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Geschrieben von Boris Janssen am 25. Januar 2017.
Politik

Fünfte Gruppe für neue städtische Kita?

Verwaltung legt Ausschüssen neue Pläne für Kita-Umbau in Barbis vor – Architekt rechnet mit Mehrkosten von 86.000 Euro

Platz genug wäre da in der ehemaligen Grundschule Barbis. Aber reicht auch das Geld für einen fünften komplett ausgestatteten Gruppenraum der künftigen städtischen Kita?
Platz genug wäre da in der ehemaligen Grundschule Barbis. Aber reicht auch das Geld für einen fünften komplett ausgestatteten Gruppenraum der künftigen städtischen Kita?

Der Bedarf ist da, die Chance ist da – das sollte man nutzen, findet die Verwaltung und schlägt dem Stadtrat vor, beim Umbau der ehemaligen Grundschule Barbis in das neue Zuhause der städtischen Kita nun doch gleich einen fünften Gruppenraum einzurichten. Die entsprechend geänderten Pläne stellte Architekt Stefan Neitzke am Dienstag (24.01.2017) auf einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und des Sozialausschusses vor. Der Haken: Natürlich würden auch die Kosten steigen, und zwar um weitere 86.000 Euro.

Neitzkes zweite Kostenschätzung kommt jetzt auf exakt 942.053,43 Euro, womit das nächste Bauprojekt der Stadt an der Millionenmarke kratzen würde. Die Stadt selbst müsste davon etwa 479.000 Euro tragen, der Rest kommt aus dem Kommunalinvestitionsförderpaket des Bundes, also aus Fördergeldern (die der Stadt in dieser Höhe zur Verfügung stehen, egal wie teuer die Gesamtmaßnahme wird).

In den ursprünglichen Plänen war der fünfte Gruppenraum noch als „Individuell-Gruppenraum“ vorgesehen – quasi als Art Reserveraum, den man je nach Bedarf irgendwie nutzen könnte. Doch die im Dezember vorgestellten Ergebnisse zur Bedarfsabfrage, aber mehr noch zwischenzeitlich dazugekommene Anmeldungen machen für Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales Andreas Bähnsch deutlich: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir eine fünfte Gruppe in der städtischen Kindertagesstätte brauchen.“ Ob es eine Krippen-, Kita- oder gemischte Gruppe werde, stehe dabei noch nicht fest.

 

Wo kommen die Kosten her?

Natürlich steckt in den 86.000 Euro für den fünften Gruppenraum mehr als nur die Renovierung eines ehemaligen Klassenraumes. Zum Beispiel solle der Raum – wie die anderen auch – einen eigenen Nassbereich bekommen, erklärte Stefan Neitzke gegenüber LauterNEUES. Und spätestens mit dieser fünften Gruppe müsse eine Gewerbeküche mit entsprechender Spülmaschine her: „Mit mehr als 80 Kindern bekommt man das Geschirr sonst gar nicht mehr bewältigt.“ Ohnehin würden herkömmliche Küchen in einer solchen Einrichtung zunehmend als hygienisch bedenklich angesehen.

Im Übrigen gelte für das gesamte Projekt und die genannten Kosten: Am Ende soll das Gebäude mit seinem Außenbereich fix und fertig da stehen. Eine komplett nutzbare Kita mit allem, was dazugehört – erhöhte Spielebenen in den Räumen, Tische und Stühle, Kletterwände und Spielgeräte. Wer einmal einen entsprechenden Katalog in der Hand hatte, weiß, was solch geprüfte und zertifizierte Einrichtungsgegenstände kosten – Fördervereine können ein Lied davon singen.

Neitzke betont deshalb erneut ausdrücklich: „Hier kann von Luxus keine Rede sein.“ Die Maßgabe der Stadtverwaltung lautet lediglich, der Standard soll in allen vier Kitas im Stadtgebiet ähnlich sein. Sämtliche geschätzten Kosten resultierten aus den normalen Ansprüchen an den Kita-Betrieb, Forderungen des Brand- und Unfallschutzes sowie der Tatsache, dass das ehemalige Grundschulgebäude auch erst einmal saniert und modernisiert werden müsse, so Neitzke. „Da ist nur das Notwendige und Sinnvolle drin.“

 

Laut Architekt im Grunde nix zum Einsparen da

Von der Liste an Einsparmöglichkeiten, die Neitzke im Dezember vorgestellt hatte, ist inzwischen nur noch wenig übrig. Er rate dringend dazu, die Akustikdecken zu erneuern, gab Neitzke den Ausschüssen mit auf den Weg. „Die alten Decken sind in einem so schlechten Zustand, dass ein Verschieben keine sinnvolle Einsparmöglichkeit ist.“ Auch könne man in den Nassbereichen keine Vinylböden verlegen, sie seien nicht rutschfest genug. Auf den Unterstellplatz für Kinderwagen könne man ebenfalls nicht verzichten, er brauche aber nicht unbedingt beheizt zu werden.

Verzichte man im Kita-Bereich auf neue Bodenbeläge (in den Krippenräumen soll ohnehin eine Fußbodenheizung verlegt werden), könne man jetzt 12.500 Euro sparen. Allerdings müsse man die Räume bei späterer Nachrüstung komplett räumen, was die Arbeiten dann wohl um 20 Prozent teurer mache.

Problemlos möglich seien dagegen: ein Holzhaus statt eines massiven Unterstands für den Außenbereich der Krippe (Ersparnis etwa 2.000 Euro), Verzicht auf die jederzeit nachrüstbare Teilüberdachung für den Außenbereich der Krippe (7.140 Euro), Fliesen in Nassbereichen nur bis 1,30 Meter Höhe (2.500 Euro), eingezäunten Außenbereich verkleinern und dadurch Zaun um etwa 100 Meter verkürzen (8.500 Euro).

 

„Wollen Bedarfe der Eltern berücksichtigen“

Fachbereichsleiter Bähnsch freut sich nicht über die höheren Kosten „Aber die Maßnahme hat immer noch Sinn“, sagte er den Ausschussmitgliedern. Um den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu erfüllen, müsse die städtische Kita erweitert werden. Das gehe jedoch im derzeitigen Gebäude in der Aue einfach nicht. Die Verlegung sei unumgänglich, man spare sich dafür aber die Sanierung des alten Gebäudes und könne es stattdessen sogar verkaufen. Mit dem neuen Standort in Barbis könnte man dann flexiblere Betreuungsmöglichkeiten anbieten, bei fünf Gruppen für maximal 105 Kinder.

Natürlich könne man statt eines weiteren Gruppenraumes auch einfach die Betreuungszeiten ausweiten, zum Beispiel weit in den Nachmittag hinein. Dem Rechtsanspruch würde man damit gerecht, bestätigte Bähnsch eine entsprechende Andeutung von Volker Hahn (WgiR). Aber das Nachmittagsangebot werde gar nicht so sehr stark nachgefragt und „wir wollen doch die Bedarfe der Eltern berücksichtigen.“

Letztlich spielte Bähnsch den Ball an den Rat weiter: „Die Verwaltung sagt hier, was ist der Bedarf und was ist dafür dringend nötig.“ Entscheiden müsse dann der Rat.

 

Ratsleute brauchen mehr Informationen

Zu einer Empfehlung freilich mochten sich die Mitglieder der beiden Ausschüsse nicht durchringen. Volker Hahn sagte, er komme bei den Zahlenwerken der letzten Monate nicht mehr mit, bei denen „ein 100.000-Euro-Brocken nach dem nächsten versenkt“ werde. Holger Thiesmeyer und Uwe Speit (beide SPD) vertrauen zwar darauf, dass die Verwaltung die Summen im erst noch zu beschließenden Haushaltsplan 2017 berücksichtigt – und das dann auch mit dem Zukunftsvertrag im Einklang steht –, möchten das aber lieber noch einmal vom Kämmerer genau erklärt bekommen, der an diesem Abend nicht dabei war.

Und Klaus-Richard Behling (BI) vermisste nicht als einziger eine wirkliche Diskussionsgrundlage, weil die vorgelegte Kostenschätzung lediglich in fünf sehr grobe Punkte eingeteilt war (Baukonstruktionen, technische Anlagen, Außenanlagen, Ausstattung, Baunebenkosten). Architekt Neitzke begründete das damit, eine detaillierte Auflistung dürfe er nicht mehr veröffentlichen, weil sie Handwerkern als Richtschnur dienen und somit das Ausschreibungsergebnis beeinflussen könnte. Tatsächlich war seine Auflistung im Dezember wesentlich detaillierter ausgefallen: „Dafür habe ich vom Landkreis einen auf den Deckel bekommen“, sagte Neitzke.

Auf Antrag von Holger Thiesmeyer beschlossen die Ausschussmitglieder daher einstimmig, dass es rechtzeitig vor der nächsten Ratssitzung eine nicht-öffentliche Sitzung mit Kämmerer und Detail-Liste geben soll, bei der dann tiefergehende Diskussionen möglich sein sollen.

 

Bauantrag ist eingereicht

Die Planungen gehen unterdessen voran. Der Bauantrag sei am 18. Januar eingereicht worden, berichtete Stefan Neitzke. Jetzt laufe die Ausführungsplanung. Die Ausschreibungen sollen Mitte bis Ende Februar rausgehen, etwa einen Monat später rechnet der Architekt mit den ersten Angeboten, „sodass wir schnellstmöglich beginnen können.“ Für Ratsherr Uwe Speit ist dabei vor allem eines wichtig: „Nicht, dass unsere Kinder wieder in eine Bauphase kommen.“


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