegmarken gestohlen worden. Das Seltsame dabei: sie wurden nicht einfach abgerissen, sondern systematisch abgeschraubt. Auch einige Wegschilder sind auf diese Weise verschwunden. Beides sind keine Kavaliersdelikte, sondern Diebstahl und damit strafbar. Natürlich hat der Förderverein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg e.V. Anzeige erstattet und die Ermittlungen laufen.
"Eine ganz komische Sache - wir haben keine Ahnung, wer sich an den Wegmarken stört", sagt Firouz Vladi vom Verein. "Vandalismus an Schildern kommt immer mal wieder vor - glücklicherweise ist das aber bei uns eher selten. Aber hier wurden die Wegmarken sorgfältig abgeschraubt und teilweise sogar die Schrauben wieder reingedreht". Hauptsächlich geschah dies bislang in der Gegend um Osterode, Königshagen und Düna. Das Motiv ist völlig unklar. Am materiellen Wert der Schilder kann es nicht liegen: "So eine Wegmarke ist 10 mal 10 Zentimeter groß und kostet ein, zwei Euro, ein Schild mit Text um die zehn Euro". Aber die ganzen gestohlenen Wegmarken und Schilder wieder zu ersetzen und anzubringen, der ist für die Ehrenamtlichen ein großer Aufwand. "Das kostet uns Nerven, Mühe und Geld. Wir haben nun die Schilder teilweise in drei, vier Metern Höhe angebracht - und davon sind auch schon wieder einige verschwunden", sagt Vladi. Es müsste also ein Dieb eigentlich schon mit der Leiter im Wald unterwegs sein... der Verein bittet darum, die Augen offen zu halten.
Richtig teuer wird es für den Verein wenn die großen grünen Erklärungstafeln gestohlen werden: da sind schon einmal 300 Euro fällig. "Davon sind drei verschwunden - eine davon sogar mit dem gesamten Stahlrohrrahmen", berichtet Vladi.
Bitte keine gut gemeinten Ergänzungen an Schildern vornehmen!
Der klassische Vandalismus kommt dagegen glücklicherweise seltener vor: Verknicken und Abreißen von Schildern oder Beschmieren halten sich noch in Grenzen. Ärgerlich ist es aber, wenn möglicherweise gut gemeinte „Ergänzungen“ an Wegschildern seitens Dritter mit dickem Edding vorgenommen werden, wie dies kürzlich im Raum Tettenborn der Fall war. Dort wollte offenbar jemand auf die Stempelstellen der Harzer Wandernadel hinweisen - die aber mit dem Karstwanderweg nichts zu tun hat. Dies führt zu Verwirrungen und Beschwerden von Wanderern.
Alle drei Jahre muss das Gütesiegel als Qualitätswanderweg neu und kostenpflichtig beantragt werden. Es wäre ein Jammer, wenn infolge von Sabotage und Vandalismus im kommenden Jahr dem durch drei Bundesländer verlaufenden Weg die Anerkennung versagt werden sollte, warnt der Verein. Der Förderverein bittet daher alle Nutzer des Karstwanderwegs um Aufmerksamkeit und darum, entsprechende Beobachtungen zu melden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Egal, ob Sabotage oder Vandalismus - für die Wanderer bedeutet dies Unannehmlichkeiten, und für die ehrenamtlichen Wegpaten ist das frustrierend und ein riesiges Ärgernis.