Geschrieben von Dirk Schariott (Kursana) am 26. Januar 2018
Reden mit Engelszungen
„Grüne Engel“: Gesprächsrunden mit Ute Kruse wecken Erinnerungen bei Senioren

Ob man nun daran glaubt oder nicht, Engel werden immer gern gesehen. Um einem „Grünen Engel“ zu begegnen, müsste man in Bad Lauterberg und Umgebung sein, zum Beispiel im Kursana Domizil. Dort nämlich ist einer der Wirkungskreise von Ute Kruse als „Grüner Engel“. Sie und ihre 14 Helferinnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, in Seniorenheimen oder Krankenhäusern, beispielsweise der Fachklinik für Orthopädie und Rheumatologie Dr. Muschinsky oder der Kirchberg-Klinik, mit den Menschen zu sprechen, ihnen zuzuhören, sie zu trösten. Bei manchen sind sie gar ein wenig „Familienersatz“.
Dann sprudeln die Erinnerungen
Im Haus Lukas des Kursana Domizils freuen sich die Bewohner auf die monatlichen Gesprächsrunden mit Ute Kruse. „Ich werde immer wieder auf den Fluren gefragt, wann Frau Kruse denn nun endlich wieder da ist. Ihre beliebten Gesprächsrunden sind eine nicht hoch genug zu lobende Erinnerungsarbeit, die als Vergnügen daher kommt“, weiß Domizil-Direktorin Renate Springborn-Aschoff. „Wenn sie sich auf ein Thema vorbereitet hat und es dann anspricht, sprudeln die Erinnerungen bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern nur so.“
Auch wer eigentlich nur zuhören wollte, steuert auf einmal seine Meinung bei. Ganz egal, ob es um Zubereitung von Mahlzeiten oder Rezepte, um Haushaltsarbeiten oder Naturbeobachtungen geht. Wenn Ute Kruse zu sprechen beginnt, wird regelrecht lebendig, was sie schildert. Die Hausbewohner fühlen sich in alte Zeiten versetzt und fördern eigene Erinnerungen zutage. Und wenn das Gespräch das vorbereitete Thema mal verlässt – auch gut. Aber man redet.
Das ist eine von uns
Das liegt garantiert auch daran, dass es zu Ute Kruses eigenem Leben viele Parallelen gibt. Die 1942 Geborene kennt vieles aus einem Alltag, mit dem junge Leute heute nichts mehr anfangen können. „Das ist auch für mich sehr wertvoll. Ich lerne immer noch dazu. Ältere Leute erzählen so vieles, was nicht verloren gehen sollte.“ Und die Gesprächsteilnehmer spüren: Das ist eine von uns. Die weiß Bescheid.
Seit über dreißig Jahren engagiert sich Ute Kruse – zunächst als „Grüne Dame“, dann als „Grüner Engel“, die sich übrigens immer über Verstärkung durch neue Helfer bei der ehrenamtlichen Betreuung von Kranken und Heimbewohnern freuen. Sie selbst hat im eigenen Leben viel Gutes erfahren. Davon möchte sie etwas zurückgeben, so Kruses einfache Erklärung für ihr Engagement. Dass sie 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, ist äußeres Zeichen dafür, wie sehr ihre Arbeit geschätzt wird. Und die macht sie leidenschaftlich gerne. Mit einem Schmunzeln meint sie: „Ich kann da nichts für!“
Wenn sie geht, entdeckt man den weißen Engel auf der Rückseite des grünen T-Shirts. Man ist wahrhaftig einem Engel begegnet!