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Geschrieben von ski am 16. Oktober 2015
Aktuell

Heizöl statt Speisefett

In die Scharzfelder Kläranlage sollen illegale Substanzen eingeleitet worden sein - Ermittlungen gegen Klärwerksleiter und Entsorgungsfirma

Die Kläranlage Scharzfeld: Verdacht auf illegale Entsorgung von Heizöl
Die Kläranlage Scharzfeld: Verdacht auf illegale Entsorgung von Heizöl
In diese Container soll die Firma statt Fettwasser Mineralöl gepumpt haben....
In diese Container soll die Firma statt Fettwasser Mineralöl gepumpt haben....
.... jetzt sind sie versiegelt und der Inhalt wird untersucht.
.... jetzt sind sie versiegelt und der Inhalt wird untersucht.
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Besonders schlimm riecht es eigentlich nicht auf dem Gelände der Scharzfelder Kläranlage. Doch hier soll Anrüchiges passiert sein: eine Entsorgungsfirma und der Leiter der Kläranlage stehen im Verdacht, illegal Substanzen in die Anlage entsorgt zu haben.

Ganz legal liefert die Firma regelmäßig Speisefett und sogenanntes Fettwasser an. Dazu pumpen die Fahrzeuge der Firma das Ganze in Container auf dem Gelände der Kläranlage. Je nach Bedarf wird das Fett dann der Anlage zugefüllt. „Fett und Fettwasser sind gut für die Bakterien, die das Abwasser klären“, erklärt Verbandsvorsteher Dr. Thomas Gans. Jetzt aber steht die Firma im Verdacht, den Container mit unzulässigen Substanzen befüllt zu haben – und zwar solchen, für die die Kläranlage nicht konzipiert ist. „Wenn man beispielsweise Heizöl zugibt, nimmt das System Schaden. Der schlimmste denkbare Fall wäre ein Umkippen der gesamten Kläranlage“, so erklärte der Verbandsvorsteher bei einem Ortstermin am Freitag: „Dann wäre ein enormer Schaden entstanden“. Denn die Scharzfelder Kläranlage, die vom Abwasserverband Bad Lauterberg betrieben wird, kann schließlich nicht einfach stillgelegt werden. Die Abwässer der Gemeinden Bad Lauterberg, Steina, Sankt Andreasberg und Scharzfeld werden dorthin geleitet. Wenn das System umkippt, also die Klärbakterien absterben, dann würde am Ende das ganze Abwasser ungeklärt in die Oder fließen. Ein enormer Schaden für die Umwelt wäre die Folge.

Entsorgungsfirma muss Mitwisser haben

Die Entsorgungsfirma hatte rund um die Uhr Zugang zu den Anlieferungscontainern an der Kläranlage. Und, so der Verdacht, sie hatte Helfer: „Das Einbringen dieser Substanzen kann eigentlich nicht ohne Wissen eines Mitarbeiters passieren“, so Gans. Der langjährige Klärwerksleiter und ein weiterer Mitarbeiter des Abwasserverbands, der der Mitwisserschaft verdächtigt wird, wurden zunächst mit sofortiger Wirkung beurlaubt. „Sollten sich die Verdachtsmomente erhärten, werden wir natürlich unverzüglich entsprechende personelle Konsequenzen ziehen“, so der Verbandsvorsteher.

Umfangreiches Material beschlagnahmt

Wie viel und wie lange illegale Substanzen in die Kläranlage eingebracht wurden, lässt sich derzeit aber noch nicht sagen. „Vermutlich wurden eher mehrmals kleinere Mengen zugeführt, damit eben die Anlage nicht umkippt“, erläutert der Verbandsvorsteher. „Das Ausmaß können wir gar nicht abschätzen“. Der Landkreis als zuständige Behörde für den Gewässerschutz nimmt regelmäßige Proben, dabei gab es aber keine Hinweise auf Auffälligkeiten. Allerdings: diese Proben werden einmal monatlich genommen; es wäre wohl leicht, diese abzupassen.

Der Abwasserverband selbst hatte die Angelegenheit der Polizei gemeldet, nachdem es Hinweise auf Auffälligkeiten aus den Reihen der Mitarbeiter gegeben hatte. Die Gesetzeshüter hatten am Dienstag gleichzeitig bei der Firma, in der Kläranlage und in der Geschäftsstelle des Abwasserverbands zugegriffen und umfangreiches Beweismaterial mitgenommen: Akten, Laptops, Datenträger und Handys wurden beschlagnahmt. Die betroffenen Container wurden versiegelt; ihr Inhalt wird jetzt untersucht.

Kläranlagenbetrieb geht ungestört weiter

Der Betrieb der Kläranlage geht aber störungsfrei weiter: der bisherige Stellvertreter hat die Leitung nun kommissarisch übernommen. Hinweise dafür, dass die Oder tatsächlich gefährdet wurde, gab es bislang nicht. Dennoch drohen im Falle einer Anklage den Schuldigen empfindliche Strafen: bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe. Denn es genügt schon, dass die Gefahr einer Gewässerverunreinigung besteht, um den Straftatbestand zu erfüllen.

Ob die entsorgten Stoffe aus Privathaushalten – etwa aus der Entsorgung von alten Heizöltanks - oder von Gewerbeabfällen stammen, ist derzeit noch nicht klar. Ebensowenig, ob die Auftraggeber der Entsorgungsfirma wussten, dass die Substanzen illegal entsorgt werden. Möglicherweise gingen sie davon aus, dass die Abwässer vorschriftsgemäß an eine dafür geeignete, spezielle Entsorgungsanlage abgegeben wurden – und bezahlten teures Geld dafür.

Laut Oberstaatsanwalt Andreas Buick werden die Ermittlungen voraussichtlich einige Monate andauern, bevor klar ist, ob eine Anklage erhoben wird.

 

Der Abwasserverband Bad Lauterberg ist der Betreiber der Kläranlage Scharzfeld. Dem öffentlich-rechtlichen Zweckverband gehören die Gemeinden Bad Lauterberg, Bad Sachsa (Steina), Herzberg (Scharzfeld) und Braunlage (Sankt Andreasberg) an. Er beschäftigt zehn Mitarbeiter.


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