Geschrieben von Boris Janssen am 29. März 2017
Nachwuchs für den Fuhrpark
Die Feuerwehr Bartolfelde hat ihr neues Löschfahrzeug eingeweiht











Es wird ja nicht allzu ein häufig ein neues Feuerwehrfahrzeug in Dienst gestellt. So hat die Freiwillige Feuerwehr Bartolfelde am Samstag (25.03.2017) denn auch viel Besuch bekommen, als sie ihr neues Löschfahrzeug offiziell einweihte, das erste neue Auto seit 1998. Doch dass das Schützenhaus proppsackvoll geworden war, freute Ortsbrandmeister Lars Schwerthelm schon ganz besonders.
Natürlich waren zahlreiche Ehrengäste da, Abordnungen etlicher Wehren aus dem Umland, Vertreter von Polizei, Rettungsdiensten und Verwaltung, gleich der halbe Rat der Stadt. Vor allem aber feierten viele Bürgerinnen und Bürger mit. Und das war nur richtig. Denn wie Lars Schwerthelm in seiner Rede bemerkte: „Nicht die Feuerwehr oder der Rat, nicht der Ortsbrandmeister oder der Bürgermeister haben ein neues Auto gekauft, sondern wir alle, die hier leben – die Bürgerinnen und Bürger in Bartolfelde und im ganzen Stadtgebiet Bad Lauterbergs.“
Technik soll Personalmangel ausgleichen
Gut 170.000 Euro schwer ist die Investition. Aber das Geld ist gut angelegt, waren sich die Redner allesamt einig – das Fahrzeug stelle die Schlagkraft der Wehr auch in Zukunft sicher. Denn das größte Problem für die Feuerwehren der Region ist ihr Personalmangel: Sie haben immer weniger aktive Mitglieder und die meisten von ihnen sind tagsüber nicht vor Ort, sondern irgendwo auf der Arbeit. So soll das neue Auto mit viel Technik quasi das leisten, was in der Wirtschaft Rationalisierung und Effizienzsteigerung genannt wird: Eine einzige Gruppe soll mit ihm alle Einsatzarten abdecken können.
„Das Fahrzeug sollte die Ausrüstung aufnehmen, die bisher auf zwei Fahrzeugen verteilt war, und einen fest eingebauten Wassertank beinhalten“, erklärte Lars Schwerthelm die Anforderungen. „Arbeitsabläufe sollten vereinfacht und das Bereitstellen von Löschwasser, Strom, und Licht – wenn nötig – von nur einer Person, dem Maschinisten, bewerkstelligt werden können.“
Den Weg von diesen Überlegungen aus dem Brandschutzbedarfsplan vom November 2013 bis zur Abholung des Fahrzeugs im Dezember 2016 verglich Schwerthelm mit einer Schwangerschaft. Die „Zeugung“ sei „eine höchst sensible Situation, da man auf die Empfängnisbereitschaft von Verwaltung und Rat hoffen muss.“ Sprich vor allem auf die Einsicht, dass viel Geld locker gemacht werden muss. Dann sei ein langer Weg der Entwicklung gefolgt, bis der hochkomplexe Nachwuchs für den Fuhrpark das Licht der Welt erblickte – Ausschreibungen, viele Gespräche zwischen allen Beteiligten, was ist unbedingt nötig, was wünschenswert, was entbehrlich.
„Gut auf demografischen Wandel eingestellt“
Drei Jahre also hat diese „Löschfahrzeug-Schwangerschaft“ gedauert. Eine schwere Geburt, könnte man sagen. Aber mit gutem Ende. „Mit dem neuen Fahrzeug ist die Wehr gut auf den demografischen Wandel eingestellt“, lobte Kreisbrandmeister Volker Keilholz. Stadtbrandmeister Klaus-Dieter Schröder freute sich: „Endlich konnten wir die alten TLF-Gurken ausmustern.“ Zusammen mit den Anschaffungen der letzten Jahre – Drehleiter und Löschgruppenfahrzeug in der Kernstadt sowie das neue Auto für Osterhagen – werde ein Kreis geschlossen: „Wir haben jetzt vernünftige Fahrzeuge“, darunter eben auch in Bartolfelde eines mit einem Tank, wie man es seit Jahrzehnten gefordert habe.
Abschnittsleiter Martin Dannhauer betonte, die Bartolfelder Einsatzkräfte könnten mit dem neuen Fahrzeug „kompetente Hilfe leisten.“ Er verbindet damit zugleich die Hoffnung, dass die neue Technik vielleicht dabei hilft, weitere Menschen für ein Engagement in der Wehr zu begeistern. Es sei in der heutigen egoistischen „Ellenbogengesellschaft“ nicht mehr normal, sich ehrenamtlich für andere einzusetzen. Dannhauer appellierte: „Unterstützen Sie Ihre Freiwillige Feuerwehr – werden Sie Förderer oder aktives Mitglied.“
Viertes neues Fahrzeug innerhalb von fünf Jahren
Alle Redner dankten dem Rat und der Verwaltung, den Bürgerinnen und Bürgern dafür, dass sie den „Kameradinnen und Kameraden dieses neue Gerät zur Verfügung stellen, damit sie ihre ehrenamtliche Arbeit so gut wie möglich verrichten können“, wie es Lars Schwerthelm ausdrückte. Und natürlich dankten sie dem Förderverein und den Spendern, die 13.000 Euro beigesteuert hatten, damit das Fahrzeug noch besser ausgestattet werden konnte.
Nach so vielen Worten konnte sich Bürgermeister Dr. Thomas Gans kurz fassen. Er schloss sich dem Dank an und freute sich: Das neue Auto sei „jetzt eine, fast zwei Nummern größer“, als im Bedarfsplan gefordert. Die Freiwilligen Feuerwehren seien die wichtigste Komponente für die Sicherheit in der Stadt, sie bräuchten modernes technisches Equipment, damit sie ihre Aufgaben erfüllen könnten, weiß er um die Bedeutung.
Tatsächlich ist für Thomas Gans die Übergabe eines Feuerwehrfahrzeuges auch gar nicht mal so selten: In den fünf Jahren seiner Amtszeit war die Bartolfelder Zeremonie bereits die vierte im Stadtgebiet. „Ich muss sagen, das macht mich stolz“, gestand er und reichte kurz darauf die Autoschlüssel an Lars Schwerthelm weiter.
Technische Daten MLF
(MLF = mittleres Löschfahrzeug)
Fahrgestell MAN
Aufbau Meinicke
zulässiges Gesamtgewicht 12 Tonnen
250 PS
Abgasnorm EURO 5
Straßenfahrgestell
Automatikgetriebe
Ausstattung:
Tragkraftspritze, Leistung 1.700 Liter/Minute
tragbarer Stromerzeuger, 9 kVA
zwei Pressluftatmer im Mannschaftsraum
zwei Pressluftatmer im Geräteraum
pneumatischer Lichtmast mit vier Xenon-Scheinwerfern
Löschwassertank, 1.600 Liter
sowie zahlreiche Geräte und Werkzeuge zur Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung