Geschrieben von Boris Janssen am 29. Juli 2014
30 Artikel, 31 Projekte
Projektwoche an der KGS zum Thema Menschenrechte ging mit Präsentation zu Ende. Nein, eigentlich erst mit dem Umzug zum Badejubiläum.






Leicht reformiert hat an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) die alljährliche Projektwoche stattgefunden. Von der letzten Woche vor den Herbstferien rückte sie auf die letzte komplette Woche vor den Sommerferien, wenn die Zeugnisse ohnehin längst geschrieben sind. Und zum ersten Mal hatte sie ein übergeordnetes Oberthema. Bei der Premiere waren das die Menschenrechte – zum 25. Jahrestag des Mauerfalls und weil derzeit eine Friedenstaube des Künstlers Richard Hillinger an der KGS Station macht.
Geblieben ist aber die öffentliche Präsentation zum Abschluss der Prowo. Am Donnerstagnachmittag (24.07.2014) stellten die insgesamt 31 Projektgruppen vor, womit sie sich so alles beschäftigt hatten. Dabei bekam der Präsentation die Reform nicht so ganz: An diesem Nachmittag mitten in der Woche kamen deutlich weniger Besucher, als es früher an Samstagvormittagen der Fall war. Und weil Menschenrechte ein zuweilen recht abstraktes und philosophisches Thema sind, gab es weniger Angebote zum Erleben, dafür mehr Theorie an Plakatwänden.
31 unterschiedliche Herangehensweisen
Aber hey, Ziel der Projektwoche ist es ja auch nicht, eine attraktive Ausstellung für Besucher auf die Beine zu stellen. Die Schüler sollten für sich ganz persönlich etwas zum Thema Menschenrechte mitnehmen. Die einen taten das auf künstlerische Art, indem sie zum Thema eigene Songs schrieben oder Comics malten. Eine Gruppe entwickelte ein Theaterstück zur Toleranz, eine andere stellte auf 30 Holzstelen jeweils einen Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dar.
Andere lernten etwas über Straßenkinder, Kindergesundheit oder die Probleme bei der Papierherstellung. In der Küche kochte sich eine Gruppe Essen aus möglichst fair gehandelten Lebensmitteln. Im Textilraum nähten Schüler Kissen aus Quadraten, die von afghanischen Frauen und Mädchen gestickt worden waren, und beschäftigten sich auf diese Weise mit dem Spannungsverhältnis, dass die Frauen und Mädchen einerseits häufig unterdrückt und ausgebeutet werden, andererseits aber ohne diese Arbeit kein Geld hätten.
Dann waren da die „Unternehmungsfreudigen“, die zur Moschee und zum Amtsgericht nach Herzberg radelten, die auf einer mehrtägigen Wanderung der Schrecken der Todesmärsche gedachten oder die die Friedenstaube auf den Brocken brachten und mit einigen interessanten Zeitzeugen sprachen. Die Wanderer dehnten ihre Projektwoche sogar ein wenig aus und beteiligten sich am Sonntag am Großen Historischen Festumzug zum Badejubiläum.
Und es gab die „Tatkräftigen“. Einige kümmerten sich um den Schulhof des Nebengebäudes, einen Innenhof oder den Schulteich. Die Gruppe Barrierefrei ging mit Bewohnern aus den Seniorenheimen spazieren, um selbst hautnah erleben zu können, wie gut die Stadt auf all jene eingestellt ist, die beim Gehen wie auch immer eingeschränkt sind. Sie reichten ihre zum Teil erschreckenden Erkenntnisse auch gleich an die Stadtverwaltung weiter. Bürgermeister Dr. Thomas Gans wechselte dafür sogar persönlich die Perspektive und ließ sich im Rollstuhl durch die Hauptstraße schieben. Im Projekt „Erklär mir die Welt“ erläuterte der freie Journalist Karl Heinz Bleß die Bedeutung der Presse- und Meinungsfreiheit. Natürlich ließ er die Schüler dann eine eigene kleine Zeitung produzieren: Themenfindung, Recherche, Schreiben, Fotografieren, Layout, Verkauf – alles inklusive. Einfach zuschauen war nur beim Druck im Kohlmann Medienkontor. (Das Ergebnis „KGS-news“ können Sie hier als PDF-Datei anschauen.)
Zu guter Letzt wurde noch ein bisschen Sport geboten: Tischtennis und natürlich Trampolin. Was das mit Menschenrechten zu tun haben soll – nämlich „Recht auf Freizeit“ und „Die Schüler helfen sich gegenseitig“ –, war da schon reichlich weit hergeholt. Aber geschenkt – dieser ultimative Klassiker mit seiner längst zum Kult gewordenen Show darf einfach nicht fehlen. Hätte die KGS ein Grundgesetz, Trampolin stände mit Sicherheit unter dessen besonderen Schutz.
Mehr über die einzelnen Projekte erfahren Sie in den Beiträgen der Projektwochenzeitung KGS-Insider.