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Geschrieben von ski am 03. Februar 2016
Aktuell

Doppeljubiläum beim Mädchencafé Kratzbürste

Seit 20 Jahren besteht das Mädchencafé, und Renate Wirth ist seit 15 Jahren dabei

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Backen....
Backen....
Singen....
Singen....
Basteln....
Basteln....
...oder Ballspielen: das Angebot des Mädchencafés ist vielfältig
...oder Ballspielen: das Angebot des Mädchencafés ist vielfältig
Seit fünfzehn Jahren engagiert sich Renate Wirth für das Mädchencafé Kratzbürste
Seit fünfzehn Jahren engagiert sich Renate Wirth für das Mädchencafé Kratzbürste

Das Mädchencafé Kratzbürste hat Grund zum Feiern, denn es besteht seit 20 Jahren. Und Renate Wirth ist schon seit über 15 Jahren als Betreuerin dabei und hat ganze Lauterberger Mädchengenerationen dabei kennengelernt. Die 58-jährige Barbiserin hätte selbst nicht gedacht, dass sie so lange dabei bleiben würde, als sie im November 2000 anfing, zweimal in der Woche für die Mädchen da zu sein, sagt sie: „Doch dann wurde das Mädchencafé zu einem wichtigen Teil meines Lebens und ich bin an dieser Aufgabe auch gewachsen.“ Ein Glücksfall für die Mädchen, denn Kontinuität ist in dieser Arbeit wichtig. Denn es braucht Zeit, damit die Mädchen Vertrauen aufbauen – mit immer wechselnden Betreuern ist das nicht möglich.

Mädchencafé als Raum, wo sich Mädchen ausprobieren können

„An meinem ersten Tag als Gleichstellungsbeauftragte“, erzählt Inge Holzigel, „bekam ich Besuch von Monika Stanslowski vom Kinderschutzbund, die sagte, sie wolle ein Mädchencafé gründen“. Die inzwischen verstorbene Stanslowski hatte klare Vorstellungen: ein Raum, in dem sich Mädchen entfalten können, sollte es sein. Eine Alternative zum Jugendraum, der damals wie heute überwiegend von Jungs besucht wird, die dort auch meistens den Ton angeben. Das Bad Lauterberger Mädchencafé war das erste Mädchencafé im Landkreis – und ist bis heute das Einzige geblieben. An zwei Nachmittagen pro Woche waren die Räume im Stadthaus in der Ahnstraße geöffnet, wo sich die Mädchen einmal ganz ohne Jungs entfalten, spielen, sich verkleiden, tanzen oder kickern konnten. Die Zielsetzung lautete dabei: „Wir wollen die Mädchen lebensfähig machen und ihnen Stärke und Selbstbewusstsein vermitteln“. Daher gab es auch immer Angebote wie beispielsweise Selbstverteidigungskurse, Schwimmkurse und Erste-Hilfe-Kurse. Klar, dass dabei auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen in Bad Lauterberg ganz wichtig ist. Einige Mädchen kamen beispielsweise über einen Schwimmkurs des Mädchencafés zur DLRG oder über die gemeinsamen Aktionen zur DRK. Kochen, Backen und Nähen gab es bei den Angeboten, aber bei den Kratzbürsten wurde auch schon mit Holz gearbeitet und gewerkelt und Fußball gespielt – Dinge, die sonst eher den Jungs vorbehalten sind und die die Mädchen in einem geschützten Raum in Ruhe ausprobieren können.

Manchmal aber sind es eher die kleinen Dinge, die zum „Lebensfähig-machen“ gehören. „Wir üben beispielsweise auch Tischmanieren ein, oder dass man den anderen ausreden lässt“, sagt Renate Wirth. Und das Selbstbewusstsein der Mädchen wird auch bei Auftritten gestärkt, wenn die Mädchen zum Beispiel singen oder Gedichte vortragen.

Vielfältiges Angebot

„Wir haben schon so viel mit den Mädchen gemacht, dass es einem gar nicht mehr alles einfällt“, da sind sich Renate Wirth und Inge Holzigel einig. Von Theaterfahrten und Radtouren, Koch- und Backaktionen, Minigolfspielen und Wandern bis zu Besichtigungen von Polizei, Feuerwehr und THW reichten die vielfältigen Aktionen. „Wir haben aber auch schon Museen besucht, viele Feiern mitgestaltet oder zum Beispiel eine Fotoausstellung gemacht, wo die Mädchen Frauen in ihren Berufen fotografiert haben“, sagt Renate Wirth.

Was sich geändert hat - und was nicht

Einiges hat sich im Laufe der Jahre verändert, stellen Wirth und Holzigel bei ihrem Rückblick fest: zum Beispiel die Computerkurse, die anfangs der Renner waren, als es noch nicht fast in jedem Haushalt einen PC oder gar Internet gab. Heute haben die Mädchen teilweise schon ihre Smartphones dabei und müssen erst lernen, diese während der Aktionen auszuschalten. Aber die Mädchen selbst, findet Renate Wirth, haben sich eigentlich nicht so sehr verändert: „Es gibt immer Vorlaute und Schüchterne, Freche und Stille dabei“.

Bürgermeister Dr. Thomas Gans ließ es sich nicht nehmen, Renate Wirth zu ihrem Jubiläum mit einem Blumenstrauß zu gratulieren, und vom Mädchencafé gab es ein Präsent, das Inge Holzigel überreichte. Besonders schöne Erinnerungen hat Renate Wirth an die Feiern zum zehn- und fünfzehnjährigen Bestehen des Mädchencafés. „Aber dazwischen gab es auch viele kleine Glücksmomente, die mir gut getan und mich berührt haben, von Eltern und auch Mädchen.“

Preisgünstige Angebote dank vieler Spender

Das Mädchencafé ist inzwischen in der Trägerschaft der Stadt, die Räume im Stadthaus wurden aufgeben. Aber die Aktionen, die nun an wechselnden Orten angeboten werden, sind besser besucht denn je. Auch in den kommenden Wochen gibt es wieder viele Angebote, die meistens von Mädchen von der ersten bis zur fünften Klasse besucht werden. Die lila Zettel mit den verschiedenen Aktionen sind längst bekannt und werden in der Grundschule an alle Mädchen verteilt.

Großen Wert legen Wirth und Holzigel dabei darauf, dass die Angebote kostenlos oder sehr preisgünstig sind. Das ist nur dank vieler großzügiger Spender möglich. Privatpersonen, aber auch Vereine haben schon für das Mädchencafé gespendet, die sich dafür beispielsweise mit kleinen Auftritten bedanken. Großzügig unterstützt wurde das Bad Lauterberger Mädchencafé auch vom Lions-Club. Die Kreisjugendpflege ermöglicht es, den wichtigen Selbstverteidigungskurs für Mädchen günstig anzubieten.

Die nächsten Aktionen des Mädchencafés: hier klicken.


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