Eigentlich wollten sich die Ratsmitglieder am Samstag (15.11.2014) ja nur einmal die beiden Grundschulen angucken, . Eigentlich wollten sich die Ratsmitglieder am Samstag (15.11.2014) ja nur einmal die beiden Grundschulen angucken,

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Montag, 15. April 2024
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Geschrieben von Boris Janssen am 16. November 2014.
Politik

„Rückschritt statt Schule der Zukunft“

Man möchte kein Ratsmitglied sein: Die Begehung der Grundschulen „Am Hausberg“ und Barbis hat fast mehr Fragen als Antworten geliefert

Das Machbare ist nicht genug, wenn es nur das Minimalprogramm ist. Bloß wie ist mehr machbar?
Das Machbare ist nicht genug, wenn es nur das Minimalprogramm ist. Bloß wie ist mehr machbar?
Etwa 100 Kernstädter warben bei den Ratsmitgliedern für den Standort „Am Hausberg“…
Etwa 100 Kernstädter warben bei den Ratsmitgliedern für den Standort „Am Hausberg“…
…brachten Argumente mit…
…brachten Argumente mit…
…Transparente…
…Transparente…
…oder Plakate.
…oder Plakate.
Die Barbiser fuhren indes eine ganz andere Taktik: Sie vertrauten darauf, dass ihre Schule schon ganz alleine wirkt.
Die Barbiser fuhren indes eine ganz andere Taktik: Sie vertrauten darauf, dass ihre Schule schon ganz alleine wirkt.

Eigentlich wollten sich die Ratsmitglieder am Samstag (15.11.2014) ja nur einmal die beiden Grundschulen angucken, über deren Zukunft sie wohl am 27. November 2014 entscheiden sollen. Aber Lehrerkollegien und Schulvorstände der Grundschulen „Am Hausberg“ und Barbis haben ihnen noch einmal einen Batzen Hausaufgaben mitgegeben. Es gehe bei dieser Frage nicht einfach nur um einen Standort. Es gehe um Konzepte und ganz grundsätzliche, für Jahrzehnte wegweisende Überlegungen.

Vor allem kritisierten Anke Tilhein-Engelke (Leiterin Grundschule am Hausberg) und Nicole Möhring (kommissarische Leiterin Grundschule Barbis) das nunmehr angeschlagene Tempo. „Mir wird angst und bange, wenn ich höre, dass die Zusammenlegung im nächsten Jahr über die Bühne gehen soll“, bekannte Tilhein-Engelke zunächst bei der Begehung in der Kernstadt. Und Möhring forderte später in Barbis: „Wir dürfen nicht mit soviel Macht und Druck gedrängt werden.“

 

„Schule hat sich extrem verändert“

Bei der Entscheidung für ein neues Grundschulkonzept übernehme der Stadtrat „weitreichende Verantwortung für die nächsten 40, 50 Jahre“, mahnte Tilhein-Engelke. „Wir müssen deshalb ein gutes Konzept haben.“ Man dürfe nicht vergessen, dass sich Schule extrem verändert habe. Dass wie früher um die 1.000 Kinder ein Gebäude wie die Grundschule am Hausberg besuchen, sei nach heutigen pädagogischen Ansätzen undenkbar. Durch gesellschaftliche Entwicklungen bräuchten die Kinder heute auch mehr Möglichkeiten für Bewegung. Dazu komme noch die Herausforderung Inklusion. Man müsse jederzeit in der Lage sein, einzelne Kinder aus dem laufenden Unterricht herauszunehmen und in gesonderten Räumen zu betreuen. „Wir brauchen Räume für Förder- und Beratungslehrer, einsehbare Gruppenräume – und wir müssen Fachräume haben“, erklärte die Bad Lauterberger Schulleiterin.

So etwas berücksichtige die vorliegende Machbarkeitsstudie, die die einzelnen Grundschulen auf ihre Eignung als künftig einzigen Standort im Stadtgebiet untersucht, nur sehr beschränkt. „Die Räume reichen überall nicht aus – wir brauchen ein bisschen mehr“, bemerkte Tilhein-Engelke. Immer wieder wurde an diesem Vormittag an die vielzitierte Aufforderung von Bürgermeister Dr. Thomas Gans erinnert: Los, lasst uns gemeinsam die Schule der Zukunft erträumen. Beide Schulleiterinnen und auch Stefan Langer, der für den Bad Lauterberger Schulvorstand sprach, stellten jedoch fest: Statt einer Schule der Zukunft biete die Machbarkeitsstudie nur eines – einen gewaltigen Rückschritt.

 

„Eigentlich ist es jetzt optimal“

Denn eigentlich sei die Situation in den Bad Lauterberger Grundschulen gerade jetzt optimal, waren sich die Redner einig. Derzeit habe man eben ausreichend viele Räume. Und gleichzeitig seien die Schulen in der Kernstadt und in Barbis ja noch gut ausgelastet. Man solle sich ernsthaft überlegen, ob die Grundschulen „Am Hausberg“ und Barbis nicht doch noch ein paar Jahre nebeneinander betrieben werden können. Dann gewönne man wertvolle Zeit, um ein gutes Konzept zu erarbeiten und vielleicht zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für eine bessere Ausstattung zu erschließen. Für Barbis gebe es zum Beispiel bereits die Bereitschaft eines Sponsors, erklärte Nicole Möhring. Eventuell könne ja auch das Dorferneuerungsprogramm genutzt werden.

Nebenbei stellten die Schulleiterinnen eine wesentliche Grundprämisse der Machbarkeitsstudie in Frage: Warum soll es überhaupt eine Ganztagsschule sein? Bisher gibt es nur in Bartolfelde eine offene Ganztagsschule, bei der die Teilnahme an Nachmittagsangeboten für die Kinder aber nicht verpflichtend ist. Weder in der Kernstadt noch in Barbis gebe es bisher seitens der Eltern irgendwelche Wünsche nach einer Ganztagsschule, betonten die Schulleiterinnen. Allein die für einen Ganztagsbetrieb nötige Mensa verschlänge enorme Kosten: laut Studie in der Kernstadt 293.000 Euro, in Barbis gar 578.000 Euro.

„Ich glaube daran, dass wir eine gute Schule aufbauen können“, zeigte sich Tilhein-Engelke letzlich überzeugt. Schließlich werde in allen Schulen sehr gute Arbeit geleistet, und das wolle man erhalten. Damit das klappt, müssen sich die Ratsmitglieder nun wohl noch etwas mehr anstrengen. Aber Anke Tilhein-Engelke gab ihnen auch eine Motivation mit auf den Weg: „In Bad Lauterberg gibt es tolle Kinder. Die sind es wert.“

 

Kernstädter demonstrieren für ihre Grundschule

Eigentlich hatten sich Kollegien und Schulvorstände vorgenommen, die Begehung neutral und objektiv zu halten. Hundertprozentig gelang das dann natürlich doch nicht – aber egal, es waren ja beide Schulen gleichermaßen dran.

In der Kernstadt nutzten etwa 100 Menschen die Gelegenheit, für den Standort „Am Hausberg“ zu demonstrieren. Sie empfingen die Ratsmitglieder mit Transparenten, suchten das Gespräch und verteilten einen selbst erstellten Entwurf, wie ihrer Meinung nach im bestehenden Gebäude zwölf Klassenräume, mehrere direkt anliegende Gruppenräume, die Mensa und sogar vier Fachräume untergebracht werden könnten. Dieses Angebot sei schon größer, als es Barbis selbst mit dem Anbau aus der Machbarkeitsstudie haben würde.

In Barbis hätten die Eltern ganz bewusst auf eine Demonstration verzichtet, erklärte Nicole Möhring – nicht mangels Interesse, sondern um die Neutralität zu gewährleisten. Dafür bewarb sie „ihre“ Schule selbst ein bisschen stärker als ihre Kollegin in der Kernstadt das getan hatte. Sie habe für die Vorstellung ihrer pädagogischen Sichtweise auf der gemeinsamen Sitzung des Bau- und des Sozialausschusses im Oktober viel Kritik geerntet. Dabei seien diese Ideen nicht utopisch, sondern im „lichtdurchfluteten“, ebenerdigen Barbiser Gebäude leicht umzusetzen.

 

Möchten auch Sie sich die Schulen genauer angucken? Machen Sie hier selbst eine Begehung:

Grundschule am Hausberg
Grundschule Barbis


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