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Dienstag, 20. Oktober 2026
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Geschrieben von Boris Janssen am 15. März 2016.
Politik

Der Traum vom normalen Schulalltag

Schulausschuss zur Grundschule am Hausberg: Ein Ganztagsbetrieb schafft neue Betreuungsprobleme – Schulleiterin fordert attraktiveren Schulhof sowie eine neue Bushaltestelle und hofft, dass bald wieder Normalität einkehrt

Das Fundament ist schon erkennbar: Noch viereinhalb Monate bis zum gewünschten Starttermin für die Bad Lauterberger Ganztagsschule.
Das Fundament ist schon erkennbar: Noch viereinhalb Monate bis zum gewünschten Starttermin für die Bad Lauterberger Ganztagsschule.
Nein, dieses Bild ist nicht mit Farbfiltern bearbeitet und es hat auch nichts mit der Baustelle zu tun – der Schulhof der Grundschule am Hausberg ist tatsächlich derart monochrom.
Nein, dieses Bild ist nicht mit Farbfiltern bearbeitet und es hat auch nichts mit der Baustelle zu tun – der Schulhof der Grundschule am Hausberg ist tatsächlich derart monochrom.

Beim Um- und Anbau der Grundschule am Hausberg ist Bürgermeister Dr. Thomas Gans ungebrochen optimistisch: „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass alles bis zum nächsten Schuljahr fertig wird“, sagte er am Mittwoch (09.03.2016) auf der Sondersitzung des Schulausschusses. Diese Sitzung hatte der Ausschuss wegen Redebedarfs selbst anberaumt.

Gans erklärte, von Seiten der Stadt als Schulträger werde die Hausbergschule nach dem Ende der Sommerferien in viereinhalb Monaten dafür fit sein, als dann einzige Grundschule der Stadt zu dienen – und zwar mit Ganztagsbetrieb. Allerdings zeichnen sich noch weitere Baustellen ab, auf die Schulleitung, Elternvertreter und Ausschussmitglieder schon einmal hinwiesen: Der Schulhof müsse dringend verschönert werden, die Bushaltestelle gehöre ans Schulgelände verlegt und über kurz oder lang müsse sich die Stadt wohl auch über zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten Gedanken machen. Denn ein Ganztagsbetrieb der Schule würde noch nicht einmal die jetzigen Zeiten des Schülerbetreuungsvereins abdecken können.

 

Ganztagsschule heißt auch: Freitags keine Betreuung mehr

Die Betreuung wurde denn auch zum Hauptthema der Sitzung. Sollte die Ganztagsschule tatsächlich zum kommenden Schuljahr starten, so würde sie nur Montag bis Donnerstag umfassen. Freitags wäre um 13 Uhr Schluss. So sieht es nicht nur das von der Grundschule am Hausberg bei der Landesschulbehörde eingereichte Konzept vor, mit dem gleichzeitig der Schülerbetreuungsverein wegfiele, der bisher auch den Freitag übernimmt. Eine Betreuung am Freitag werde vom Schulgesetz weder gefordert noch sei sie in Niedersachsen üblich, erklärte Hausberg-Schulleiterin Anke Tilhein-Engelke. „Es ist nicht Aufgabe der Schule, die Kinder zu betreuen.“ Dass dies in Bartolfelde möglich war, habe am Engagement der Eltern und Betreuer gelegen, „das war etwas ganz Besonderes.“ Der Ausschussvorsitzende Axel Peter (SPD) sprang Tilhein-Engelke bei: Der Ganztagsbetrieb sei von der Landespolitik nur an vier Tagen vorgesehen. „Alles andere ist Kür – und die haben wir nicht.“ Vielleicht solle man aber den Betreuungsverein mal fragen, ob er denn nicht weiter machen wolle.

 

Eltern fragen sich: Bleibt die Stadt attraktiv?

Auch Elternvertreter Max Reister nahm die Schulleitung in Schutz, gleichzeitig aber die Stadt in die Pflicht: Es sei durchaus großartig, was in der und um die Grundschule gerade passiere. Aber seien für die Kinder nicht doch die bewährten kleinen Systeme besser als eine einzige große Schule? Die Eltern machten sich Gedanken, ob die Stadt insgesamt attraktiv bleibe. Und der Rat habe sich zu fragen: „Was machen wir wirklich für junge Leute und Familien?“ Die Stadt müsse dabei auch über Betreuungsangebote zusätzlich zur Schule nachdenken. Fritz Vokuhl (Grüne) verwies darauf, dass viele Eltern auf eine Betreuung angewiesen seien, und das im Übrigen nicht nur am Freitag, sondern auch in den Ferien. Bürgermeister Gans sah allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Notwendigkeit dafür, für nur einen Wochentag zum Beispiel einen Extra-Hort einzurichten. Zugleich schloss er nicht aus, dass man womöglich später einmal über Betreuungsangebote nachdenken müsse.

Holger Thiesmeyer (SPD) betonte, gerade mit der umgekrempelten Grundschule am Hausberg steigerten Rat und Verwaltung die Attraktivität der Stadt. „Wir werden in der Grundschule großzügige Räume haben, eine nigelnagelneue Turnhalle und eine Mensa – welche Stadt hat das schon?“ Dazu habe die KGS nach 40-jährigem Kampf endlich eine Oberstufe und mit den jüngst beschlossenen Investitionen in die Kindergärten „stellen wir uns für die Zukunft sehr gut auf.“ Gute Ausstattung von der Kita bis zum Abitur. Lediglich im Freizeitbereich müsse man überlegen, wie man die Situation verbessern könne.

 

Bushaltestelle an der Bundestraße „unverantwortlich“

Apropos Freizeit: Die Kinder der Grundschule am Hausberg verbringen ihre Pausen und Betreuungszeiten derzeit auf einer Asphaltwüste. Oder wie es Schulleiterin Tilhein-Engelke sagte: „Der Schulhof ist nicht attraktiv – da muss dringend was gemacht werden.“ Nicht zuletzt sei es der Zustand des arg trostlosen Geländes in der Kernstadt, der vielen Eltern aus den Ortsteilen Bauchschmerzen bereite, wenn sie daran denken, was mit den Grundschulen Bartolfelde und Barbis aufgegeben werde.

Außerdem forderte die Schulleiterin eine neue Bushaltestelle direkt am Schulgelände. Zwar hielten die meisten Busse nun nach einer Extra-Schleife schon auf der „richtigen“ Seite der Wissmannstraße und die Kinder brauchten nur noch durch die kleine Gasse zu gehen. Aber das Problem sei nicht der Weg, sondern die Wartezeit, in der die Kinder direkt an der Bundesstraße noch spielen und toben. „Eine Verlegung würde mich unheimlich beruhigen“, sagte Tilhein-Engelke. „Die jetzige Situation ist unverantwortlich.“

 

An Erhalt der Grundschule Barbis glaubt kaum noch wer

Mit dem Thema „Erhalt der Grundschule Barbis“ hatten bis auf Fritz Vokuhl inzwischen alle Ausschussmitglieder innerlich abgeschlossen. Uwe Speit (SPD) forderte dazu auf, sich lieber zu freuen, dass „wir endlich etwas richtig Gutes hinbekommen“, das voll und ganz dem Schulgesetz entspreche. Man solle die Eltern nicht weiter verunsichern. Christian Schäfer (CDU) befand, man solle nun die „ganze Kraft in diese eine Schule stecken.“ Eine Schule der Zukunft habe wenig mit dem Gebäude zu tun, sondern vor allem mit den Lehrmitteln darin.

Die Schulleiterin sorgte sich weiterhin um den Fahrplan der Bauarbeiten, zumal ihn die Verwaltung auch dieses Mal nicht näher erläuterte. Mit Blick auf den gewünschten Ganztagsbetrieb sagte sie: „Es müsste da schon einen Plan B geben, falls etwas schiefläuft.“ Und sie bekannte, noch bis zur jüngsten Ratssitzung, auf der der Umzug der städtischen Kita ins Barbiser Grundschulgebäude beschlossen wurde, hätten die Lehrerkollegien hinter der Idee zweier Grundschulstandorte in Bad Lauterberg gestanden. Aber ja, die Hausbergschule werde gut ausgestattet, mit Gruppenräumen sogar besser als die meisten anderen Schulen im Umkreis. Wichtig seien nun noch ein vernünftiger Schulhof, eine sichere Bushaltestelle, eine gute Aufnahme der Kinder aus der Grundschule Barbis und eine weiterhin gelingende Integration der Flüchtlingskinder. Am meisten aber wünscht sich Anke Tilhein-Engelke für die Zukunft ihrer Schule, dass endlich wieder ein normales Schulleben einkehrt: „Ich möchte gerne zum Alltag zurückkommen – davon träume ich.“

 

Das beherrschende Thema der vorangegangenen Schulausschuss-Sitzung vom 22.02.2016 waren Bedenken von Lehrer- und Elternschaft, ob der Ganztagsbetrieb überhaupt zum Schuljahr 2016/2017 starten kann. Diese Frage kam jetzt auf der Sondersitzung nur am Rande zur Sprache. Das nächste Treffen des Elternrates habe leider erst für den 16. März 2016 anberaumt werden können, erklärte Elternvertreter Max Reister dazu.


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