Geschrieben von ski am 19. März 2016
Turbulente Jahreshauptversammlung beim Harzklub
Neue Heimatgruppenwartin, Beitragserhöhungen und eine musikalische Überraschung






Als Vereinsvorsitzender hat man's ja nicht immer leicht. Auch Heinz-Gerd Trüter musste seinen Harzklub-Mitgliedern bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung am 18.03.16 eine Kröte servieren, die nicht leicht zu schlucken war: nach vielen Jahren der Beitragsstabilität schlug der Vorstand seinen Mitgliedern eine Beitragserhöhung vor. Nach einigen Diskussionen wurden die vom Vorstand anvisierten Beiträge auch beschlossen, mit der Ausnahme des Kinderbeitrags. Dieser bleibt dem Beschluss der Mitglieder zufolge unverändert bei drei Euro im Jahr. Die aktiven Vereinsmitglieder bezahlen künftig statt acht Euro nun zwölf Euro jährlich, die passiven Mitglieder 18 Euro statt 16 Euro pro Jahr. Was künftig entfällt, ist der Familientarif (bislang 24 Euro pro Jahr).
Trotz dieser Erhöhungen dürfte der Harzklub damit immer noch einer der günstigsten Vereine überhaupt sein, wie auch einige Mitglieder bei der Versammlung anmerkten. Dennoch wurden auch Bedenken laut, ob dadurch nicht Familien übermäßig belastet und etliche Austritte provoziert werden.
Ein finanzielles Fundament schaffen
Doch der Vorstand hat natürlich auch gute Gründe für die Erhöhung: man rechnet mit rund 2000 Euro mehr Beitragseinnahmen durch die rund 400 Mitglieder. Damit hätte der Verein bessere Reserven für unvorhergesehene Ausgaben. Zwar hatte der Verein im vergangenen Jahr rund 500 Euro mehr eingenommen als ausgegeben, wie Schatzmeister Horst Jäde vorrechnete. Doch das klubeigene Wanderheim, die Uhlenflucht, benötigt in absehbarer Zeit eine neue Heizungsanlage, die mit rund 6000 Euro zu Buche schlagen wird. Und wenn der Verein sich an die Sanierung des Bismarckturms machen will, hofft man auf das Einwerben von zusätzlichen Fördergeldern. Doch dazu muss in der Regel auch ein beträchtlicher Anteil an Eigenmitteln nachgewiesen werden. Und dazu muss erst einmal das finanzielle Fundament gelegt werden, so argumentierte der Vorstand. Letztlich überzeugte dies die große Mehrheit der Mitglieder, die die Erhöhungen wie oben beschrieben beschlossen.
Beiratswahlen
Auch die Wahl der Beiräte verlief etwas turbulent. Auf einen Antrag seitens der Mitglieder, Dr. Nicole Fröhlich zur neuen Heimatgruppenwartin zu wählen, reagierte die bisherige Heimatgruppenwartin Erika Engelke souverän und stellte ihr Amt zur Verfügung. Dass Heinz-Gerd Trüter dadurch nicht auf seine Schriftführerin verzichten muss, wurde schließlich mit einem Blick in die Satzung geklärt. Nach dem plötzlichen Rücktritt der langjährigen Heimwartin im vergangenen Sommer hatte Heinz-Gerd Trüter dieses Amt kommissarisch mitübernommen – schließlich sind die Erträge aus der Vermietung der Uhlenflucht unverzichtbar. Es fand sich bei der Versammlung trotzdem niemand, der dieses Amt weiterführen wollte. Dafür erhielt Schatzmeister Horst Jäde Unterstützung durch Klaus Wiedemann, der künftig als stellvertretender Schatzmeister fungiert. Sämtliche anderen Beiräte wurden in ihren Amtern en bloc bestätigt.
Rückblick auf 2015
In seinem Jahresrückblick erinnerte Trüter unter anderem an den erfolgreichen Arbeitseinsatz im Mai 2015, wo durch die freiwilligen Helfer, worunter auch Nichtmitglieder waren, viele Arbeiten in der Wegeunterhaltung verrichtet werden konnten, die sonst nicht möglich gewesen wären. Auch der Tag der offenen Tür im Harzklubheim Uhlenflucht war erfolgreich. Die Uhlenflucht hat für den Verein eine zentrale Bedeutung, so Trüter: „An erster Stelle muss unser Heim stehen, das war und ist die Basis unseres Vereins. Dann kommen der Bismarckturm und das Wegenetz.“ Letzteres ist rund 120 km lang und wurde von Wegewart Harald Neuber und seinen Helfern in 285 Arbeitsstunden gepflegt. Wanderwart Wilhelm Diekmann konnte von 13 durchgeführten Wanderungen, davon 3 als Ferienpassaktionen, berichten. „Dabei kommen die meisten Teilnehmer von auswärts“, erklärte er und rief zur verstärkten Teilnahme der Mitglieder auf. Künftig sollen die Wanderungen des Harzklubs auch in das veröffentlichte Veranstaltungsprogramm des Kur- und Touristikbetriebs aufgenommen werden, um so hoffentlich mehr Wanderer zu gewinnen.
Die bisherigen Heimatgruppenwartin Erika Engelke konnte von gut besuchten Heimatnachmittagen berichten. Allerdings nähmen die personellen Engpässe durch Krankheit und hohes Alter immer mehr zu. Bislang sei es jedoch immer gelungen, auftrittsfähig zu bleiben.
Ehrenamtliche und Mitwirkende gesucht
Aber die Nachwuchssorgen machen dem Harzklub-Zweigverein natürlich zu schaffen, wie Trüter bei einem Pressegespräch vor der Versammlung erklärte. „Wir suchen immer Verstärkung für die Sängerinnen und Sänger der Brauchtumsgruppe, sowie ehrenamtliche Helfer für die Wegearbeit.“ Die Altersstruktur der Aktiven fordert ihren Tribut: „Wir haben einfach keine Leute mehr, die mit Hacke und Schaufel in den Wald fahren und einen Pfahl in die Erde kloppen, um ein Schild daran aufzuhängen.“ Da bleibt derzeit nur eine Option: das offizielle Wegenetz, das vom Harzklub gepflegt wird, etwas auszudünnen. „Wir reduzieren lieber und sagen, die Wege, die wir noch haben, werden auch gepflegt“. Dies betrifft natürlich nur die offiziellen, beschilderten Wege – der Einheimische, der sich auskennt, kann natürlich weiterhin alle Wege nehmen.
Digitale Kartierung des Wegenetzes
Ein Großprojekt ist dabei die digitale Erfassung des Wegenetzes per GPS. Dazu werden sämtliche Wege erst einmal abgelaufen, um sie zu erfassen. Sämtliche Schilder müssen erfasst und auch mit Kilometerangaben versehen sein. Denn, so Diekmann: „Auch die Wanderer werden in Zukunft, genauso wie die Autofahrer, vermehrt GPS einsetzen“. Diekmann koordiniert auch für den Hauptverein die digitale Kartierung. Er geht davon aus, dass im Laufe des Jahres 2017 sämtliche Wanderwege des Harzklubs in digitaler Form vorliegen werden. Diese müssen dann an die Kartenverlage übermittelt werden, damit diese ihre Wanderkarten aktualisieren.
Burkhard Welz ist seit 25 Jahren musikalischer Leiter
Bei der Jahreshauptversammlung im Café Amadeus bewiesen die Mitglieder jedoch große Geduld und Ausdauer, bis sie nach zahlreichen Grußworten der Ehrengäste, den Wahlen und vielen Ehrungen dafür auch mit etwas ganz Besonderem belohnt wurden. Denn Burkhard Welz, der seit 25 Jahren der musikalische Leiter der Heimatgruppe ist, wurde für dieses außergewöhnliche Engagement nicht nur mit dem Ehrenzeichen in Gold ausgezeichnet, speziell für ihn hatten die Vereinskameraden auch eine Überraschung organisiert: seine musikalischen Freunde von den Barbiser Straßenmusikanten spielten für ihn – und die gesamte Mitgliederversammlung – auf und sorgten für gute Stimmung, während die Mitglieder endlich ans ersehnte Büffett treten konnten.
Ehrungen:
Für 25-jährige Mitgliedschaft:
Helmut Sassenberg, Lutz Mahnken, Eckart Welz, Andreas Pfeng, Petra Pfeng, Maik Dombrowski, Susanne Dombrowski, Marlis Eckstein, Annette Heitmüller
Für 40-jährige Mitgliedschaft:
Hans Bäumer, Brigitte Bäumer, Christian Maaß, Renate Maaß, Vladimir Jahn, Alexandra Kiphenn, Anne-Kathrin Bergmann
Für 60-jährige Mitgliedschaft:
Altrud Schrader
Ehrenzeichen in Bronze:
Horst Jäde, Hans-Günter Möhrstedt, Roswita Zimmermann
Ehrenzeichen in Silber:
Wilhelm Diekmann
Ehrenzeichen in Gold:
Burkhard Welz