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Mittwoch, 15. Juli 2026
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Geschrieben von ski am 15. September 2024

Nachruf

Eine unermüdlich engagierte Bad Lauterbergerin

Zum Tod von Gudrun Teyke

Gudrun Teyke bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im September 2023.
Gudrun Teyke bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im September 2023.
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Im letzten Jahr hatte sie das Bundesverdienstkreuz erhalten, und, wie sie sagte, sich tatsächlich einen Moment lang überlegt, ob sie das überhaupt verdient habe. „Aber dann habe ich mir alles aufgeschrieben, was ich schon gemacht habe, und dachte mir, doch, das reicht.“ Eigentlich hätte es sogar für zwei Bundesverdienstkreuze gereicht, denn was Gudrun Teyke alles ehrenamtlich geleistet hat, das passte fast gar nicht in ein einziges Leben hinein.

Die meiste Zeit hat dabei sicherlich die Politik in Anspruch genommen, eine Sache, die ihr auch aufgrund ihrer Familiengeschichte besonders am Herzen lag. „Es war nicht immer leicht für mich, als voll berufstätige Frau und Mutter mit Kindern, diese Ehrenämter zu übernehmen. Das schafft man nur, wenn ein starker Grund dahintersteht – und man es gerne macht.“ Einen starken Grund hat sie von ihrem Vater, dem ehemaligen Bad Lauterberger Bürgermeister Rudolf Haase, in die Wiege gelegt bekommen: „Er hat zu mir gesagt, Mädchen, du musst aufpassen, dass sich so etwas wie die Nazi-Diktatur niemals wiederholt“. Und das hat sie sich zu Herzen genommen: „Ich habe immer ganz klare Kante gegen Rechts gezeigt“.  Der andere starke Grund, den sie selbst nannte: die Liebe der Bad Lauterbergerin zu ihrer Heimatstadt.

Aber sich politisch zu engagieren, das war damals alles andere als einfach. Politik war zu dieser Zeit Männersache, auch in ihrer Partei, der SPD.  Bei ihrer ersten Ratskandidatur im Jahr 1972 traten 36 Personen für die SPD an – darunter nur zwei Frauen, eine davon war Gudrun Teyke. Und das sollte sich auch bei den nächsten Wahlen nicht ändern. Doch sie liess sich nicht beirren und hat sich auch in der Männergesellschaft des Bad Lauterberger Rates stets durchgebissen. Sage und schreibe 49 Jahre lang war sie Ratsfrau, davon 10 Jahre lang Ratsvorsitzende und sechs Jahre lang  stellvertretende Bürgermeisterin.

Und in den 49 Jahren Ratsmitgliedschaft hatte sie viele Widerstände und Vorbehalte gegen sie als Frau überwunden und nicht bei einer einzigen Sitzung gefehlt – darauf war sie besonders stolz. Keine Unpässlichkeit, kein Geburtstag hatte sie jemals von der Teilnahme an den Sitzungen abgehalten: „Das hat mit dem Respekt vor dem Amt zu tun. Für mich war es so eine große Ehre, Ratsperson der Stadt zu sein.“

Auch bei ihrem Engagement in der SPD hatte Gudrun Teyke stets in der ersten Reihe gestanden, wenn es darum ging, die anstehende Arbeit zu machen, und ihre eigenen Interessen zurückgestellt, wenn es notwendig war. Von ihrer Partei wurde sie im Jahr 2013 mit der Willy-Brandt-Medaille für ihre Leistungen gewürdigt.

Das politische Wirken von Gudrun Teyke ist jedoch bei weitem nicht ihr einziges Engagement für die Gesellschaft. 20 Jahre lang war sie ehrenamtliche Schiedsfrau. Zahllose Streitigkeiten wurden bei ihr zu Hause besprochen und größtenteils auch geregelt. Nachbarschaftsstreitigkeiten, aber auch Körperverletzungen, Beleidigungen und Hausfriedensbrüche wurden bei ihr geschlichtet. „Da braucht man viel Geduld. Ich habe mir immer wahnsinnig viel Zeit genommen. Und das Gesetz kam mir dabei zugute: niemand darf den Schiedsraum verlassen ohne Genehmigung der Schiedsperson“. So ließ sie die streitenden Parteien auch mal minutenlang in der Stille warten, bis endlich wieder jemand einen Schritt nach vorne machte. Dabei musste sie am Anfang noch dafür kämpfen, dass das damals übliche Schild am Hause mit dem niedersächsischen Wappen nicht mehr „Schiedsmann“, sondern „Schiedsamt“ lautete.

Zudem wirkte sie mit den vorgeschriebenen Unterbrechungen vierzig Jahre lang als ehrenamtliche Schöffin beim Amtsgericht sowie zehn Jahre lang als Beisitzerin beim Verwaltungsgericht Göttingen und fünf Jahre lang beim Gericht der Bundeswehr für die Anerkennung von Wehrdienstverweigerern. Neben all diesen Aufgaben leistete sie auch noch  25 Jahre Vorstandsarbeit bei der AWO Bad Lauterberg und rund 20-jährige Vorstandsarbeit im mittlerweile aufgelösten „Verein zur Förderung der Jugend“. Jahrelange war sie zudem im Gesamtelternrat und Kreiselternrat tätig.

Besonders am Herzen lag ihr immer ihre Heimatstadt Bad Lauterberg und deren Geschichte; in 35 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeit beim Stadtarchiv hatte sie auch zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen über die Stadtgeschichte gehalten und Stammtische für Heimatgeschichte geleitet. Bei ihren Vorträgen konnte sie frei und lebendig erzählen und benötigte ihre Notizen eigentlich gar nicht, so umfangreich wusste sie über die Geschichte der Stadt, der Gebäude und der Bewohner Bescheid und kannte immer eine Anekdote dazu.

40 Jahre lang war sie Mitglied des Kneipp-Vereins Bad Lauterberg und rund 30 Jahre im Vorstand tätig. Zuletzt hatte sie einen Vortrag über die Vereinsgeschichte des Kneipp-Vereins für dessen 100-jähriges Bestehen in diesem Jahr vorbereitet, den sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst halten konnte.

Gudrun Teyke verstarb am 30.08.2024 im Alter von 81 Jahren.


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Notizen

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