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Dienstag, 20. Oktober 2026
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Geschrieben von ski am 23. Juni 2026.

Politik

SoVD-BürgerBühne zur Kommunalwahl

Am Montagabend stellten sich vier Kandidatinnen und Kandidaten fürs Bürgermeisteramt der Diskussion bei der Veranstaltung des SoVD

Von links: Frank Uhlenhaut, Lea Peters, Nils Gehrke, Anna-Lena Richter, Rolf Lange, Stefanie Jäkel
Von links: Frank Uhlenhaut, Lea Peters, Nils Gehrke, Anna-Lena Richter, Rolf Lange, Stefanie Jäkel
Die Kurhausterrasse war komplett gefüllt, einige hörten auch vom Kurpark aus zu
Die Kurhausterrasse war komplett gefüllt, einige hörten auch vom Kurpark aus zu
Die Themen, die die BürgerInnen bewegen, waren vom SoVD beim Frühlingshappening erfragt worden
Die Themen, die die BürgerInnen bewegen, waren vom SoVD beim Frühlingshappening erfragt worden

Lesen Sie auch den Kommentar zu dieser Veranstaltung: Das ist doch...nicht das Wesentliche

 

Beim Frühlingshappening hatte der SoVD Bad Lauterberg die Besucherinnen und Besucher gefragt, welche Themen ihnen bei der Kommunalwahl auf den Nägeln brennen. Aus diesen Antworten wurden vier Themenblöcke ausgewählt, um die vier BürgermeisterkandidatInnen dazu bei der „BürgerBühne“ öffentlich zu befragen. Über 100 ZuschauerInnen kamen am Montag, 22.06.2026 auf die Kurhausterrasse, um sich selbst ein Bild von den Kandidierenden zu machen. Kein Wunder: 
„Es geht um uns, es geht um unsere Kommune“, so Frank Uhlenhaut bei der Begrüßung im Namen des SoVD-Ortsvorstands. Souverän moderiert wurde die Veranstaltung von Stefanie Jäkel, der Pressesprecherin des SoVD Niedersachsen. Die vier Gäste mussten sich den drei im Voraus bekannten Themen und einem Überraschungsthema stellen. Was die BesucherInnen des Frühlingshappenings am meisten bewegt hatte, waren der Straßenzustand, die Sauberkeit in der Stadt und die Unterstützung für Senioren und Jugendliche – als Überraschungsthema kam dann noch die Bürgerbeteiligung dazu. 

Bei einer einer kurzen Vorstellungsrunde wurden die Kandidatinnen und Kandidaten Nils Gehrke (SPD), Rolf Lange (CDU), Lea Peters (parteilos) und Anna-Lena Richter (WgiR) auch nach ihrer Motivation für die Bürgermeisterkandidatur befragt. 

Rolf Lange, 61 Jahre, 1 Kind, derzeit Amtsinhaber, erklärte, vorher im IT-Bereich selbständig gewesen zu sein und für den Verein Handel und Gewerbe 10 Jahre lang alle Veranstaltungen organisiert zu haben. Seine Motivation: „Die Arbeit ist noch nicht fertig, fünf Jahre reichen nicht“. 
Anna-Lena Richter, 40 Jahre, hat Spielewissenschaften studiert, sei hier familiär gebunden und selbständig tätig: „Ich will als Parteilose für die Wählergruppe, dass mehr auf die Bevölkerung gehört wird“. 
Lea Peters erklärte, sie sei vor zehn Jahren zur Ausbildung als Physiotherapeutin nach Bad Lauterberg gekommen und dann hier geblieben, parteilos, „Ich habe mein Ohr in der Bevölkerung und informiere die Leute bei Facebook und Instagram – das will ich auch fürs Rathaus“. 
Nils Gehrke, 37, zweifacher Vater, hat Politikwissenschaft im Ruhrgebiet und Göttingen studiert, jetzt an der Uni Göttingen in der IT tätig: „Ich habe das Gefühl, dass wir in den letzten fünf Jahren auf der Stelle treten, die Probleme dürfen nicht länger liegenbleiben“. 

Straßenzustand

Der Straßenzustand war das erste Thema. „Wichtig ist, dass man den Teufelskreis durchbricht, dass der Bauhof nur die Löcher zuschüttet“, so Nils Gehrke (SPD). Welche Straßen zuerst gemacht werden sollen, dafür müsse es objektive Kriterien geben, damit sich nicht gerade der Rat die Straßen vor der eigenen Haustür schönmache. „Wir kriegen vom Bund-Sondervermögen 4,1 Millionen Euro, die müssen in die Straßen“.  Dagegen verwahrte sich der jetzige Bürgermeister Rolf Lange (CDU) : „Das ist nicht nur Flickschusterei, die wir machen“. Das Sondervermögen dürfe ausserdem nur für investive Maßnahmen ausgegeben werden. Anna-Lena Richter (WgiR) befand, man mache zu wenig mit Förderungsprojekten, da gäbe es 20 Millionen Euro in zehn Jahren, die man eventuell möglich kriegen könnte, um damit eine Grundsanierung zu machen. Rolf Lange erwiderte, von Förderprojekten sei ihm nichts bekannt, man mache ja vier bis acht Straßen im Jahr. Lea Peters (parteilos) befand, man solle eine Pavemaker-Maschine anschaffen, die Löcher mit Flüssigasphalt zuschütte. 

Sauberkeit in der Stadt

Das zweite Thema, die Sauberkeit in der Stadt, erstaunte Moderatorin Stefanie Jäkel: „Ich empfinde das hier als sehr sauber“. Doch die gesammelten Stimmen beim Frühlingshappening sahen das wohl anders, auch Bürgerfragen bei der Veranstaltung schlugen in diese Kerbe. Anna-Lena Richter befand, dass Bad Lauterberg immer mehr verkomme und möchte eine Müllmelde-App einführen. Für verfallende Häuser wolle sie ein Erhaltungskonzept haben. Gerade die französische Kaserne am Schickert-Gelände solle erhalten bleiben, erklärte sie. 
Lea Peters fand, dass der Bauhof neu werden müsse und mehr Mitarbeiter benötige, die nicht nur die Kernstadt ordentlich halten sollen, sondern auch die Dörfer. Rolf Lange verwies darauf, dass wegen eines strengen Winters mit viel Winterdienst die Mitarbeiter im Sommer Überstunden abfeiern, und dass es bereits das Sag‘s mir-Portal auf der Internetseite der Stadt gebe. Zudem werde nun der Müll auch samstags in der Hauptstraße geleert und verfallende Häuser seien Sache des Eigentümers. Die Stadt könne erst eingreifen, wenn die Verkehrssicherheit gefährdet sei. Peters beklagte auch, sie habe mit dem Bauhofleiter sprechen wollen, aber als Ratsmitglied werde sie ausgebremst und ihre Fragen nicht beantwortet, es solle alles über Rolf Lange gehen, da gebe es vielleicht Dinge, die sie nicht wissen solle. Lange konterte: „Auskunftspflichtig ist nur der HVB“ (HVB = Hauptverwaltungsbeamter, also Bürgermeister, wie Moderatin Stefanie Jäkel und die Anwesenden lernten). Frau Peters solle ihm ihre Fragen schicken, dann würden sie ausführlich beantwortet. Der Bauhof benötige aber ein neues Gebäude, damit es den Mitarbeitern auch Spaß mache, zur Arbeit zu kommen. 
Nils Gehrke empfahl, das Mängelmeldeportal auf der Internetseite bekannter zu machen, und direkt im Bauhof zu verankern, damit die dort gemeldeten Mängel auch angegangen werden. Um das ganze Stadtgebiet und die Ortsteile abzudecken, müsse der Bauhof ganz anders aufgestellt werden. 

Unterstützung für Senioren/Jugendliche

Der dritte Themenkomplex lautete Unterstützung für Senioren und Jugendliche. Lea Peters bemängelte, für die Älteren fehle es an Barrierefreiheit. Sie empfahl, dass die Geschäfte in der Hauptstraße Alu-Rampen anschaffen, die Stufen bis 30 cm überwinden könnten, es gebe Vereine, die diese kostengünstig zur Verfügung stellen. 
Nils Gehrke schlug ein Mobilitätskonzept ähnlich wie das in der Gegend bereits bestehende „Mobile Eisdorf“ vor; um etwa einen Busshuttle einzuführen, damit auch die Älteren an Angeboten teilhaben können. Bei der Straßenerneuerung müsse daran gedacht werden, auch Bordsteine abzusenken, damit sie z.B. mit Rollator leichter zu überwinden sind. Was den Jugendlichen heute Spaß machen, wüssten diese selbst am besten, man müsse mit diesen zusammen sehen, welche Ideen – Pumptrack, Downhillstrecke, Skatepark… dann auch zünden und sich nachhaltig umsetzen lassen. Sein erster Gang wäre daher zum Stadtjugendpfleger, der da viel näher an den Jugendlichen dran sei. 
Anna-Lena Richter erklärte, selbst sehbehindert zu sein, wie viele Leute im Alltag, Schwierigkeiten mit dem Sehen hätten, auch dies müsse mitbedacht werden. Für die alten Leuten in den Dörfern sei es oft schwierig, zu Veranstaltungen zu kommen. Überall werde von Digitalisierung gesprochen, die älteren Leute hätten damit aber immer Probleme. Sie schlug daher die Einführung von Digitalpaten vor, damit die ältere Leute die Angst verlieren. Man dürfe sie nicht sich selbst überlassen, das wäre auch Pflicht der Stadt. Mit einem Jugendbudget sollen die Jugendlichen selbst überlegen, wie sie es einsetzen. 
Rolf Lange verwies auf den neuen Jugendraum, der bald in der ehemaligen Berufsschule am Heikenberg eröffnet werden soll, und lobte den Jugendpfleger. Schon jetzt kämen immer mindestens 16 Jugendliche zu den Öffnungszeiten, man sei da auf einem guten Weg und habe ja auch die Vereine der Stadt. Für einen Pumptrack fehle der Platz, aber da müsse man auch mit dem Kämmerer reden. 

Mehr Bürgerbeteiligung

Das vierte Thema, das von den Leuten beim Frühlingshappening häufig genannt, aber den KandidatInnen nicht vorher verraten worden war, lautete „Mehr Bürgerbeteiligung“.  Rolf Lange erklärte, er könne sich schon denken, woher das komme, schließlich habe man gerade drei Projekte zu erneuerbaren Energien auf den Ortsteilen Barbis, Bartolfelde und Osterhagen, die für sehr viele Diskussionen sorgten. Es werde seitens der Ortsteile kritisiert, dass man schlecht kommuniziert habe und die Bürgerbeteiligung nicht gut gelaufen sie. Aber was man jetzt gemacht habe mit der Einwohnerbefragung sei das höchste Maß an Bürgerbeteiligung, was überhaupt möglich sei. Man habe die Ortsräte seit fünf Jahren und er sehe da auch alle Ortsräte in der Pflicht, entsprechend zu informieren. Bei größeren Projekten versprach er dennoch, in Zukunft frühzeitig Infoveranstaltungen durchführen zu wollen.  
Anna-Lena Richter erklärte, man lebe im digitalen Zeitalter, da die Bürger nicht immer zur Ratssitzung kommen könnten, benötige man ein digitales Grundkonzept. Sie wolle mit der Wählergruppe bürgernah sein und die Leute einbinden und dazu direkt mit den Bürgern reden. Man könne quasi eine umgekehrte Einwohnerfragestunde nicht nur im Rathaus, sondern auch z.B. im Kurpark oder in der Kirche veranstalten. 
Lea Peters erklärte, die Bürger fänden in der ganzen Politik in Deutschland zu wenig Gehör, das habe zu Politikverdrossenheit geführt. Daher habe sie nach jeder Ratssitzung gleich Facebook und Instagram aufgemacht und gepostet. Mehr Vertrauen gebe es nur, wenn auch gemacht würde, was die Menschen wollen; außerdem befürworte sie eine Bürgersprechstunde. 

Nils Gehrke betonte, es sei die Aufgabe und die erste Pflicht des Bürgermeisters, die Öffentlichkeit zu informieren, und nicht in Salamitaktik zu verfallen. Dagegen verwahrte sich Rolf Lange,  schließlich könne man auf der Internetseite der Stadt alle Sitzungen und Protokolle finden, er weise von sich, dass er seiner Informationspflicht nicht nachkäme, die Stadt veröffentliche alles auf ihrer Internetseite und auch im Amtsblatt, dazu sei sie verpflichtet. Dem erwiderte Gehrke, man dürfe  nicht nur auf das Amtsblatt verweisen oder soziale Medien verwenden, schließlich erreiche man damit nicht alle. Mit den Protokollen aus stundenlangen Ratssitzungen könne nicht jeder etwas anfangen. Lokaljournalismus könne man nicht herzaubern, darum müsse die Stadt auch über die Information ihrer BürgerInnen mit Gedrucktem nachdenken, und zwar mit aufgearbeiteten Inhalten in verständlicher Sprache, quasi als Übersetzung. Auch Gehrke sprach sich für eine Bürgersprechstunde aus. 
Rolf Lange betonte, es könne sich jede/r Bürger/in einen Termin bei ihm holen; dass er keine Sprechstunde anbiete, sei auf Ratschlag seiner Verwaltung geschehen. 

"Was befähigt sie zum Bürgermeisteramt?"

Auf die Frage eines Bürgers, warum sich die Kandidatinnen und Kandidaten denn befähigt fühlren, Bürgermeister von Bad Lauterberg zu werden, schließlich sei das so etwas wie die Leitung einer Firma, antworteten sie wie folgt: 
Anna-Lena Richter: „Ich weiß, dass Verwaltung immer wichtig ist, ich bin seit vielen Jahren selbständig, ich habe eine Firma, und dementsprechend kann ich das, ich kann sowohl Verwaltung als auch Soziales.“
Rolf Lange: „Ich war vor meiner Amtszeit auch selbständig und ich führe die Verwaltung seit viereinhalb Jahren, ich denke, gar nicht so schlecht, und wer sich ein Bild davon machen will, kann gerne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragen, davor habe ich keine Angst.“
Lea Peters: „Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, ich bin mit unternehmerischem Denken aufgewachsen, außerdem bin ich sehr lernwillig und lernbereit, ich würde mich da voll reinhängen, die Verwaltung zu verstehen und mir das Wissen anzueignen.“ 
Nils Gehrke: „Ich habe zum einen die fachliche Expertise schon studiert und kenne mittlerweile in der Universität Göttingen Verwaltung auch von innen, bin dort in einer leitenden Position tätig. An einem Punkt muss ich aber ein bisschen widersprechen: eine Kommune ist nicht nur eine Firma, sie ist noch viel, viel mehr. Da geht es um den Menschen, man muss die Leute auch mitnehmen und dahin möchte ich unsere Verwaltung weiterentwickeln.“ 


Der Dank von Frank Uhlenhaut galt am Ende der Veranstaltung nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern für ihre Beteiligung sowie Stefanie Jäkel für die Moderation, sondern auch dem Team vom Lauter-berger Genuss, die die Veranstaltung trotz ihres Ruhetags möglich gemacht haben. 

Hier der Kommentar zur Veranstaltung:  Das ist doch ... nicht das Wesentliche

 


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