Geschrieben von ski/Gordy am 22. Februar 2014
Muffig, mürbe, marode
Teure Heizkosten, unbezahlbare Sanierung: das Rathausgebäude ist gammelig








Das Rathaus - ein Aushängeschild der Stadt? In Bad Lauterberg wohl eher nicht.
Wer das Gebäude betritt, riecht ihn sofort: einen modrigen, muffigen Geruch, der aus dem Keller aufsteigt. Der Linoleumboden ist uneben und wellig, die Wände ebenso. Die Holzfenster sind so zugig, dass viele Mitarbeiter im Winter die Heizung ständig voll aufgedreht lassen und ihre Büros dennoch nicht richtig warm bekommen. An etlichen Stellen liegen Kabelkanäle, an manchen sind Leitungen über Putz. Die Toiletten bieten den sanitären Standard der fünfziger Jahre, teilweise auch der Sechziger. Im vorletzten Winter mussten sich gar alle Mitarbeiter eine einzige Toilette teilen - die anderen waren eingefroren. "Die Heizkosten sind ein Alptraum", so Bürgermeister Dr. Thomas Gans.
Im gesamten obersten Stockwerk sind in den Zimmern nur noch Akten und anderes Material gelagert - nicht, weil es so viel zu lagern gäbe, sondern weil dort niemand mehr arbeiten darf. Aus Sicherheitsgründen.
Auch den Rathausbalkon sollte man nur betreten, wenn man gute Nerven hat - die Bohlen geben etwas nach.
Barrierefreiheit? Ist natürlich Fehlanzeige. Von dem angesetzten gläsernen Gang zwischen dem Rathaus und dem Backsteingebäude kommt man als Rollstuhlfahrer lediglich in den Ratssaal und in den Wartebereich des Sozialamts im anderen Gebäude.
Das jetzige Rathaus war nie als Verwaltungsgebäude gedacht. Ursprünglich war es das Ritscher-Sanatorium - aus dieser Zeit stammt auch der einzige Luxus: "Wir haben in jedem Büro ein Waschbecken". Natürlich nur mit kaltem Wasser - ganz im Kneipp'schen Sinne sozusagen.
Die Kosten für eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes werden in einem Gutachten mit 2 Millionen Euro beziffert. "Das Gutachten liegt bei mir in der Schublade, ist aber auch schon wieder einige Jahre alt", erklärte Gans in einem Pressegespräch. Die Kosten dürften also inzwischen höher liegen.
Jetzt soll die Verwaltung zusammenrücken und ins Haus des Gastes ziehen, so das Ergebnis der Sitzung des Bauausschusses. Entschieden wird darüber aber erst bei der Ratssitzung am nächsten Donnerstag.
Die Umzugspläne betreffen allerdings nicht die Mitarbeiter des Sozialamts: das Sozialamt soll auch weiterhin im Backsteinbau bleiben.


