Geschrieben von ski am 15. Februar 2015
„So kann man nicht miteinander umgehen“
Jahreshauptversammlung der Bad Lauterberger Feuerwehr: Bernd Jackisch, Sprecher der Altersabteilung, brüskiert die gesamte Führungsriege




Eigentlich hätte es eine erfreuliche Jahreshauptversammlung sein können: die Aktiven der Bad Lauterberger Feuerwehr haben einen guten Ausbildungsstand, die Ausrüstung wurde um die neue Drehleiter aufgestockt, die Jugendfeuerwehr floriert und die Kinderfeuerwehr brummt so richtig. Zudem scheinen die Querelen mit den Ortswehren überwunden und im April wurde mit Martin Dannhauer zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Stadtbrandmeister aus der Kernstadt ernannt.
Jackisch greift gesamte Führungsriege an
Für große Verärgerung sorgte jedoch Bernd Jackisch, der Sprecher der Altersabteilung. Er nutzte seinen Jahresbericht, um die gesamte Führungsriege der Feuerwehr und Ortsbrandmeister Bernd Wiedemann anzugreifen. So zahlreich waren die Vorwürfe, dass die Zuhörer seinen Ausführungen kaum folgen konnten. Er bemängelte beispielsweise, dass eine Übung zur Vollsperrung der B243neu durchgeführt wurde, obwohl die Feuerwehr seiner Auffassung nach dafür nicht zuständig ist, es war von Kostenverschleierung bei einer Busfahrt die Rede, der Ortsbrandmeister sei für die geringe Teilnahmezahl bei einer Fahrt verantwortlich, das Kommando lasse sich bei den Treffen der Altersabteilung nicht blicken etc. Bei seinen Ausführungen machte Jackisch allerdings nicht nur einen Rundumschlag gegen die Kommandoebene, sondern griff auch Ortsbrandmeister Wiedemann auf eine beispiellos persönliche Weise an.
Darüber zeigten sich viele Anwesende und Gäste entsetzt: Stadtjugendfeuerwehrwart Kai Große mahnte, solche Kritik sachlich zu üben und nicht persönlich zu werden. Regierungsbrandmeister Karl-Heinz Banse richtete, ausdrücklich in seiner Eigenschaft als Mitglied der Bad Lauterberger Wehr, klare Worte an Jackisch: „Was hier passiert ist, hat mich geschockt. So kann man nicht miteinander umgehen“. Kritik müsse auf eine konstruktive Weise geübt werden. Auch Stadtbrandmeister Dannhauer zeigte sich verärgert, dass solche Interna bei der Jahreshauptversammlung und nicht in den passenden Gremien angesprochen werden. Selbst einige Gäste anderer Wehren äußerten in ihren Grußworten Unverständnis über Jackischs Äußerungen. Jackisch selbst hatte seine Worte damit gerechtfertigt, dass er ja nicht mehr zu Kommandositzungen eingeladen werde. Er erklärte außerdem, dass er seine eigentlich vorgesehene Ehrung für 50 Jahre Mitgliedschaft nicht annehmen werde.
Einsatzreiches Jahr, neue Mitglieder benötigt
Ortsbrandmeister Wiedemann selbst ließ sich nicht beirren und führte die Versammlung souverän durch die umfangreiche Tagesordnung. Er konnte von einem einsatzreichen Jahr mit 106 Einsätzen berichten, davon 27 Brandeinsätze. Einen erfreulichen Rückgang habe es bei den Alarmen durch Brandmeldeanlagen gegeben, stark zugenommen haben dagegen die technischen Hilfeleistungen. Etliche Ausbildungsstunden wurden für die Ausbildung an der neuen Drehleiter und am Digitalfunk geleistet. Große Einsätze hatte es etwa beim Brand an der Wiesenbek-Baude, beim Gasalarm in der Wissmannstraße und beim Gebäudefeuer in der Hüttenstraße gegeben. Die neue Drehleiter, die im April offiziell übergeben worden war, war bereits häufiger bei Personenrettungen im Einsatz. Insgesamt wurden fast 10 000 Einsatzstunden geleistet. Im kommenden Jahr stehen weitere Ausbildungen an der Drehleiter und die Umstellung auf Digitalfunk im Mittelpunkt. Zudem feiert die Jugendfeuerwehr ihr 50-jähriges Bestehen: sie wurde am 1. Februar 1965 gegründet. Am 20.06. wird es dazu einen Tag der offenen Tür rund um die Jugendfeuerwehr und Kinderfeuerwehr geben. Letztere feiert im April ihr 5jähriges Bestehen.
Sorgen bereitet Wiedemann der Trend, dass immer weniger Arbeitsplätze in Bad Lauterberg vorhanden sind, so dass die Tageseinsatzfähigkeit künftig schwieriger aufrechtzuerhalten ist. Die Feuerwehr benötigt daher dringend weitere aktive Mitglieder. Er kann sich, ebenso wie Stadtbrandmeister Dannhauer, die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft (also in der Wehr eines Ortsteils und der Kernstadt) als gangbare Lösung vorstellen. Dannhauer lobte die hervorragende Arbeit der Kinder- und Jugendfeuerwehr. Aus Sicht des Stadtbrandmeisters wird die Planung für den Neubau eines gemeinsamen Feuerwehrgerätehauses für Bartolfelde und Osterhagen in den kommenden Jahren im Mittelpunkt stehen.
Künftig größere Investitionen in die Feuerwehr möglich
Bürgermeister Dr. Thomas Gans dankte in seinem Grußwort den Kameraden für ihren Einsatz und betonte, dass nun durch den Zukunftsvertrag und die Entschuldungshilfe endlich wieder größere Investitionen möglich geworden sind. Davon profitiere ganz besonders auch die Feuerwehr. So werde die Osterhagener Wehr als Einsatzfahrzeug nicht nur ein TSF-W (Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser), sondern „eine Nummer größer“erhalten; auch Bartolfelde werde endlich ein wasserführendes Einsatzfahrzeug bekommen. Und natürlich werde auch in das gemeinsame Gerätehaus investiert, das 2017 entstehen soll. Er kündigte zudem eine erneute Vollversammlung der gesamten Wehren für das Frühjahr an.
Regierungsbrandmeister Karl-Heinz Banse zeigte sich in seinem Grußwort besorgt über die weiterhin mangelnde Zuteilung von Lehrgängen an der Landesfeuerwehrschule. Er freute sich über die neue Führungsriege auf Stadtebene: „Ich habe das Gefühl, dass es viel ruhiger und kameradschaftlicher geworden ist“.
Ernennungen und Beförderungen
Natürlich gab es auch Ernennungen und Beförderungen: Stefan Eicke wurde zum Zugführer des zweiten Zugs ernannt, als Nachfolger des im vergangenen Jahr verstorbenen Matthias Schulze.
Feuerwehranwärter Jannik Moser ist nun Feuerwehrmann. Julian Blanke wurde zum Oberfeuerwehrmann befördert, Daniel Schafberg zum Löschmeister. Sonja Kutschinske wurde zur Löschmeisterin befördert und ist damit die erste Feuerwehrfrau im Stadtgebiet, die diesen Dienstgrad erreicht. Kai Große ist nunmehr Oberlöschmeister, Pascal Herbrich, Thomas Bech und Jörn Moser sind Hauptlöschmeister. Und der Bürgermeister konnte den obersten Feuerwehrmann der Stadt, Martin Dannhauer, zum Hauptbrandmeister befördern.
Für sage und schreibe 50 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Bad Lauterberg wurden der Erste Hauptfeuerwehrmann Andreas Kumnick und Hauptbrandmeister Rainer Fricke mit einer Urkunde und einem Blumenstrauß geehrt. Ihnen ist gemeinsam, dass sie am 1. Februar 1965 als Gründungsmitglieder in die Jugendfeuerwehr eingetreten und bis heute Mitglied der Bad Lauterberger Feuerwehr, inzwischen in der Altersabteilung, sind. An diesem Abend nicht anwesend, aber ebenfalls seit 50 Jahren Mitglied: Lothar Eckstein, Karl-Heinz Winter, Klaus Kreter. Bernd Jackisch hatte ja zuvor erklärt, die Ehrung abzulehnen.
Emotionaler Moment
Für einen Moment großer Einigkeit sorgte Pastor a.D. Helmut Sassenberg. Er erzählte von seiner ersten Begegnung mit den Mitgliedern der Bad Lauterberger Wehr, erinnerte an die Leistungen der Kameraden, als 1989 die Grenze aufging und die Wehr die Gäste rund um die Uhr im Gemeindehaus versorgte. Und er bat die Kameraden um Verständnis, dass er aus Alters- und Krankheitsgründen künftig keine Taufen oder Trauerfeiern mehr vornehmen könne: die Beerdigung von Matthias Schulze sei ihm zu nahe gegangen. „Ich habe Rotz und Wasser geheult – ich kann das nicht mehr machen“. Da hatten die Anwesenden einen Kloß im Hals – und spendeten stehenden Applaus.